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Riesengaudi auf 15 Zentimetern

15 Zentimeter sind nicht viel, wenn sie der einzige Hoffnungsstreifen zum rettenden Ufer und damit zum Traum vom Ossaker Teichfahrkönig sind.
15 Zentimeter sind nicht viel, wenn sie der einzige Hoffnungsstreifen zum rettenden Ufer und damit zum Traum vom Ossaker Teichfahrkönig sind. FOTO: ikk1
Ossak. Am Wochenende ist es wieder soweit – und diesmal sogar mit einem Jubiläum – das über die Grenzen Europas hinaus bekannte und beliebte Ossaker Teichfahren geht bereits in seine 70. Runde. Ivonne Kommolk / ikk1

Die Ossaker scheinen in ihrer Organisation und ihrem Ideenreichtum alles richtig zu machen, ist doch dieses Über-den-Teich-fahren in jedem Jahr ein großer Zuschauermagnet. Natürlich gibt es auch in diesem Jahr wieder Highlights zum Highlight. Der aus dem Fernsehen bekannte Extrem-Einradfahrer Lutz Eicholz aus Kaiserslautern wird am Samstag und Sonntag jeweils einen Teil seiner Show aufführen. Unter dem Motto "Sieben Jahrzehnte Teichfahren Rock'n'Roll" stehen am Samstagabend "The Hornets" aus Leipzig und "Big Fat Shakin" aus Berlin auf der Bühne.

Bereits zum dritten Mal findet am Samstagabend ab 19 Uhr das Qualifying "Ich fahr' für meinen Verein" statt. Die drei Erstplatzierten dürfen dann am Sonntag am Teichfahren teilnehmen, eine besondere Ehre, die sonst nur Ossakern oder in Ossak Geborenen oder Eingeheirateten zuteil wird. Selbstverständlich kommen auch die Kinder nicht zu kurz. Eine Riesenrutsche und Hüpfburgen stehen am Sonntag für sie bereit. Die Ossaker Frauen backen wieder Dutzende Kuchen fürs leibliche Wohl.

Überhaupt wäre es undenkbar, eine Veranstaltung wie diese auf die Beine zu stellen, wenn nicht jeder einzelne Bewohner der kleinen Gemeinde mit Herzblut bei der Sache wäre und mit anpacken würde. Über Generationen hinweg war wohl jede Ossaker Familie ins Teichfahren involviert. So ist es auch bei Familie Rothe. Im Alter von vierzehn Jahren begann für Lutz das erste Teichfahren. Er erzählt: "Wir sind aus der Schule gekommen, rauf aufs Fahrrad und los ging's über den Teich. Das war verboten, aber wir haben es trotzdem gemacht, so heiß waren wir aufs Teichfahren. 2001 habe ich dann das Teichfahren gewonnen."

Sein jüngster Sohn Leon will auch irgendwann mal gewinnen. Noch ist er zu jung, aber im nächsten Jahr ist auch er mit dabei. Getestet hat er mal: "Mit dem Roller bin ich schon mal drüber gefahren." Pascal, als mittlerer Sohn der Rothes, fährt seit sechs Jahren aktiv mit. Lars Rothe, der ältere Sohn, ist Vorstandsmitglied und als solches natürlich mit zuständig für die Organisation. Beim eigentlichen Teichfahren ist er eher der "Vorsichtige als der Bissige, der es unbedingt schaffen will". Lars und Lutz Rothe sind da einer Meinung: "Es gibt nicht d e n Teichfahrer. Einer ist eher lustig, der andere der Leistungsstarke. Das ist nicht wichtig, weil die Zuschauer alle mögen. Es geht um die Sache. Und wenn wir in die Gesichter der Leute schauen und sehen, wie happy sie sind, dann ist das uns allen Ansporn genug. Egal ob vor oder hinter den Kulissen."

Hinter letzteren arbeitet Mandy Rothe. Sie ist wie alle anderen Frauen aktiv bei der Gestaltung und der Versorgung dabei. Wie alle anderen auch hält sie ihrem Mann und den Söhnen den Rücken frei und sorgt für die Gemütlichkeit für die Zuschauer. Es gab mal Zeiten, da sind auch die Frauen mit über den Teich gefahren, aber inzwischen ist das Dorf "eher jungslastig geworden", erfährt man von Lars Rothe.

Was im Jahre 1947 mit einem 15 Zentimeter breiten Brett begann, ist heute immer noch ein 15 Zentimeter breites Brett. "In der heutigen Zeit ist es für uns unfassbar, dass unsere (Ur-)Großeltern so kurz nach den schrecklichen Kriegserlebnissen so eine tolle Sache ins Leben gerufen haben. Schon damals war es eine riesige Attraktion. Heute können wir sagen: Geblieben ist eigentlich nur das Brett auf dem Teich. Drumherum ist alles anders. Die Richtung ist eine andere, neuerdings sogar mit zwei Ausfahrten, jeder Fahrer hat seine eigene Musik und so weiter. Alles hat sich irgendwie verändert und ist doch gleich geblieben. Im Mittelpunkt steht immer noch das Teichfahren. Und wenn alle Ossaker so weiter machen und unsere Kinder und Enkel weiterhin so heiß darauf sind, hier unbedingt, egal, ob als Fahrer oder auf jedem anderen Posten, dabei zu sein, dann wird es auch noch das hundertste Jubiläum geben", ist Lutz Rothe zuversichtlich.

Besonders stolz sind die Ossaker auf die Eröffnung ihrer Dauerausstellung "70 Jahre Ossaker Teichfahren", die ab dem Wochenende bis Ende des Jahres besichtigt werden kann. Die Ausstellung ist ein Teil der Kulturreise Elbe-Elster.

www.teichfahren-ossak.de