| 02:37 Uhr

Schlechte Saison für Pilzsammler

Lothar Jankowiak.
Lothar Jankowiak. FOTO: gb
2016 geht als Jahr der Pilzflaute in die Geschichte ein. Oder bewegt sich im Endspurt doch noch was? Die RUNDSCHAU sprach mit Lothar Jankowiak (63), Pilzsachverständiger aus Finsterwalde.

Teilen Sie den Eindruck, dass dieses Jahr kein Pilzjahr ist?
Ich kann mich an ein so schlechtes Pilzjahr wie dieses nicht erinnern. Bis Ende voriger Woche war es jedenfalls sehr, sehr schlecht. Und das im gesamten Land Brandenburg. Was nicht heißt, dass es punktuell ein paar Funde gegeben haben kann. Was die Speisepilze betrifft, habe ich auch ein paar Pfifferlinge, Rotkappen und zuletzt Butterpilze gefunden.

Hat das für eine Mahlzeit gereicht?
Das wäre übertrieben. Sprechen wir lieber von einer größeren Kostprobe. Im Unterschied zu anderen Jahren habe ich in diesem auch keine Pilze getrocknet.

Als Mitglied im brandenburgischen Landesverband der Pilzsachverständigen haben Sie Kontakte ins ganze Land. Was hört man aus anderen Gegenden?
Wir haben uns am 23. und 24. September in Krausnick im Unterspreewald getroffen. Eigentlich eine feuchte Gegend, aber auch hier gab es wenig Pilze. Von den etwa 50 Teilnehmern des Treffens wurden insgesamt sehr wenig Speisepilze gefunden. In der Oberlausitzer Heidelandschaft waren es wohl ein paar mehr.

Habe Sie noch Hoffnung für diesen Herbst?
Ja, aber ob der Wunsch in Erfüllung geht, kann ich nicht sagen. Feuchtigkeit ist jetzt vorhanden, es gibt noch keinen Frost. Das spricht für ein Pilzwachstum. Aber die Jahreszeit ist schon vorangeschritten. Da steht ein großes Fragezeichen, ob sich die Pilze noch heraustrauen. Ich will in den nächsten Tagen auch auf die Suche gehen.

Wo suchen Sie?
Naja. Vielleicht in Richtung Babben.

Im zweiten Jahr haben Sie wieder regelmäßige Treffen von Pilzfreunden in Finsterwalde belebt. War es mangels Pilzen langweilig?
Auf keinen Fall. Ich habe nie allein dagesessen. Es lagen auch jedes Mal Pilze auf dem Tisch, bis zu zehn verschiedene Arten. Einige wachsen ja auch bei Trockenheit, zum Beispiel am Holz, an Bäumen. Da gibt es immer etwas zu besprechen. Neben den Pilzbestimmungen gab es auch immer einen Vortrag von mir. Zum Beispiel darüber, was man mit Pilzen noch machen kann, außer sie zu essen.

Was kann man noch machen?
Naturfarbe gewinnen, Papier schöpfen, mit dem Zunderschwamm kann man Feuer machen.

Zum vorletzten Mal treffen sich die Pilzfreunde in dieser Saison am kommenden Montag.
Ja, und vielleicht können da doch noch ein paar mehr Pilze mitgebracht werden. Ich werde kurz vor dem Treffen auch noch mal durch die Bürgerheide laufen.

Werden Sie die Treffen der Pilzfreunde 2017 fortsetzen?
Ja, jetzt habe ich auch mehr Zeit, denn ich bin seit einem Monat Rentner.

Mit Lothar Jankowiak

sprach Gabi Böttcher

Die Finsterwalder Pilzfreunde treffen sich am Montag, 24. Oktober, und am Montag, 28. November, jeweils um 17 Uhr, im Rathaus am Finsterwalder Markt. Die erste halbe Stunde ist der öffentlichen Pilzberatung vorbehalten. Interessierte können an den dann folgenden Bestimmungsübungen und Vorträgen teilnehmen.