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| 01:27 Uhr

Sana beendet Krankenhaus-Management

Finsterwalde. Deutliche Worte findet die in München ansässige Sana Kliniken AG in ihrer Pressemitteilung zur fristgemäßen Kündigung des Management-Vertrages für das Elbe-Elster-Klinikum zum 31. Dezember dieses Jahres. Sie spricht von einem „natürlichen Zielkonflikt zwischen politischen Interessen einerseits und Anforderungen an das Management, um Strukturmaßnahmen zur langfristigen Sicherung des Klinikums zu ergreifen, andererseits“. Und dies vor „dem Hintergrund notwendiger Entscheidungen über Strategie, Standorte und Leistungsangebote“. Frank Hilbert

Man mache von der Option der Vertragsverlängerung keinen Gebrauch, heißt es weiter. "Wir sehen unser Engagement nicht als Tageswerk an. Wir denken strategisch." So zitierte die RUNDSCHAU den damaligen Sana-Generalbevollmächtigten der Region Nordost, Otto Melchert, zu Beginn der im Januar 2007 begonnenen Tätigkeit im Landkreis Elbe-Elster. Damit ist es nun vorbei. "Beurlaubung ist Gerücht"Warum die Sana Kliniken AG auf eine Vertragsverlängerung verzichtet, erklärt Landrat Klaus Richter (SPD) auf Nachfrage folgendermaßen: "Das hat möglicherweise etwas mit den Beschlüssen des neuen Aufsichtsrates des Elbe-Elster-Klinikums zu tun. Dieser hat beschlossen, dass der Klinikum-Geschäftsführer Dirk Nikolaizig an den Vorberatungen des Aufsichtsrates nicht teilnehmen soll. Otto Melchert hingegen darf an den Aufsichtsratssitzungen nur noch auf Anforderung teilnehmen." Sana habe daraufhin in einem Schreiben an ihn ihr Unverständnis mitgeteilt, so der Landrat. Dass Nikolaizig inzwischen beurlaubt sein soll, bezeichnet Klaus Richter jedoch als Gerücht: "Die Gesellschafterversammlung hat nichts dergleichen beschlossen."Doch wie soll es nun weitergehen? "Ich habe in der vorigen Woche alle Fraktionsvorsitzenden des Kreistages darüber informiert. Von allen habe ich das Votum erhalten, mit dem Klinikum Niederlausitz bezüglich einer künftigen Zusammenarbeit zu verhandeln. Die Thematik soll im Mai im Kreistag behandelt werden", kündigt Richter an, der auch gleich auf die bereits feststehenden Eckpunkte verweist.Gleiche StimmrechteSo seien die Stimmrechte beider Klinik-Gesellschaften mit jeweils 50 Prozent und der Erhalt der drei Standorte in Elbe-Elster (Herzberg, Elsterwerda, Finsterwalde) und der beiden Standorte im OSL-Kreis (Lauchhammer, Senftenberg) vereinbart worden. Darüber hinaus bestehe Einvernehmen, den vierten Bauabschnitt am Finsterwalder Krankenhaus wie geplant zu realisieren. "Es soll auch kein medizinischer Bereich in unserem Klinikum geschlossen werden und es gibt keinen Grund, Personal zu entlassen", betont der Landrat. Ärzte-Austausch geplantStattdessen habe man bereits mit dem Klinikum Niederlausitz vereinbart, sich bei Bedarf gegenseitig mit Fachärzten zu unterstützen. Das gelte insbesondere für den Gynäkologie-Standort in Herzberg, unterstreicht Klaus Richter. Die geschlossene Gyn in Finsterwalde sei auch nicht mehr im Landeskrankenhausplan enthalten.Das ab Januar 2010 wirksam werdende neue Klinik-Gebilde werde dann über 1100 Betten und 1900 Mitarbeiter verfügen (die RUNDSCHAU berichtete). "Wir sind dann ein kommunales Haus mit großer Leistungskraft, das die medizinische Versorgung für den ländlichen Raum flächendeckend und nachhaltig sichert", so Richter. Wie dessen Verwaltung erfolgen werde, sei nun im Rahmen der Verhandlungen zu klären, wobei der Landkreis Elbe-Elster auf Parität Wert lege. Das stoße auch bei den Partnern im OSL-Kreis auf Akzeptanz, sagt der Landrat. Was die jeweiligen Spezialisierungen in allen fünf Häusern anbelange, das sei Aufgabe einer Arbeitsgruppe, die sich mit dem Gesamtkonzept befasst und in den nächsten zwei Wochen gebildet werden soll. Kreistag hat letztes Wort "Alles passiert jedoch vorbehaltlich der Zustimmung des Kreistages", versichert der Landrat. Befragt nach dem eigentlichen Initiator der geplanten Zusammenarbeit mit dem Klinikum Niederlausitz schätzt er ein: "Es war subjektiv unsere Wahrnehmung, dass es im Kreistag keine Mehrheit für eine Privatisierung oder für eine Fortführung der Zusammenarbeit mit Sana gegeben hätte."