ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:12 Uhr

Karneval in Finsterwalde
Finsterwaldes total verrücktes Klassenzimmer

Beim Karneval gefunden und schon sehr harmonisch miteinander auf der Bühne: Prinz Ralf Wilhelm und Prinzessin Catrin Dix. Die Majestäten freuen sich in Finsterwalde über einen starken Auftritt des Vereins.
Beim Karneval gefunden und schon sehr harmonisch miteinander auf der Bühne: Prinz Ralf Wilhelm und Prinzessin Catrin Dix. Die Majestäten freuen sich in Finsterwalde über einen starken Auftritt des Vereins. FOTO: Torsten Pötzsch / LR
Finsterwalde. Hört oder liest man die Zahl 65, assoziiert man gemeinhin mit ihr solche Begriffe wie  „Ruhestand“ oder „Lebensabend“. Nicht so bei den Narren und Närrinnen des Finsterwalder Sängerkarnevals. Von Torsten Pötzsch

Sie stecken gerade mitten in ihrer 65. Session und sie kommen jung, spritzig, witzig und unbeschwert daher. So, als hätte es die letzten sechseinhalb Jahrzehnte gar nicht gegeben. Passend dazu das Thema: Alles dreht sich nochmal auf Anfang und mit dem „total verrückten Klassenzimmer“ geht’s noch einmal ab in die Schule. Der Elferrat darf die Schulbank drücken und „Rektor“ Thomas Freudenberg hat sein „Cholerikum“ allzeit fest im Griff. All dies unter den wachsamen Augen von Prinz Ralf Wilhelm und Prinzessin Catrin Dix. War der Prinz, so ist es bei den Sängern Tradition, am 11.11. noch unbeweibt, machte er gleich noch am selbigen Abend Nägel mit Köpfen und warb mit Erfolg um die Hand der Prinzessin. „Wir kannten uns wirklich nicht“, schmunzelte er, „doch ich musste nicht lange werben. Jetzt lernen wir uns kennen, und bisher kommen wir miteinander gut klar.“ Prinzessin Catrin konnte den Worten ihres Prinzen nur zustimmen.

Über die Jahre haben sich die Karnevalisten der Sängerstadt einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Permanent wurde die Messlatte immer höher gelegt und man kann sagen, auch in diesem Jahr wurde die Latte nicht gerissen, im Gegenteil, die Gäste bekamen die perfekte Show. „Ich staune selbst immer wieder“, so Vereins- und Elferratschef Thomas Freudenberg nach der Show. „Viele bei uns engagieren sich in Multifunktionen und man merkt immer wieder, das ist nicht nur der Spaß am Klamauk und Freizeitvergnügen, das ist ihr Leben und ihre Leidenschaft.“

Ein Paradebeispiel dafür ist das Karnevalsurgestein Peter Munz, der seit 1966 mit am Start ist und mit 75 Jahren der dienstälteste  aktive Karnevalist in Finsterwalde. „Ich hab hier vor und hinter den Kulissen wirklich schon alles gemacht und erlebt und es ist immer wieder neu und wunderbar“, erklärte er gegenüber der RUNDSCHAU. Seine Soloauftritte sind schon legendär, seine Nummern schreibt er alle selbst und er muss, um beim Thema zu bleiben, im Deutschunterricht gut aufgepasst haben, denn alle Pointen sitzen in geschliffenen Kreuz- und Paarreimen perfekt und sorgen für große Heiterkeit bei Jung und Alt. Auf die Frage, ob jemandem im Verein besonderer Dank gebührt, muss Thomas Freudenberg lange nachdenken und meint dann: „Nein! Wir haben auf und hinter der Bühne mehr als 100 Mitwirkende – und alle machen einen super Job.“ Dann kamen aber doch noch zwei Namen. „Heute möchte ich dann doch noch zwei Frauen speziell danken – und zwar Kerstin Frank und Katrin Blümel, denn seit zwanzig Jahren trainieren sie unsere Funken. Respekt vor dieser Leistung.“

Den kann man in diesem Jahr auch wieder Nancy Reimschüssel und Sebastian Loos angesichts der Leistung, die das hochdekorierte Männerballett auf die Bühne bringt und das von den Genannten trainiert und choreografiert wird, zollen. In diesem Jahr wird das Publikum nach Gotham City entführt, welches Batman und Robin am Ende natürlich retten. Schrill, irre, bunt, schnell, so präsentieren sich die Männer. Mit ihrem Auftritt dürften sie wieder das Potenzial haben, im Juni bei den Deutschen Meisterschaften  ganz vorn mitzutanzen. „Einfach nur toll!“, so das Prädikat von Melanie Knoll. Sie trainiert beim Leipziger Karnevalsverein CC-AS 1981 das Männerballett und schaute sich am Freitag mit einer ganzen Truppe sächsischer Närrinnen und Narren das Finsterwalder Programm an. „Die Fahrt hat sich wirklich gelohnt. Wir haben viel gesehen, viel gelernt und tolle Menschen kennengelernt.“ Karten, die in diesem Jahr erstmals auch online verkauft wurden, für die folgenden Sitzungen gibt es kaum noch auf dem freien Markt. Es lohnt sich aber, einen Blick in die sozialen Netzwerke zu werfen, denn hier und da tauchen noch ein paar Tickets auf. 

Peter Munz - scharf wie eh und je in der Bütt und mit 75 Jahren Finsterwaldes dienstältester aktiver Karnevalist.
Peter Munz - scharf wie eh und je in der Bütt und mit 75 Jahren Finsterwaldes dienstältester aktiver Karnevalist. FOTO: Torsten Pötzsch / LR
Das Männerballett nutzt jede Veranstaltung, um sich für die Deutschen Meisterschaften im Juni vorzubereiten.
Das Männerballett nutzt jede Veranstaltung, um sich für die Deutschen Meisterschaften im Juni vorzubereiten. FOTO: Torsten Pötzsch / LR
Sängerkarneval in Finsterwalde FOTO: Von Torsten Pötzsch