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Reich gedeckter Tisch bei Pilzberatung in Finsterwalde

Pilzberatung mit Lothar Jankowiak (2.v.l.) im Finsterwalder Rathaus. Gabriele Nickschick (stehend r.) ist mit einem seltenen Fund aus Bad Liebenwerda gekommen.
Pilzberatung mit Lothar Jankowiak (2.v.l.) im Finsterwalder Rathaus. Gabriele Nickschick (stehend r.) ist mit einem seltenen Fund aus Bad Liebenwerda gekommen. FOTO: Böttcher
Finsterwalde. So viele Pilze und interessierte Sammler hatte es an den vorangegangenen sechs Beratungstagen seit April nicht gegeben. Pilzsachverständiger Lothar Jankowiak hatte am Montag im Finsterwalder Rathaus einen voll bepackten Tisch vor sich. Gabi Böttcher

Pilzsammler kamen und gingen - manche - wie Fritz Quitter mit Enkel Lennox (8) aus Knippelsdorf - blieben in der unterhaltsamen Runde. Gabriele Nickschick war bis aus Bad Liebenwerda gekommen und hatte ihr unbekannte Pilze mitgebracht, die nicht mit einem Blick zu bestimmen waren. Lothar Jankowiak nahm sie mit nach Hause, um sie eingehend zu untersuchen. Bei den etwa 8000 in Deutschland vorkommenden Großpilzarten kein Wunder.

Der Sachverständige teilt die Pilze, die an diesem Nachmittag auf dem Tisch lagen, in drei große Gruppen: Ein Drittel sind gute Speisepilze, ein Drittel minderwertig bis ungenießbar, ein weiteres Drittel sind giftige Pilze.

Oberster Grundsatz, den Lothar Jankowiak in der Runde mehrfach wiederholt: Nur die Pilze, die man wirklich ganz sicher als Speisepilz kennt, sammeln und zubereiten.

Die als giftig geltende Frühlingslorchel ist jetzt zwar nicht zu finden, Fritz Quitter wusste aber gar von einem lange zurückliegenden Todesfall zu berichten. Andererseits erinnert er sich, dass früher die Frühlingslorchel "bei jeder Hochzeit im Frikassee gewesen" sei.

Einen tödlich wirkenden Pilz hatten Sammler am Montag nicht mitgebracht. Dafür aber den als guten Speisepilz bekannten Riesenschirmpilz. Ausgewachsen hat dieser als markantes Merkmal einen am Stil verschiebbaren Ring. Lothar Jankowiak demonstrierte das anschaulich. Auch Boviste, die nicht dem klassischen Bild vom Speisepilz entsprechen, lagen auf dem Tisch. Solange Boviste innen schön weiß und fest sind, seien sie auch als Speisepilz verwendbar.

Immer wieder beliebt sind die Champignons. Die essbaren Vertreter haben ein zu verwechselndes Pendant in der giftigen Variante, den Karbol- oder auch Gift-Champignon. Sie werden in dieser Zeit gefunden und könnten auch den Pilzsammlern am kommenden langen Wochenende begegnen. Gravierender Unterschied: Das Pilzfleisch läuft bei der giftigen Variante besonders an der Stilbasis bei Druck chromgelb an und es entfaltet sich ein Leuchtgas- oder karbolartiger Geruch.

Auch der giftige Kahle Krempling kann dem Sammler dieser Tage begegnen. Dieser Pilz, der bis in die 1970er-Jahre verbreitet gegessen wurde, könne sogar eine tödlich endende Kremplingsallergie hervorrufen, merkt der Fachmann an. Dass die Wirkung giftiger Pilze von Mensch zu Mensch durchaus unterschiedlich ausfallen kann, sollte niemanden zum Probieren verleiten.

Was Lothar Jankowiak Pilzsammlern im Saisonfinale noch auf den Weg gibt:

Die Pilze vorsichtig aus dem Substrat herausdrehen oder abschneiden.

Die Moos- und Streuschicht nicht zerstören

Alte Pilze wegen der Vermehrung stehen lassen

Giftige oder unbekannte Pilze nicht zerstören.

Nur so viele Pilze sammeln, wie auch verwertet werden können.

Den Transport in luftigen Behältern, nicht in Plastik-Tüten, vornehmen.

Anfänger sollten sich an Röhrlinge wie Rotkappen, Butterpilze, Steinpilze und Maronen halten. Unter ihnen gibt es keine stark giftigen Arten.

Zum Thema:
Beim Zubereiten sollten Pilze 15 bis 20 Minuten gut erhitzt werden (braten oder kochen); der Verzehr roher oder unzureichend erhitzter Pilze ist nicht zu raten. Sogar gut bekannte Speisepilze wie Marone oder Hallimasch sind roh giftig oder unbekömmlich.Das Verarbeiten von Pilzen ist unmittelbar nach dem Sammeln zu empfehlen. Gerichte können einen Tag im Kühlschrank aufbewahrt werden. Letzter Treff der Pilzfreunde in diesem Jahr in Finsterwalde: Montag, 28. November, 17 Uhr, Rathaus am Markt.