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"Rückkehrergewinnung muss ein Fokus sein"

Im ehemaligen Café Meißner am Markt wird über das Projekt "Zukunftsstadt Finsterwalde" informiert.
Im ehemaligen Café Meißner am Markt wird über das Projekt "Zukunftsstadt Finsterwalde" informiert. FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Finsterwalde. Die Stadt Finsterwalde beteiligt sich am Wettbewerb "Zukunftsstadt" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), hat die erste Phase erfolgreich gemeistert und befindet sich als eine von 20 Kommunen in der zweiten Wettbewerbsphase. Ziel ist, die entscheidende dritte Wettbewerbsetappe zu erreichen, um an erhebliche Fördermittel zu kommen. Jürgen Weser

Die Stadt Finsterwalde beteiligt sich am Wettbewerb "Zukunftsstadt" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), hat die erste Phase erfolgreich gemeistert und befindet sich als eine von 20 Kommunen in der zweiten Wettbewerbsphase. Ziel ist, die entscheidende dritte Wettbewerbsetappe zu erreichen, um an erhebliche Fördermittel zu kommen. Vier Fokusgruppen arbeiten intensiv an realistisch umsetzbaren Visionen für Finsterwalde. Bis zum Frühjahr 2018 müssen die Ergebnisse vorliegen.

Am Dienstag trafen sich alle Akteure der Fokusgruppen unter Regie von Matthias Popowski von der das Projekt betreuenden complan Kommunalberatung GmbH, um die bisher zusammengetragenen Ideen zu konkretisieren und zu bündeln. Als Ort für den Workshop war bewusst das Gelände der ehemaligen Möbelfabrik an der Weststraße gewählt worden: hier soll das Herz des Sängerstadt-Campus schlagen, so die Vision. Als profunder Kenner des Geländes und Gebäudekomplexes war Jürgen Schlinger eingeladen worden, der vor sechzig Jahren in der ehemaligen Möbelfabrik Krause als Tischlermeister begonnen hat, dem Betrieb bis zur Schließung angehörte und lange Zeit im Nebengebäude gewohnt hat. 1865 sei die Fabrik als Tuchfabrik gebaut worden, dann 1878 von Fabrikant Weise zur Spielzeugfabrik gemacht worden und 1900 von der Familie Krause übernommen und von Georg Krause als Holzfabrik geführt worden. Die volkstümliche Bezeichnung Kistenfabrik stimme nicht, betont Schlinger während einer kleinen Führung, "die produzierte im Nebengebäude die Firma Barthel".

Mit den Schlagworten einzigartig, lebenswert, kreativ und digital gingen die Fokusgruppen daran, ihre bisherigen Ideen zu entwickeln und im gemeinsamen Gedankenaustausch zusammenzuführen. An dem Alleinstellungsmerkmal Sängerstadt müsse weiter gearbeitet werden. Die Idee Musikerhaus nahm Formen an, Zusammenarbeit mit Schulen zur musischen Förderung sei wichtig. Aber Sängerstadt allein reiche nicht. So wolle man weiter daran arbeiten, Finsterwaldes Innenstadt als Stadt der Händler zu fördern, "denn das gibt es in vielen vergleichbaren Städten so nicht mehr", argumentierte Veit Klaue.

Im Zentrum aller Überlegungen kristallisierte sich das Campus-Gelände heraus, das mit Ideen wie "neue individuelle Wohnformen vor allem für junge Leute und Familien und altersübergreifend" durch René Junker und Ullrich Witt als Geschäftsführer der beiden großen Wohnungsunternehmen gefüttert wurde. Man könne auf einer breiten Palette von Wohnformen aufbauen, so Junker. Daniel Biedenweg als jetziger Technikchef der Wohnungsgesellschaft weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es für Rückkehrer ist, individuell passende Wohnformen zu finden.

"Rückkehrergewinnung muss ein Fokus für uns sein", wissen auch Wirtschaftsförderer Torsten Drescher und Architekt Jürgen Habermann, der mit seiner Fokusgruppe schon einige konkrete Ideen für Wohnquartiere und Kinderbetreuung im Campusgelände vor Augen hat. Hier soll auch das im Quartier liegende Sängerstadt-Gymnasium ins Boot geholt werden, "vielleicht lassen sich für Schüler, die täglich weit anreisen, Internatsplätze realisieren".

Im Oktober wird man sich wieder treffen, wurde am Dienstag vereinbart. Über die Aktivitäten und Ergebnisse der Arbeit an der "Zukunftsstadt" können sich die Bürger derweil am Markt informieren, wo eine temporäre Repräsentanz für das Projekt im ehemaligen Café Meißner eingerichtet wurde.