ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:00 Uhr

Schlimmste Zeitbombe ist entschärft

Tröbitz.. Roland Riese, damals aktiv beim Badminton-Verein, erinnerte sich gestern: Jeden Dienstag stand beim Training Waldlauf auf dem Programm. „Immer, wenn wir an dieser Kippe vorüber kamen, mussten wir uns einen Schal oder ein Taschentuch vors Gesicht halten – es war vor Gestank sonst nicht auszuhalten.“ Das war zu DDR-Zeiten – als von 1967 an etwa 300 Betriebe von überall her ihre flüssigen und festen Schadstoffe nach Tröbitz brachten und in die ehemalige Grube „Louise“ kippten. Seitdem tickte hier eine gefährliche Zeitbombe – und vor allem die Tröbitzer, die mit heftigen Protesten 1990 die Schließung der Deponie erzwangen, standen vor der bangen Frage: Wird der Giftmüll nicht nur die Luft, sondern auch das Grundwasser verpesten? Von Dieter Babbe

Tatsächlich soll von der größten Altlast auf dem Gebiet des späteren Elbe-Elster-Kreises keine ernste Gefahr ausgegangen sein - Gifte hätten zwar das Grundwasser erreicht, aber nie die Pumpen der Wasserwerke, behaupteten Behörden nach der Wende. Die suchten und fanden mit renommierten Umweltunternehmen, so RWE Umwelt Ost und Lobbe Deutschland, schließlich verschiedene aufwändige Verfahren, um die stinkende Kloake und den riesigen Müllberg - insgesamt handelte es sich um 100 000 Kubikmeter Schadabfälle, davon mindestens 1 000 Tonnen Altöle, die hier unkontrolliert verkippt wurden - unschädlich zu machen. Erst im Mai 2003 begannen die konkreten Arbeiten vor Ort: Die Schlämme sind mit Aschen verfestigt, Öle sind abgepumpt und kontaminierter Boden ist umgelagert worden. Die Feststoffdeponie bekam einen Folienüberzug, der mit Erdreich abgedeckt wurde, auf dem sich die Vegetation entwickeln und der Landschaft der Umgebung nach und nach anpassen wird. An der Stelle, wo vor zwei Jahren noch der gespenstische Giftsee mit seiner mächtigen Ölschlachlammschicht lag, wird bald ein Mischwald wachsen. Die tickende Zeitbombe ist abgestellt. Gesamtkosten: insgesamt vier Millionen Euro - 60 Prozent zahlte der Bund, den Rest das Land Brandenburg. Ursprünglich war von Sanierungskosten in Höhe von bis zu 100 Millionen DM die Rede.
Nicht nur der Tröbitzer Roland Riese war gestern beeindruckt von der veränderten Gegend, der er sich einst nur mit dem Taschentuch nähern konnte. Auch Ministerpräsident Matthias Plat-zeck kam zur feierlichen Übergabe der ehemaligen Deponie an die Natur - und auch er war nicht das erste Mal an dieser Stelle. Als damaliger Umweltminister habe er 800 solcher Schadflächen aus DDR-Zeiten auf dem Tisch gehabt - die in Tröbitz war eine der schlimmsten. Auch Landrat Klaus Richter erschien - trotz Knieoperation und mit Krücken - und zeigte sich erleichtert wie beeindruckt, „wie aus einer versauten Landschaft etwas richtig Schönes gemacht wurde“ .