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| 18:15 Uhr

Und der Amtsschimmel wiehert
Sallgaster kämpft um Terrassendach

Bernd Friedrich aus Sallgast versteht die Welt nicht mehr. Über diese Freifläche hinter seinem Einfamilienhaus darf er keine Überdachung bauen, wegen nicht gewährleisteter Löschwasserversorgung. Was geschieht, wenn sein Haus brennt?
Bernd Friedrich aus Sallgast versteht die Welt nicht mehr. Über diese Freifläche hinter seinem Einfamilienhaus darf er keine Überdachung bauen, wegen nicht gewährleisteter Löschwasserversorgung. Was geschieht, wenn sein Haus brennt? FOTO: Gabi Böttcher
Sallgast. Einen solchen Hindernislauf hatte sich Bernd Friedrich aus Sallgast beim besten Willen nicht vorstellen können, um an ein Dach für seine Terrasse zu kommen. Von Gabi Böttcher

. Ein Dach, unter dem er in seiner Freizeit auch mal bei Regen mit Tänzerinnen und Tänzern des TSC Sängerstadt ungestört üben könnte. Weil die Löschwasserversorgung für sein Grundstück nicht gesichert sei, werde die Bearbeitung seines Bauantrages ausgesetzt, hatte er am 11. Oktober vom Bauamt des Landkreises erfahren.

Um Gottes Willen – was passiert, wenn das vor der Terrasse liegende Haus brennt? Und wenn andere Häuser in der Straße Am Turnplatz in Brand geraten? Vom Bauamt des Landkreises wurde laut Pressestelle „aufgrund der ungeklärten Lage zur Löschwasserversorgung dem Amt Kleine Elster noch einmal die Gelegenheit zur Äußerung gegeben“. Termin: Freitag 2. November. Genau mit dem Ende der Herbstferien, in denen Bernd Friedrich sein gepflastertes Areal im Garten auf etwa 5 mal 11 Metern Fläche eigentlich überdachen lassen wollte – mit einem Blechdach, ruhend auf acht Holzsäulen und entsprechender Unterkonstruktion. Eingereicht hatte der Sallgaster den Bauantrag am 3. Juli beim Bauamt des Landkreises. In bester Hoffnung, in den Herbstferien zur Tat schreiten zu können. Bernd Friedrich, der von Berufs wegen selbst mit Genehmigungsverfahren für Bürger zu tun hat, ist doppelt enttäuscht. Bei seinen Vorsprachen in Amtsstuben von Landkreis und Amt Kleine Elster sei für ihn ungeklärt geblieben, wie sein Anliegen gelöst werden könnte. „Das ist für mich kein modernes Verständnis von Verwaltungsarbeit“, sagt der Sallgaster. Er wandte sich inzwischen mit der Bitte um Hilfe sowohl an Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, als auch an den Petitionsausschuss des Landtages Brandenburg.

Die berechtigte Sorge, was im Falle eines Brandes Am Turnplatz passieren würde, kann indes Amtsbrandmeister Thomas Paul nehmen: „Keine Frage: Wir löschen.“ Zum Einsatz kämen das in Sallgast bereitstehende sowie weitere Tanklöschfahrzeuge der Amts- beziehungsweise der Stützpunktfeuerwehren. Auch würde man die vorhandenen Hydranten einbeziehen. Wenngleich klar sei, so Peter Schreck vom Wasserverband Lausitz, dass die Versorgung mit Löschwasser nicht Sache des Wasserversorgers sei und es dazu auch keine vertragliche Vereinbarung gebe. Auch Oliver Ittner, zugleich Ortswehrführer in Sallgast und stellvertretender Amtsbrandmeister, räumt ein, dass die Löschwasserversorgung im Ort ein Problem sei. Gemäß der im Amt erarbeiteten Gefahren- und Risikoanalyse sei man dabei, hier etwas zu ändern. Herbert Jünigk, Vorsitzender des Finanzausschusses des Amtes, bestätigt: Der Bau einer Zisterne ist im Amtshaushalt für 2019 vorgesehen.

Wie lange Bernd Friedrich auf die Genehmigung für seine Überdachung warten muss, kann derzeit keiner sagen. Hoffnung dürfte er wohl aus der Einschätzung im Hause des Ordnungsamtes des Landkreises schöpfen können. Danach bedeute „ein Terrassenanbau keine Gefahrenerhöhung zur bereits vorhandenen Bebauung“. Das Amt Kleine Elster sei als Träger des Brandschutzes verantwortlich dafür, eine ausreichende Löschwasserversorgung bereitzustellen. „Das Amt muss also unverzüglich das Defizit an Löschwasser beheben“, lautet die Schlussfolgerung aus dem Ordnungsamt, das als Sonderaufsichtsbehörde fungiert. Die „Abwägung der Verhältnismäßigkeit einer Nutzungsuntersagung“ für Bernd Friedrichs Terrasse sei eine Entscheidung des Amtes für Bauaufsicht des Landkreises. Dabei seien die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr, die Anpassung der Alarm- und Ausrückeordnung, die Nutzung des Trinkwassernetzes zur Gefahrenabwehr zu prüfen. Bis zur Herstellung einer neuen Löschwasserentnahmestelle wäre über diese Möglichkeiten eine Genehmigung des Vorhabens aus Sicht des Ordnungsamtes akzeptabel. Bernd Friedrich möchte zu gern etwa 15 000 Euro in sein Terrassendach investieren und kann sich hoffentlich bald beim Tanzen darunter entspannen. Im Takt dazu könnte dann auch gern der Amtsschimmel wiehern.