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| 02:36 Uhr

Schläger kommt hinter Gitter

Geschädigter Christoph H. im Gerichtssaal: "Für mich gibt es dafür kein gerechtes Urteil."
Geschädigter Christoph H. im Gerichtssaal: "Für mich gibt es dafür kein gerechtes Urteil." FOTO: lho
Bad Liebenwerda / Finsterwalde. Nach einem Discobesuch wollte Christoph H. eine Frau vor den Schlägen ihres Freundes beschützen. Der Helfer wurde durch sein Eingreifen selbst schwer verletzt. Der Täter Konstantin S. kommt nun ins Gefängnis. Linda Haazipolo

Konstantin S., 22 Jahre alt, und sein älterer Bruder Wjatscheslav S. aus Finsterwalde wurden am gestrigen Mittwoch vor dem Amtsgericht Bad Liebenwerda verurteilt. Konstantin S. bekam wegen schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Richterin Marion Seidel machte in ihrer Urteilsbegründung "verminderte Schuldfähigkeit" geltend. Diese sei aus dem stark alkoholisierten Zustand des Angeklagten abzuleiten. Der zweite Angeklagte, Wjatscheslav S., wurde der einfachen Körperverletzung schuldig gesprochen. Er muss seine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 20 Euro bezahlen.

Dauerhafte Verletzungen

Der Geschädigte Christoph H. aus Senftenberg war an dem Prozess als Zeuge und Nebenkläger beteiligt. Da es keine Wiedergutmachung für seine lebenslange Behinderung geben kann, sagte er deutlich: "Für mich gibt es dafür kein gerechtes Urteil." Durch die Gehirnverletzung, die Christoph H. erlitt, wird eine halbseitige Lähmung seines Körpers zurückbleiben. Er gilt nach dem Vorfall als schwerbehindert, wie sein Anwalt noch vor dem Urteil betonte.

Mit dem Ausgang des Prozesses zeigte sich der Geschädigte aber einverstanden: "Das Urteil ist für mich zufriedenstellend. Ich hoffe, dass Konstantin und Wjatscheslav daraus gelernt haben", sagte er noch im Gerichtssaal.

Etwas Ungewissheit bleibt

In der Nacht vom 11. auf den 12. Mai hatte der Geschädigte gemeinsam Bekannten die Finsterwalder Disco Fun Hollywood besucht. Als er zusammen mit seinem Freund Hannes J. vor der Diskothek auf den Rest der Gruppe wartete, beobachteten die beiden einen Streit zwischen zwei Männern und einer Frau. Die beiden Freunde näherten sich den Dreien. Sie wollten Alexandra G. helfen, als sie von ihrem damaligen Partner Konstantin S. geschlagen wurde. Wjatscheslav S. war ebenfalls am Streit beteiligt.

Bis zu diesem Punkt schilderten alle Zeugen den Ablauf in etwa gleich. Was danach passierte, bliebt auch am zweiten Verhandlungstag unklar. Die beiden Angeklagten äußerten sich nicht zum Tathergang. Christoph H. kann sich an den größten Teil der Nacht nicht mehr erinnern, sagte er. Auch Hannes J. konnte über den Beginn der Schlägerei keine Auskunft geben: "Wahrscheinlich war ich durch einen Schlag kurz bewusstlos."

Wie genau es zu den schweren Verletzungen des Geschädigten kam, ob er geschlagen oder getreten wurde, konnte in der Verhandlung nicht geklärt werden. Konstantin S. hatte in einer Vernehmung angegeben, Christoph H. geschubst zu haben, worauf dieser mit dem Kopf auf die Bordsteinkante gefallen sei.

Verletzungen nicht als Sturzfolge

Diese These wurde aber durch ein gerichtsmedizinisches Gutachten widerlegt. "Es muss weitere Gewalteinwirkungen auf den Kopf gegeben haben", sagte daher Richterin Marion Seidel. Daran, dass die Verletzungen von Konstantin S. verursacht wurden, ließ sie keinen Zweifel. Sein Bruder Wjatscheslav S. dagegen soll an der Verletzung von Christoph H. nicht beteiligt gewesen sein. Er soll aber Hannes J. nur leicht verletzt haben, deshalb bekam er eine mildere Strafe, erklärte die Richterin.

Noch nicht mit den Ereignissen vom Mai 2012 abschließen kann auch Alexandra G. Sie hatte vor Gericht immer wieder beteuert, die Schlägerei nicht gesehen zu haben, weil sie weggerannt sei. Dem widersprachen mehrere Zeugen. "Ich denke, sie bekommen noch Post von der Staatsanwaltschaft", sagte die Richterin Marion Seidel zu der jungen Frau. Staatsanwältin Loni-Regina Füting bestätigte, dass sie weitere Untersuchungen einleiten werde.