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| 01:10 Uhr

Rippichs hoffen: „Vielleicht kommt unser Papa wieder“

Münchhausen.. Bei Rippichs am Kurzen Ende in Münchhausen erwartet man in den nächsten Tagen Besuch aus dem Süden: Der „alte Papa“ kommt – hoffentlich. Mit Papa sind Herta und Walter Rippich zwar weder verwandt noch verschwägert, und doch ist er ein guter alter Bekannter – und eine treue Seele von Storch. Doch erzählen wir die Geschichte von vorn. Von Dieter Babbe

Wenn es in Münchhausen um die Störche geht, dann ist man bei Rippichs an der richtigen Adresse: Seit 1970 kümmern sich beide um den Horst in der Eiche vor ihrem Haus. Letzten Herbst passierte ein Malheur: Das zehn Zentner schwere Nest krachte herunter - das dritte Mal übrigens in den 36 Jahren. Für Walter Rippich stand fest: Papa braucht ein neues Zuhause. Hilfe bekam er dabei von Adolf Weber vom Naturschutzbund, der ein Wagenrad auftrieb. Um die eisernen Stützen, die den Horst im Baum für die nächsten Jahrzehnte stabilisieren sollen, kümmerte sich der Münchhausener. Letzten Montag rückte die Firma Achim Fröschke (kostenlos) mit seiner Hebebühne an, Walter Rippich und Mathias Viete machten das Wagenrad in der Linde fest.
Herta Rippich verfolgte alles von unten. Sie kümmert sich ohnehin um die Storchen-Chronik. Von Anfang an führt sie fein säuberlich Buch und schreibt aufs schon vergilbte Papier, was sich in Adebars Kinderstube alles so abspielte. „Seit 1970 waren immer Störche in unserem Horst, aber nicht immer gab es Junge - dafür mehrmals Drillinge, einmal sogar Vierlinge.“ Doch das ist eine Geschichte für sich: Als Walter Rippich mit seinem Fernglas vom Dach aus auf den Horst peilte, stellte er plötzlich fest, dass ein Junges fehlte. Das fand er dann, völlig verschmutzt, aber lebendig, unten im Graben wieder. Die Alten hatten es aus dem Nest geworfen. Doch Walter Rippich wollte der Natur ein Schnippchen schlagen: Er nahm das ausgestoßene Tier, säuberte es und schob es wieder zu den anderen Drei in den Horst. Dem Lebensretter war nicht entgangen, was dann passierte: „Ein Altvogel nahm das Junge in den Schnabel, flog davon und ließ es im Flug genau vor dem LPG-Stall auf den harten Beton fallen - es war sofort tot. Die Natur lässt sich nicht überlisten: Vermutlich reichte in dem Jahr die Nahrung nicht für alle vier Kinder.“
71 junge Störche haben in Münchhausen seit 1970 quasi vor Rippichs Augen das Licht der Welt erblickt. Mancher Nachwuchs hatte bei den beiden sogar für schlaflose Nächte gesorgt - wie 1993, als ein Storch in die Hochspannungsleitung kam, sich den Flügel verletzte und seinen Lebensabend im Finsterwalder Tierpark erlebte. Schlimmer erging es ein Jahr später einem Jungstorch, der sich beim Fressen vergiftete. Auch schnelle Hilfe durch den Naturschutzbund, der den kranken Vogel in die Tierklinik brachte, konnte ihn nicht mehr retten.
„Immer so ab dem 28. März kann man mit der Ankunft des ersten Storchs rechnen“ , weiß Herta Rippich anhand ihrer Aufzeichnungen. Sie hofft, dass in diesem Jahr wieder ihr „alter Papa“ kommt - jener Storch, der schon seit vielen Jahren bei Rippichs landet. „Den erkenne ich schon von weitem - wie er klappert und überhaupt sein ganzes Getue. Und dann fängt er sofort an zu bauen. Er freut sich regelrecht, wieder zu Hause zu sein“ - hoffen die Münchhausener jetzt, dass ihm seine neue Wohnung gefällt.