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| 01:13 Uhr

Reinhard Feick ist der neue Chef an der Reiss-Spitze

Wer ist der Neue bei Reiss? Ein Wessi, hört man in Bad Liebenwerdas Straßen als erstes und dann meist den Nachsatz, „der soll aber ganz okay sein“ . Die RUNDSCHAU wollte es genauer wissen und erbat sich bei Reinhard Feick ein kurzes Gespräch. Quasi so zum Beschnuppern. Der erste Eindruck: Der neue Geschäftsführer der Reiss Büromöbel GmbH weiß, wovon er spricht, kommt aus dem Fach und macht gleich am Anfang deutlich, dass er sich in der Elbe-Elster-Region in die Pflicht genommen fühlt. Und er ist nicht unpolitisch. Von Frank Claus

Zunächst hat der 46-Jährige eine Entwicklung genommen wie viele andere in der Wirtschaft: Abitur, Bundeswehr, Betriebswirtschaftsstudium. Einzige Ausnahme: Schon in der Bundeswehr reizten ihn die Technik, Motoren und ein kleines bisschen wohl auch das Risiko. Denn trotz kurzer Zugehörigkeit, den Bell UH-1D, der Hubschrauber, der heute noch im Einsatz ist, hat er schon gesteuert. Klar, dass er da sofort aufmerksam wird, als er erfährt, dass dieses Fluggerät heute unweit von seinem neuen Arbeitsplatz, am Bundeswehrstandort Schönewalde/Holzdorf, ebenfalls geflogen wird.
Mit dem Einrichten von Geldinstituten und Banken hat er sich zuerst beschäftigt, später kamen Krankenhausstandorte hinzu. Er diente sich hoch vom Gebietsverkaufsleiter bis zu verschiedenen Geschäftsführertätigkeiten in Handels- und Industrieunternehmen. Er kennt klassische Privatunternehmen genauso wie große Holdings. Der größte Auftrag, den er mit realisierte, war die Ausstattung der Abgeordnetenhäuser des Deutschen Bundestages in Berlin und Bonn sowie verschiedener Ministerien. Das Unternehmen Reiss war ihm schon lange vor seinem Dienstbeginn am 1. Oktober dieses Jahres bekannt. Allerdings gibt er unumwunden zu, sich die lange, über 120-jährige Tradition des Unternehmens, erst jetzt so richtig zu erschließen.
Wie er Reiss beurteilt„ „Es ist ein ganz gesundes Unternehmen, das gut im Markt präsent ist“ , sagt der verheiratete Familienvater von drei schulpflichtigen Kindern. Man sei auf einem sehr guten Level, was die Fertigungstechnologien beträfe und sei auch hervorragend im Unternehmen aufgestellt. Mit dem Geschäftsführer des Technischen Bereiches Dietmar Menzel, der Leiterin für Finanzen, Controlling und Personal Ingelore Mlasowsky sowie der Vertriebsleiterin Sabine Barig verfüge man über eine starke Führungsmannschaft. Doch das wichtigste Potenzial seien die fachlich gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeiter.
Also: Nichts mit neue Besen kehren gut“ Feick schmunzelt. Reiss sei gut, aber es gäbe nichts, was man nicht noch besser machen könne. Denn der Büromöbelmarkt sei hart. Klamme öffentliche Kassen führten natürlich auch nicht gerade zu einem Auftragsboom von kommunalen Einrichtungen.
Reiss müsse noch stärker Wert darauf legen, in ganz Deutschland wahrgenommen zu werden. Und das nicht nur bei großen Auftraggebern, sondern zunehmend mehr auch in kleineren Betriebseinheiten. Kleinere Lieferungen werden zunehmen. Das bedeute, noch ausgeklügeltere Transportsysteme zu entwickeln. Denn als Büromöbelhersteller transportiere man nun mal zu einem Großteil Luft. Reinhard Feick sieht für den Bad Liebenwerdaer Standort gute Chancen, von diesen Entwicklungen zu profitieren. Gerade, weil man in der Produktion so flexibel reagieren könne.
Immer wichtiger würden dabei die Marktauftritte und die Vermarktungsstrategien werden. Deshalb ist der Geschäftsführer der Büromöbel GmbH jetzt auch mehr im Land unterwegs als am Standort in Bad Liebenwerda. Und das sogar am liebsten inkognito. „Ich möchte mir ein Bild davon machen, wie Reiss tatsächlich im Markt aufgestellt ist“ , sagt er und nutzt dazu vor allem Besuche bei Einkäufern, Architekten und Planern. Sein erster Eindruck„ Alles paletti“ „Wir haben Verbesserungspotenzial“ , entgegnet Feick sachlich trocken und es ist ihm anzumerken, dass er zu diesem strategischen Feld wenig sagen möchte.
Dafür läuft er zur Hochform auf, wenn es um den gegenwärtigen Zustand Deutschlands geht. Das Ossi-Wessi-Gequatsche könne er überhaupt nicht ab. „Wir müssen endlich die Barrieren aus den Köpfen heraus bekommen. Ich habe in Bad Hersfeld gelebt. Vor dem Mauerfall war das das Ende der Welt so nah an der Grenze. Plötzlich ist es mitten in Deutschland“ , sagt er.
Er traue dem frischgewählten SPD-Bundesvorsitzenden Matthias Platzeck zu, einiges für die innere Einheit Deutschland zu bewegen. „Das ist ein positiver Typ“ , sagt er. Und er verteidigt trotz teils erheblicher Standortnachteile - „die Verkehrsanbindung ist katastrophal“ - das, was in Elbe-Elster geschaffen wurde.
„Wir haben hier Betriebe, die sind stark und erfolgreich. Es ist zwingend erforderlich, dass wir selbst Verantwortung übernehmen und etwas gestalten.“