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Reif für die Insel: Wenn es scheppert im Wohnzimmer

Am Ortseingang in Staupitz sollen Lkw-Fahrer eigentlich auf 30 km/h runterbremsen.
Am Ortseingang in Staupitz sollen Lkw-Fahrer eigentlich auf 30 km/h runterbremsen. FOTO: Wiesner
Staupitz. In Staupitz scheint der Ärger mit den Lkw noch ein bisschen anzudauern. Manche Anwohner stellen deshalb sogar schon in Eigenregie Blitzgeräte auf. Steven Wiesner

Der Ärger, den die Gemeinde Staupitz mit den Lastkraftwagen hat, wird wohl noch etwas andauern. Bereits Anfang des Monats hatte sich Bürgermeister Fred Wickfeld über die für ihn unzureichenden Planungen des Landesbetriebes Straßenwesen beschwert, die das Gefahrenpotenzial an den Ortsdurchfahrten der Landesstraßen L63 und L62 nur geringfügig beseitigen würden (RUNDSCHAU berichtete). Nun meldet sich mit Angelika Trodler eine weitere Anwohnerin zu Wort. Auch sie ärgert sich über Lkw-Fahrer am Ortseingang.

Die 65-Jährige bewohnt das erste Haus in der Finsterwalder Straße, das man von Finsterwalde kommend nach der L62 passiert. Autofahrer müssen hier wie bei jedem Ortseingang auf 50 Kilometer pro Stunde herunterbremsen, Lkw-Fahrer werden sogar dazu angehalten, die Geschwindigkeit auf 30 km/h zu drosseln. Das Problem: Es halten sich nur wenige an das Tempolimit - zum Leidwesen von Angelika Trodler. "Unser Haus steht anderthalb Meter von der Straße weg. Was meinen Sie, wie das scheppert im Wohnzimmer, wenn die hier mit 50, 60 Sachen durchfahren", sagt sie. "Das ist eine Katastrophe und wird von Jahr zu Jahr mehr. Im Sommer fahren die hier morgens schon um halb vier durch."

Wenn man es unbedingt positiv auslegen möchte, könnte man sagen, Angelika Trodler und ihr Ehemann hätten bei Formel-1-Übertragungen im Fernsehen eine kostenlose Dolby-Surround-Anlage vor der Haustür stehen. Doch Angelika Trodler ist keine Motorsport-Liebhaberin und braucht auch sonst keine Rundumbeschallung in den eigenen vier Wänden. Sie hätte sogar schon bei einer Transportfirma angerufen und sich über deren Fahrer beschwert. "Der Chef hat sich über meinen Anruf gefreut, weil viele seiner Fahrer schon zahlreiche Punkte in Flensburg hätten", sagt Angelika Trodler. Auch ein Blitzgerät hat sie schon aufs Fensterbrett gestellt. "Danach sind drei Tage lang alle langsamer gefahren." Doch der Effekt hielt nicht lange.

Große Hoffnungen setzte Angelika Trodler nun in die geplanten Umbaumaßnahmen in Staupitz. Sie hatte gehofft, dass eine Verkehrsinsel zu einer Entschleunigung am Ortseingang führen würde. "Doch dafür soll jetzt kein Geld mehr da sein", so Trodler. Cornelia Mitschka vom Landesbetrieb Straßenwesen sagt dazu: "Eine Verkehrsinsel würde 100 000 Euro kosten, in Staupitz sollen aber gleich drei Inseln gebaut werden. Zudem würde noch der Grunderwerb von den anliegenden Grundstücken oben draufkommen, um die Straße an diesen Stellen breiter machen zu können." Und das würde das Budget übersteigen. Mitschka: "Wir haben im Zeitraum von 2015 bis 2019 für insgesamt 71 Maßnahmen auf den Landesstraßen nun mal nur 100 Millionen Euro zur Verfügung und nicht 120 Millionen." Das Einzige, was Angelika Trodler jetzt also noch helfen kann, sind Lkw-Fahrer, die sich auch ohne Verkehrsinsel an das Tempolimit halten.