Von Gabi Böttcher

Solche Einsätze bleiben für immer in Andre Wagners Erinnerung: Wenn vierbeinige Helfer zum Zünglein an der Waage werden, um Menschen zu retten. So führte Labradorhündin Faya zu einem Senior, der von seiner Familie als vermisst gemeldet worden war. Um 18 Uhr hätte er seine nächste Insulingabe erhalten müssen, um 22 Uhr war er noch immer nicht zu Hause. Grund zu höchster Sorge. Gegen 23 Uhr setzte die Personensuche mit dem einzigen, in der Rettungshundestaffel des DRK Finsterwalde für diese Aufgabe ausgebildeten Personenspürhundes, in der Fachsprache Mantrailinghund genannt, ein. „Faya hat uns die Richtung angezeigt. Um 1 Uhr haben wir den Vermissten in einem Garagenkomplex gefunden. Das war ein großes Glücksgefühl“, erzählt Andre Wagner, der Chef der Rettungshundestaffel des DRK Finsterwalde. Der Senior hätte nach Aussagen der Rettungsdienstler bis zum Morgen nicht überlebt.

Seit mehr als 100 Jahren werden beim DRK Hunde eingesetzt, um verletzte oder vermisste Personen zu finden und ihnen damit oft auch das Leben zu retten. „Die Nase des Hundes ist trotz modernster Technik nicht ersetzbar und millionenfach besser als die des Menschen“, gerät Andre Wagner während der festlichen Veranstaltung zum 10. Geburtstag der DRK-Rettungshundestaffel Finsterwalde am Freitag ins Schwärmen. Der erste, der an diesem Abend geehrt wird, ist Ulrich Tallarek. Als damaliger Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes sei er sofort begeistert gewesen von der Idee, eine Rettungshundestaffel zu bilden. Er habe die Zustimmung des Vorstandes bekommen und agierte quasi als Türöffner dafür, dass es die Staffel seit nunmehr zehn Jahren gibt. Andre Wagner und seine Frau Birgit sowie Grit Schreiber bildeten das Trio der ersten Stunde, das die Liebe zu den eigenen Hunden mit der Überlegung verband, deren Potenziale sinnvoll einzusetzen.

Als Geschäftsführerin des heutigen DRK-Kreisverbandes Lausitz zeigte sich Bianca Sebischka-Klaus stolz auf das übernommene Erbe und lobte wie Lee Schumann vom DRK-Landesverband das Engagement der Ehrenamtlichen. Im Unterschied zu anderen würden sie ihr Ehrenamt in Form ihrer Hunde mit nach Hause nehmen und so 24 Stunden am Tag damit verbunden sein. Kritisch merkte sie an, dass sich das Land nicht an der Finanzierung der Staffel beteilige, die Kosten beim DRK bleiben und über Spenden, Beiträge und Förderanträge gedeckt werden müssten. Umso wichtiger seien Sponsoren und Partner wie sie an diesem Abend bei den Gastgebern vom Medizintechnik & Sanitätshaus Kröger um Chefin Petra Kröger-Schumann vielfach gelobt wurden. Dass die Rettungshundestaffel Finsterwalde seit Freitagabend offiziell über ein neues Einsatzfahrzeug verfügt, ist der Unterstützung der Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“ und der Firma Kröger zu verdanken.

Die Rettungshundestaffel Finsterwalde zählt derzeit 22 Mitglieder mit 23 Hunden. Sieben geprüfte Teams sind gewappnet für die Suche von Menschen in weiträumigen Gebieten, ein Team für die Suche nach ganz konkreten Personen. „Wir sind auch dabei, einen Trümmerhund auszubilden“, so Rettungshundestaffel-Chef Andre Wagner.