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Schicksalstag auf dem Rasen

Volkhard Oels (m.) mit einem seiner beiden Lebensretter Thomas Kasupke (r.) und Krankenschwester Mandy Wittwer. (Foto: Elbe-Elster Klinikum)
Volkhard Oels (m.) mit einem seiner beiden Lebensretter Thomas Kasupke (r.) und Krankenschwester Mandy Wittwer. (Foto: Elbe-Elster Klinikum) FOTO: prod (LR-COS-REM-313)
Finsterwalde. Fußballkollegen retten in Finsterwalde das Leben ihres Sportfreundes Volkhard Oels. Notfallmediziner aus dem Elbe-Elster-Klinikum arbeiten Hand in Hand. Dunja Petermann

Es ist ein Samstagnachmittag im November vergangenen Jahres. Volkhard Oels ist auf das Punktspiel seines Fußballvereins Spielvereinigung Finsterwalde e.V. gegen den Ortsrivalen FC Sängerstadt Finsterwalde gespannt. Fünf Tage nach seinem 46. Geburtstag will er nach dem Spiel noch mit Freunden zusammensitzen und feiern. Er ahnt nicht, dass es an diesem Samstag für ihn um Leben und Tod gehen wird.

Der Polizist Volkhard Oels ist sportlich. Neben anderen Sportarten spielt er regelmäßig Fußball in seinem Verein. Der Auswechselspieler für die zweite Mannschaft sitzt am besagten Samstag auf der Bank und verfolgt das Geschehen auf dem Platz.

In der 52. Minute wird Volkhard Oels eingewechselt. Er rennt über den Platz und kämpft für seinen Verein. Nein, dem Ortsrivalen möchte man nichts schenken. In der 88. Minute geschieht dann das Unfassbare. Volkhard Oels fällt auf dem Fußballfeld um und bleibt bewusstlos und ohne jegliche Lebenszeichen liegen.

Ohne zu Zögern läuft Richard Wolf aus der gegnerischen Mannschaft zu Volkhard Oels, kniet sich neben ihn auf den Boden und fängt sofort mit der Herzdruckmassage und Beatmung zur Wiederbelebung an.

In der Zwischenzeit setzt Thomas Kasupke den Notruf ab. Es dauert sechs Minuten, bis das Rettungsteam und die Notärztin eintreffen. Sofort wird ein EKG aufgezeichnet, welches ein Kammerflimmern des Herzens, also eine Herzrhythmusstörung, bei der das Herz kein Blut mehr in den Kreislauf pumpen kann, zeigt.

Die Notärztin Kirsten Korsake führt die Reanimations- und Beatmungsmaßnahmen fort, gibt Volkhard Oels kreislaufwirksame Medikamente und setzt drei Mal den Defibrillator ein, bei dem das Herz über Elektrostimulation wieder aktiviert werden soll. Und tatsächlich - das Herz von Volkhard Oels fängt wieder an zu schlagen, eine normale Herzfrequenz und ein normaler Blutdruck sind messbar. Er lebt.

Volkhard Oels wird mit dem Rettungswagen in die Notaufnahme des Krankenhauses Finsterwalde gebracht, wo ihn die Krankenschwestern Claudia Horn, Anke Kerstan und Mandy Wittwer sowie das Team der internistischen Abteilung bereits erwarten. Es folgen weitere Untersuchungen. Schließlich wird entschieden, Volkhard Oels sofort ins Herzzentrum nach Cottbus zu verlegen. Innerhalb von nur 30 Minuten werden gemeinsam mit der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin um Chefarzt Dr. Karsten Suhr alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um ihn mit dem Hubschrauber nach Cottbus zu bringen. "Da Herr Oels während der Wiederbelebung in ein sogenanntes künstliches Koma versetzt worden war, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, ob und in welchem Ausmaß das Gehirn durch einen möglichen Sauerstoffmangel vor der Wiederbelebung einen Schaden genommen haben könnte", erläutert Chefarzt Dr. Karsten Suhr. "Das künstliche Koma ist zur Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Systeme des Patienten während des Transportes unbedingt notwendig und wurde deshalb beibehalten", erläutert der Facharzt.

Fassungslosigkeit herrscht in der Zwischenzeit immer noch auf dem Fußballplatz, man realisiert, was da gerade passiert sein musste.

"Ich selbst kann mich an den Moment auf dem Rasen gar nicht mehr erinnern. Ich weiß nur, dass ich eine Art Blackout hatte. Mir wurde von einer Sekunde auf die andere schwarz vor Augen", erzählt Volkhard Oels. "Ich war an diesem Tag absolut fit, hatte keine Schmerzen, keine verschleppte Erkältung oder gar irgendeine Herzerkrankung", so der Sportfreund. "Ich habe lediglich ein bisschen Bluthochdruck, aber deshalb fällt man ja nicht gleich tot um", war er selbst am meisten von dem Zusammenbruch überrascht.

Nach neun Tagen erwacht Volkhard Oels Ende November aus dem Koma.

Nach einer dreiwöchigen Reha im Januar ist der Kriminalbeamte inzwischen wieder fast völlig genesen und wartet darauf, wieder auf die Polizei-Dienststelle in Finsterwalde gehen zu können. Volkhard Oels hat keine bleibenden Schäden behalten.

"Herr Oels hatte großes Glück, dass Richard Wolf sofort mit der Herzdruckmassage angefangen hat. Ohne diese wertvolle Erste Hilfe hätte er den Zwischenfall nicht ohne schwere Schäden überlebt", so Chefarzt Dr. Karsten Suhr. "Sicher haben alle beteiligten Sanitäter, Pflegekräfte und Ärzte zu dem erfolgreichen Ausgang beigetragen, ausschlaggebend für die Lebensrettung aber war das beherzte Eingreifen und der Mut zur Wiederbelebung der Fußballkollegen", so die Einschätzung des erfahrenen Mediziners.

Volkhard Oels kann sein Glück kaum fassen und feiert zukünftig zweimal im Jahr Geburtstag. "Ich bin meinem Lebensretter unendlich dankbar", sagt er. Auf die Frage, wie der Vorfall auf dem Fußballplatz sein Leben verändert hat, antwortet er: "Ich lebe mein Leben noch bewusster als vorher." "Mir wurde von einer Sekunde auf die andere schwarz vor Augen."

Volkhard Oels

Volkhard Oels (M.) mit einem seiner Lebensretter, Thomas Kasupke (r.), und Krankenschwester Mandy Wittwer. Fotos: Elbe-Elster Klinikum/Ines Aufgebauer

Das Elbe-Elster-Klinikum.