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Reise ins Zeitalter der Reformation

Die Teilnehmer am Tag der Ortschronisten und Archivare im Kreismuseum Finsterwalde bei konkreter Quellenarbeit.
Die Teilnehmer am Tag der Ortschronisten und Archivare im Kreismuseum Finsterwalde bei konkreter Quellenarbeit. FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Finsterwalde. Im Jahr 2012 gab es im Elbe-Elster-Kreis den 1. Tag für Ortschronisten und Archivare. Jürgen Weser / jgw1

Achtzig mit der Heimatgeschichte ehrenamtlich verbundene Frauen und Männer trafen sich am Sonnabend im Finsterwalder Kreismuseum.zum vierten Treffen. Im Lutherjahr hatten Kreiskulturamt und Brandenburgisches Landeshauptarchiv das Thema ,,Reformation" unter regionalem Blickwinkel zum Thema der Tagung gemacht.

Zwei Vorträge zur Reformationszeit in der Elbe-Elster-Region hielt Prof. Dr. Klaus Neitmann, seit 1993 Direktor des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, mit dem der Museumsverbund im Elbe-Elster-Kreis auch in Vorbereitung der ständigen Ausstellung ,,Doberlug und das sächsische Brandenburg" sowie der Sonderausstellung ,,Die letzten Mönche von Dobrilugk", die beide am 6. Juli eröffnet werden, eng zusammenarbeitet.

Neitmann demonstrierte den Ortschronisten und regionalen Archivaren mit konkreter Urkundenarbeit, wie das Thema Reformation vor Ort lebendig gemacht werden kann. Er belegte kirchliche Umbrüche im 16. Jahrhundert in Herzberg als herausgehobener Immediastadt, was Neitmann mit 1. Liga übersetzte. So hält die Urkunde zur Altarstiftung durch die Kirschnerzunft von 1511/12 deren Patronatsrechte fest, die ,,besondere Verdienste vor Gott" verschaffen sollten. Wie diese Auslegungen durch Luther abgelehnt und mit den Kirchenvisitationen abgeschafft wurden, zeigte Neitmann auf. Luther hatte auch das Mönchswesen in Frage gestellt. Wie in Folge der Reformation das Herzberger Kloster aufgelöst wurde, stellte Neitmann anschaulich dar.

Besonders interessant aus regionaler Sicht waren seine Beispiele der Quellenarbeit über den vielfältig ausgetragenen Kampf zwischen dem Kloster Dobrilugk und Gemeinden. So belegen Quellen von 1525, wie die Gemeinde Wahrenbrück die Abberufung eines Mönches als Pfarrer forderte, weil er nicht lutherisch predigte und wie sie sich gegen die Betreibung einer klösterlichen Brauerei wehrte. Reformation hat sich vielfältig vor Ort abgespielt, machten die Beispiele von Prof. Neitmann deutlich.

Konkretes zur regionalen Reformationsgeschichte vermittelte beim Besuch der Trinitatiskirche auch Dr. Rainer Ernst, Leiter des EE-Museumsverbundes.

Konkrete Tipps für die Arbeit von Ortschronisten vermittelte Sybille Schrey aus Gruhno. Der Sallagster Ortschronist Wolfgang Bauer aus Sallgast referierte zu Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kommunen und Vereinen. Wie spannend Recherchearbeit sein und in literarische Ergebnisse münden kann, belegte der Bericht Stephanie Kammer von der BücherKammer Herzberg über die Hinrichtung eines polnischen Zwangsarbeiters in Naundorf wegen Rassenschande während der Nazizeit.

Für Kulturanmtsleiter Andreas Pöschl und Dr. Rainer Ernst belegt der sehr gute Besuch der Veranstaltung das Interesse an der ehrenamtlichen historischen Arbeit, die man weiter unterstützen und fördern wolle.