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| 12:23 Uhr

Schafszucht bald unwirtschaftlich
Große Bedenken vor dem Wolfszuwachs

 Etwa 300 Schafe der Schäferei Nesges sind unterwegs nach Lichterfeld-Schacksdorf und Meuro (Schipkau). Auf Weidefeldern verbringen sie dort den Sommer. In Göllnitz (Sallgast) machen sie dieser Tage Halt.
Etwa 300 Schafe der Schäferei Nesges sind unterwegs nach Lichterfeld-Schacksdorf und Meuro (Schipkau). Auf Weidefeldern verbringen sie dort den Sommer. In Göllnitz (Sallgast) machen sie dieser Tage Halt. FOTO: LR / Stephan Meyer
Elbe-Elster. Die Schafe von Johann Nesges weiden aktuell in Elbe-Elster. Elektrozäune und Herdenschutzhunde sichern sie nachts vor Wölfen. Doch reicht das noch aus? Von Stephan Meyer

Wer derzeit zwischen dem Lichterfeld-Schacksdorfer Ortsteil Lieskau und Zürchel unterwegs ist, hat die Gelegenheit, entlang der Straßen Schafe beim Grasen zu betrachten. Knapp 300 Tiere sind es. Sie gehören Johann Nesges, Geschäftsführer der Schäferei Nesges. Momentan sind sie in Begleitung eines Schafhirten unterwegs in Richtung Meuro (Schipkau) und Lichterfeld-Schacksdorf. Auf Weideflächen verbringen sie dort den Sommer.

Obwohl erst Anfang März ein Wolf Damwild in Jagsal gerissen hat, hofft Nesges, dass seine momentanen Sicherheitsmaßnahmen ausreichen. Der Ansiedlung des Raubtieres steht der Schafzüchter aus Dahme/Mark kritisch gegenüber.

Schutz mit Zaun, Schäfer und Hund

„Unsere Tiere werden tagsüber von Schäfern und Hütehunden und nachts mit einem beweglichen Elektrozaun und Herdenschutzhunden geschützt“, erklärt der Schafzüchter sein Sicherheitskonzept. Der Unterschied zwischen den beiden Hundearten: „Herdenschutzhunde sind die Kumpel der Schafe“, erläutert Nesges. Eine andere Funktion als die Nutztiere vor Angriffen zu bewahren haben sie nicht. Hütehunde entgegen sind zum Beaufsichtigen und Treiben der Tiere da. „Dazu dürfen sie die Schafe auch mal beißen.“

Ein ungewöhnlicher Anblick für Außenstehende: Des Nachts werden die Tiere in ein 15 000 bis 20 000 Quadratmeter großes Zaungehege eingepfercht und stehen dicht an dicht. „Nur zum Schlafen“, versichert der 58-Jährige. Diese Art der Haltung ist durchaus üblich in der Nacht. Tagsüber hingegen haben die Tiere genügend Auslauf und können sich frei auf der Weide bewegen.

Sieben Tiere im Januar eingebüßt

Auch wenn der Schafzüchter alles Erdenkliche für den Schutz seiner Herden bewerkstelligt, auch seine Schafe kamen schon mal in Kontakt mit Wölfen. „Vor einigen Jahren haben bei Lieskau Wölfe drei bis vier Mal Schafe von mir angegriffen“, erinnert er sich. Im Januar hatte er sieben Tiere bei Zützen (Ortsteil von Golßen) eingebüßt. Und das trotz Herdenschutzhund und Elektrozaun. Nesges befürwortet die Ansiedlung des Wolfes nicht. Er ist überzeugt, die Wölfe werden irgendwann auch die beweglichen Elektrozäune überwinden. „Wenn die Population der Wölfe weiter so zunimmt und die Rudel größer werden, lenken einige Wölfe die Herdenschutzhunde ab, während andere die Tiere angreifen“, so seine Warnung. In Rumänien beispielsweise, führt Nesges an, gäbe es bereits so viele Wölfe und Bären, dass es dort gar nicht mehr möglich sei, Schafe nachts alleine zu lassen. In Rumänien gibt es deshalb so viele Wölfe und Bären, da sie dort nie ausgerottet wurden. „Herdenschutzhunde und Zäune reichen bald nicht mehr aus.“

Für ihn gibt es nur zwei mögliche Lösungen, Wölfe von Schafen abzuhalten: „Entweder wir beschützen die Tiere tags- und nachtsüber mit Hunden und Menschen oder tagsüber mit Hund und Schäfer und nachts gehen die Schafe in einen geschlossenen Stall.“ Beides sei unwirtschaftlich. Die Schafzucht lohne sich bald nicht mehr. Nesges wünscht sich daher für die Weidetierhalter mehr Unterstützung von der Landesregierung.