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| 16:02 Uhr

Dealer in Finsterwalde verhaftet
Schlag gegen Lausitzer Drogenszene

 Symbolfoto: Spezialkräften der Sächsischen Polizei haben am 10. Januar in einer Ferienwohnung bei Finsterwalde einen mutmaßlichen Drogendealer verhaftet.
Symbolfoto: Spezialkräften der Sächsischen Polizei haben am 10. Januar in einer Ferienwohnung bei Finsterwalde einen mutmaßlichen Drogendealer verhaftet. FOTO: dpa / Tino Plunert
Finsterwalde/Dresden. Fahndern aus Sachsen und Brandenburg ist ein Schlag gegen den Drogenhandel in der Lausitz gelungen. In den vergangenen Tagen wurde ein Dealer bei Finsterwalde verhaftet. Was die Polizisten bei ihm fanden, lässt aufhorchen. Von Bodo Baumert

Nein, es ist kein kleiner Fisch, der den Drogenfahndern aus Dresden und Cottbus da in die Hände geraten ist. Bereits am 10. Januar wurde bei Finsterwalde ein 30-Jähriger verhaftet, der im großen Stil Drogen von einer Dealergruppe aus Dresden bezogen haben soll. Bei der Durchsuchung seiner Ferienwohnung und weiteren Räumlichkeiten in der Region wurden rund 160 Gramm Kokain, 800 Ecstasy-Tabletten, acht Gramm Crystal sowie 170 000 Euro Bargeld sichergestellt, wie die Staatsanwaltschaft Dresden am Dienstag berichtet.

„Der Festgenommene steht im Verdacht, seit mindestens Herbst 2017 Handel mit Betäubungsmitteln – insbesondere mit der gefährlichen Droge Crystal – getrieben und sich damit seinen Lebensunterhalt verdient zu haben“, berichtet Lorenz Haase, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden.

Staatsanwalt Olaf Jurtz aus Cottbus bestätigt, dass es sich um einen „großen Schlag“ gegen den Rauschgifthandel in der Region handelt. Im Zuge der Ermittlungen sei zudem ein weiterer Abnehmer verhaftet worden. Details konnte die Staatsanwaltschaft am Dienstag aber noch nicht nennen.

Auch die Ermittler aus Dresden halten sich zum laufenden Verfahren bedeckt. Wo genau die Polizeikräfte beider Länder in der vergangenen Woche zugeschlagen haben, bleibt geheim. Fest steht, dass zwei Wohnungen, eine Pension sowie eine Werkstatthalle „im Bereich Südbrandenburg“ durchsucht wurden. Der 30-Jährige selbst wurde von Spezialkräften in einer Ferienwohnung gestellt. Am Freitag erließ das Amtsgericht Dresden Haftbefehl gegen den Mann. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Der 30-Jährige sei nach bisherigem Stand der Ermittlungen als Alleintäter aufgetreten, bestätigt Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt auf Nachfrage.

Der Umfang seiner Drogengeschäfte scheint allerdings beachtlich gewesen zu sein. Allein die nun bei ihm sichergestellten Drogen haben einen Marktwert von rund 20 000 Euro. Hinzu kommen die 170 000 Euro in bar. Die sächsischen Ermittler, die über eine Dealergruppe aus Dresden auf ihn aufmerksam wurden, bezeichnen den 30-Jährigen in diesem Zusammenhang als „einen der Großabnehmer dieser Tätergruppierung“.

Für die Ermittler des Zollfahndungsamtes Dresden und der Polizeidirektion Dresden ist die Verhaftung ein weiterer Höhepunkt ihrer monatelangen Recherchen im Drogenmilieu. Bereits im Januar 2018 fanden mehrere Durchsuchungen im Raum Dresden statt, bei welchen vier Kilogramm Crystal, 1650 Ecstasy-Tabletten, 500 Gramm Marihuana sowie ein professionell eingerichtetes Labor gefunden wurden. Zudem stießen die Ermittler auf Chemikalien, mit denen Crystal und Ecstasy hergestellt hätten werden können, drei vollautomatische und schussfähige Maschinenpistolen, eine Pistole sowie 125 000 Euro Bargeld. Zwei Männer wurden damals rund um Dresden verhaftet.

Im Fokus der Ermittlungen steht eine deutschstämmige Tätergruppierung aus dem Raum Dresden, die als Drehscheibe für den Drogenhandel, vor allem mit Crystal Meth dient. Sie steht im Verdacht, Betäubungsmittel aus Tschechien nach Deutschland einzuschmuggeln sowie selbst herzustellen. Anschließend wurden die Drogen an andere Dealer weiterverkauft.

Sachsen und Südbrandenburg sind ein großer Markt für derartige Geschäfte. Crystal Meth hat sich von Tschechien ausgehend bis in die Lausitz verbreitet. Vor allem der Raum OSL gilt seit Jahren als Problembereich. Mehrfach hat die Polizei in den vergangenen Jahren hier Dealer aus dem Verkehr gezogen. Am Freitag steht erneut ein Drogendealer aus Senftenberg vor dem Landgericht in Cottbus. Gegen ihn hatten Richter eine Rekordstrafe von zwölfeinhalb Jahren, die allerdings vom Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben wurde. Deshalb beginnt der Prozess nun erneut.