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| 18:37 Uhr

Rückblende: Streit um Stasi-Gebäude in Finsterwalde

RUNDSCHAU im Januar 1990.
RUNDSCHAU im Januar 1990. FOTO: Archiv
Finsterwalde. Turbulente Zeiten im Januar vor 25 Jahren in Finsterwalde: Noch vor Weihnachten hatte sich der Runde Tisch im Lutherhaus konstituiert. Initiiert hatte ihn nach den Beispielen in Berlin, Leipzig und anderen Städten in der DDR Günter Haferland, der Vorsitzende der Kreissynode der Evangelischen Kirche. –db-

Vertreter von 14 neuen und alten Parteien und Organisationen hatten sich hier zusammengefunden, um die Sängerstadt zunächst gut über den Winter zu bringen. Letztlich war der Runde Tisch mehr, ein "Notparlament" bis zu den freien Kommunalwahlen, an dem keine DDR-Entscheidungsträger vorbei konnten.

Im Januar zog in Finsterwalde eine politische Krise auf, als sich der Runde Tisch (zunächst!) mit einem Beschluss nicht durchsetzen konnte. Ein Machtkampf entbrannte um die Zukunft des Stasi-Gebäudes in der Straße der Befreiung, der heutigen Tuchmacherstraße. Während der Runde Tisch nach langer Debatte entschieden hatte, das Gebäude dem Gesundheitswesen zur Verfügung zu stellen, verbunden mit der Auflage, die Probleme behinderter Kinder zu lösen, fasste der alte Kreistag den Beschluss: Das Haus wird eine Poliklinik.

Daraufhin drohte Günter Haferland mit der Auflösung des Runden Tisches. "In unserem Kreis Finsterwalde …. regiert nach wie vor die alte Macht und sie schert sich einen Pfifferling um den Runden Tisch", schrieb sein Leiter in der LAUSITZER RUNDSCHAU. Mit solch einer Verfahrensweise sei der Runde Tisch "als Puppentheater bloßgestellt und der Vorsitzende des Kreissynode als der Kaspar in diesem Theater". Die Kirche überlege, ob sie das Lutherhaus weiter für den Runden Tisch zur Verfügung stellen werde.

Erschreckt von dieser Reaktion reagierte Hans-Ulrich Wirth, der Vorsitzende des Rates des Kreises. Er begründete die anders lautende Entscheidung des Kreistages damit, dass die Mitarbeiter des Krankenhauses und der Poliklinik mit Streik gedroht hätten, sollte das Stasi-Gebäude nicht als Poliklinik genutzt werden. In eilig zusammengerufenen Sondersitzungen von Kreistag und Stadtverordnetenversammlung wurden die Beschlüsse wieder aufgehoben.

Am Ende ist das Stasi-Gebäude weder als Poliklinik, noch als Einrichtung für behinderte Kinder genutzt worden. Eine Poliklinik gibt es längst nicht mehr und für Behinderte wurde eine neue Förderschule errichtet. Im früheren MfS-Gebäude ist jetzt vor allem die Musikschule untergebracht.