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Rückkehrertag in Finsterwalde
Die Heimat breitet die Arme aus

Viele Fragen hatten die Vertreter von Firmen und Institutionen beim Rückkehrertag des Regionalen Wachstumskerns Westlausitz am Donnerstag im Atrium in Finsterwalde zu beantworten. Im Bild: Susanne Czaika und Sten Seliger (r.), der selbst ein Rückkehrer ist, vom Firmenverbund Kröger.  Christopher Lindner  und Betty Möckel (v.l.), die aus Rheinland-Pfalz zurückkamen und seit dem 1. Dezember wieder in der Region leben, suchen einen Job.
Viele Fragen hatten die Vertreter von Firmen und Institutionen beim Rückkehrertag des Regionalen Wachstumskerns Westlausitz am Donnerstag im Atrium in Finsterwalde zu beantworten. Im Bild: Susanne Czaika und Sten Seliger (r.), der selbst ein Rückkehrer ist, vom Firmenverbund Kröger. Christopher Lindner  und Betty Möckel (v.l.), die aus Rheinland-Pfalz zurückkamen und seit dem 1. Dezember wieder in der Region leben, suchen einen Job. FOTO: Böttcher Gabi / LR
Finsterwalde. Der Rückkehrertag des Regionalen Wachstumskerns Westlausitz am Donnerstag in Finsterwalde lockte laut Veranstalter 260 Interessenten an. Schon Tags zuvor hatte es in Schwarzheide mehr als 200 Gäste gegeben. Von Gabi Böttcher

Solche Ausnahmen gibt es nur an ganz besonderen Tagen. Der Rückkehrertag im Atrium am Markt der Sängerstadt am Donnerstag war ein solcher. Autos parkten vor dem Eingang. Ohne Sanktionen. Mit offenen Armen präsentierten sich Firmen der Region und die Sängerstadt im Wachstumskern Westlausitz. Der Andrang bei der Premiere dieses Tages vor einem Jahr im Rathaus am Markt war so groß gewesen, dass die Veranstalter diesmal ins Atrium wechselten. Beste Atmosphäre für Gespräche zwischen Job-Anbietern und potenziellen Rückkehrern.

Im Falle von Sten Seliger am Stand des Firmenverbundes Kröger wurden die Besucher sogar  von einem Rückkehrer beraten, der im vorigen Jahr selbst noch als Suchender bei der Börse im Rathaus war. Vor zehn Jahren hatten sich Sten und seine Freundin Annekatrin Herrbruck in Lugau kennengelernt, hatten in Leipzig beziehungsweise Potsdam studiert und anschließend in der Hauptstadt gelebt und gearbeitet. Seit dem Sommer dieses Jahres ist das Paar, verstärkt durch Söhnchen Aaaron (3) wieder in Finsterwalde. „Wir genießen die kurzen Wege, die Nähe zu Familie und Freunden“, sagt der 34-Jährige, dessen Frau Annekatrin nunmehr  in Calau als Lehrerin arbeitet.

Das weitaus bessere Netz der Kinderbetreuung ist einer der Gründe für Betty Möckel (38), mit ihrem erwachsenen Sohn Christopher (20) und den Kleinen Connor (11) und Delilah (8) nach 15 Jahren in Rheinland-Pfalz in die Region zurückzukommen. „Komischerweise hat mein Mann, der aus Karlsruhe stammt, schon eine Arbeit hier“, kommentiert Betty Möckel ihre Suche. Sie werde sich bei Krögers bewerben, lautet das Fazit am späten Vormittag.

Trotz eines bereits vorhandenen umfangreichen Bewerberpools ist die Kjellberg-Unternehmensgruppe im Atrium vertreten. Personalleiter Gerd Hanke verweist mit Stolz auf 36 Lehrlinge und 450 Beschäftigte. Den  guten Namen  des Unternehmens könne man immer wieder noch bekannter machen. „Rückkehrer entscheiden sich auch nicht von heute auf morgen. Dank unseres guten Bewerberpools konnten wir für unsere kürzlich neu angeschafften Maschinen  in der Zerspanung auch gute Mitarbeiter gewinnen“, sagt der Personalchef und verweist auf die Impuls-Messe nächste Woche in Cottbus. Auch dort werde Kjellberg vertreten sein.

Unter einem landauf, landab immer wieder beklagten Fachkräftemangel leidet die Erfolgsgeschichte der Schönborner Armaturen GmbH derzeit nicht. „Aber“, so versichert Geschäftsführer Thomas Ebert, der am Donnerstag selbst am Stand des Unternehmens steht, „wir wollen expandieren, sind an Meistern, Technikern und  Ingenieuren interessiert.“ Glücklicherweise habe man in den zurückliegenden Jahren eigenes Personal aus- und weitergebildet. So könne man derzeit gewachsene Anforderungen noch kompensieren. Thomas Ebert gehörte zu jenen, die im vorigen Jahr geraten hatten, vom Rathaus in einen größeren Veranstaltungsraum zu wechseln. Finsterwaldes Wirtschaftsförderer Torsten Drescher sieht die neue Qualität der Veranstaltung in diesem Jahr in der Präsenz  von 20 Firmen. „Im vorigen Jahr hatten wir uns ja speziell  den sozialen Themen gewidmet“, erinnert er an die Premiere des Rückkehrertages.

Fünf, am liebsten aber zehn potenzielle neue Mitarbeiter, zum Beispiel Maschinen- und Anlagenführer, wollte Carolin Zielke von der Galfa GmbH & Co. KG an diesem Donnerstag im Atrium kennenlernen. Sie lobt die gute Möglichkeit der Präsentation bei diesem Rückkehrertag. Am Ende hat sie tatsächlich viele Gespräche mit jungen Leute geführt, die wieder in die Heimat zurückkehren würden. Sie ist zuversichtlich, dass daraus vielleicht eine neu besetzte Stelle im kaufmännischen Bereich des Unternehmens und weitere  Interessenten für Galfa entspringen. Zu diesen zählt auf jeden Fall Lukas Rietz, der zwar nicht aus der Ferne zurückkehrt, aber zuerst in der Heimat nach einem Ausbildungsplatz sucht, bevor er in die Ferne schweifen würde. Für den 16-Jährigen sind noch alle Wege offen. Mit Vater Michael nutzte er am Donnerstag dennoch die Gelegenheit des Rückkehrertages. Bei der Galfa hat er sich schon mal für ein  Ausbildungspraktikum beworben.

Rückkehrerin Stephanie Auras-Lehmann, die zunächst auf privater Ebene die Initiative „Comeback Elbe-Elster“ begründet hatte, freut sich über die seit 2009 schrittweise erreichte Dimension der Aktivitäten bis hin zum 2015 gegründeten Netzwerk „Comeback Elbe-Elster“.

„Am Anfang haben mich noch alle ausgelacht“, erinnert sie sich an die ersten Versuche, die Rückkehrer-Idee aus dem privaten ins öffentliche Netzwerk zu heben. „Dort ist sie inzwischen voll  angekommen“, bestätigt Alexander Piske, der mit drei Mitstreitern am Stand von Comeback Elbe-Elster jede Menge Fragen zu beantworten hatte. Unter anderem von zwei jungen Paaren, die gegenwärtig noch in Schleswig-Holstein beziehungsweise Stuttgart leben. „Mehr als noch im vorigen Jahr wurden wir um konkrete Hilfe bei der Arbeitsplatzvermittlung gebeten“, sagt Alexander Piske.  Dafür würde er sich ein noch engeres Zusammenwirken mit Arbeitgebern wünschen. „Sie sollten auch uns ihre konkreten Stellenangebote  wissen lassen“, schlägt er vor. Der Wechsel ins Atrium findet auch bei „Comeback Elbe-Elster“ Zustimmung. War die Initiative im vorigen Jahr noch mit zwei Ansprechpartnern vertreten, so waren es diesmal vier. – Um auf die vielen Fragen besser eingehen zu können.