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| 18:14 Uhr

Stellenweise knietief im Morast
„Schlammkur“ für freilebende Kühe

 Unweit vom Finsterwalder Ortsteil Pechhütte auf einer Wiese im Wald: Teilweise versinken die Tiere in der Schlammwüste knietief.
Unweit vom Finsterwalder Ortsteil Pechhütte auf einer Wiese im Wald: Teilweise versinken die Tiere in der Schlammwüste knietief. FOTO: Dieter Babbe
Finsterwalde-Pechhütte. Finsterwalder Tierschützer kritisieren die Haltung der Vierbeiner in Finsterwalde-Pechhütte. Der Tierhalter spricht derweil von Verleumdung. Von Dieter Babbe

Tiere, auch Kühe, können – unter bestimmten Voraussetzungen – das ganze Jahr über, selbst bei Kälte und Nässe, im Freien gehalten werden. Aber bitte nicht so! Das meint jedenfalls der Finsterwalder Tierschutzverein. Doch der Tierhalter fühlt sich zu Unrecht ins schlechte Licht gerückt.

Unweit vom Finsterwalder Ortsteil Pechhütte auf einer Wiese im Wald steht eine Mutterkuhherde. Die mehr als 20 Tiere, meist Kühe, einige Jungtiere sind darunter und ein Bulle, stehen gut im Futter. Sie wirken gesund und kräftig, sind bestens mit Heu und frischer Silage versorgt und haben ausreichend Wasser – als die Tierschützer dieser Tage vor Ort waren. Nur eine Kuh scheint krank zu sein, das Tier lahmt stark mit einem Hinterlauf. Das Problem für Sabine Delloch, der Vorsitzenden vom Tierschutzverein: Die feuchte Witterung der vorangegangenen Tage hat die Koppel in eine Schlammwüste verwandelt. Die bewegungsfreudigen Tiere müssen stellenweise knietief durch den Morast waten, um von der Futterstelle zur Tränke am Koppelzaun zu kommen. „Für das Wetter kann niemand, das macht den robusten Tieren mit dem dichten Fell auch nichts aus. Die Folge ist, dass die Wiese zu einer Schlammpiste mit Seenlandschaft geworden ist, wo an vielen Stellen das Wasser steht und nicht so schnell versickern oder verdunsten kann“, hat Sabine Delloch Verständnis für den Halter.

Ein Großvater ist auf einem Spaziergang mit seinem Enkel an der Kuhherde vorbei gekommen – und war vom Zustand auf der Koppel, auf der die Kühe stehen, schockiert. Er rief die Vorsitzende vom Tierschutzverein an. Sabine Delloch informierte sich sofort, was Tierhalter bei der ganzjährigen Freilandhaltung von Rindern beachten müssen. „Dazu gehört auf jeden Fall, dass die Tiere einen festen und trockenen erhöhten Liegeplatz haben müssen – das vermisse ich hier. Sie müssen sich zwangsläufig in den Schlamm legen“, stellt die Vereinsvorsitzende besorgt fest. „Eine solche Haltung kann das Auftreten von Infektionskrankheiten und Klauenerkrankungen begünstigen“, hat sich Sabine Delloch bei der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. schlau gemacht. Aus den Richtlinien dieser Vereinigung, Merkblatt Nummer 85, zitiert die Vereinsvorsitzende weiter: „In der kalten Jahreszeit muss Rindern eine trockene, windgeschützte Liegefläche zur Verfügung stehen, die so bemessen ist, dass alle Tiere gleichzeitig liegen können. Das ist hier nicht gewährleistet.“

„So würde ich meine Tiere nicht halten“, kommt auch ein Tierarzt aus der Region, der namentlich nicht genannt werden möchte, zu dem Schluss. Er hatte, nachdem er vom Tierschutzverein informiert worden ist, die Situation auf der Koppel bei Pechhütte persönlich in Augenschein genommen. Auch er würdigt die gute Futterversorgung, kritisiert aber: „Ohne einen trockenen Liegeplatz geht das nicht – am besten noch unter einem überdachten Unterstand, damit die Liegefläche auch bei starker Nässe trocken bleibt.“ Trockener Frost und Schnee werde von den Rindern besser vertragen als anhaltend nasskalte Witterung in Verbindung mit starkem Wind.

Der Tierhalter aus Drößig sieht sich zu Unrecht kritisiert. Die Herde sei seit Jahren draußen im Freien, bei jedem Wind und Wetter – „seitdem gibt es keinen Fall von Lungenentzündung mehr. Unsere Tiere sind kerngesund und fühlen sich sehr wohl“, erklärt der Tierhalter gegenüber der RUNDSCHAU. „Im Übrigen wird der Liegeplatz jeden Morgen frisch mit Stroh eingestreut“, versichert der Tierhalter, räumt aber ein, dass bei dem nassen Wetter der zurückliegenden Tage die Fläche schnell wieder schwarz sei. Auf die schriftliche Anzeige des Tierschutzvereins hin sei das Veterinäramt vor Ort gewesen. „Es gab keine Beanstandungen“, erklärt der Tierhalter – er spricht von „Verleumdung“ seitens des Tierschutzvereins und seiner Vorsitzenden. Sabine Delloch will dagegen nicht locker lassen. Sie hat den Fall zur juristischen Bewertung an den Deutschen Tierschutzbund weiter gegeben.