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| 18:27 Uhr

Umfrage
Kritik und Lob zu Glyphosat-Kompromiss

Gesundheitsgefahr oder nicht? Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist umstritten, nun hat es die EU jedoch für weitere fünf Jahre zugelassen.
Gesundheitsgefahr oder nicht? Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist umstritten, nun hat es die EU jedoch für weitere fünf Jahre zugelassen. FOTO: Patrick Pleul
Elbe-Elster. Mit der Stimme Deutschlands hat die EU beschlossen, dass das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel „Glyphosat“ auch weiterhin eingesetzt werden darf. 18 der 28 EU-Staaten stimmten für eine Zulassungsverlängerung um fünf Jahre. Was sagen Betroffene aus dem Elbe-Elster-Land zu der Entscheidung? Von Daniel Friedrich

Dorsten Höhne, Vorstandsvorsitzender Kreisbauernverband Elbe-Elster: „Ich versuche mir auf wissenschaftlicher und nicht auf ideologischer Basis ein Urteil über Glyphosat zu bilden. Da die meisten Studien dem Herbizid keine Krebsgefahr bescheinigen, halte ich die jüngste EU-Entscheidung für richtig. Die Diskussion darum ist meiner Ansicht nach nur eine Stellvertreter-Debatte. Natürlich ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln abzuwägen und es sind die gesetzlichen Vorgaben zu beachten – so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Aber durch die Zulassung für weitere, zunächst fünf Jahre ist das Problem nur aufgeschoben worden und es fehlt an echten Alternativen.“

Bernd Hensel, Vorsitzender Naturschutzverein Elsteraue Falkenberg/Elster: „Die alleinige Entscheidung des Ministers ist eine bodenlose Frechheit. Ich hätte eine Gegenstimme, zumindest aber eine Enthaltung im Namen Deutschlands erwartet. Die Auswirkungen der extensiven Landwirtschaft, inklusive der Herbizidbehandlung mit Glyphosat, sind seit Jahren spürbar - unter anderem am Insektensterben und an den Monokulturen. Ich glaube auch nicht daran, dass man sich in fünf Jahren von dem Unkrautvernichtungsmittel verabschieden wird.“

Siegfried Schubert, stellv. Vorstand Agrargenossenschaft Werenzhain: „Meiner Meinung nach hat die EU Glyphosat fünf Jahre zu wenig zugelassen. Das Pflanzenschutzmittel wird gebraucht und wir setzen es dort ein, wo es nötig ist. Oftmals haben wir auch keine Alternativen. Es gibt keine eindeutigen Studien über die eventuelle Gefahr, die von dem Herbizid ausgehen soll. Und wer die Insekten gezählt hat, die angeblich durch Glyphosat sterben, weiß ich nicht.“

Ralf Kulschewski, Vorsitzender Imkerverband Elsterwerda und Umgebung: „Man müsste den zuständigen Landwirtschaftsminister Schmidt (CSU) sofort entlassen und aus allen Ämtern entheben. Er hätte gegen eine Verlängerung stimmen müssen, so wie es die Mehrheit der deutschen Bevölkerung und der Parteien will. Seine Aussage, der Minister habe wichtige Verbesserungen zum Schutze der Pflanzen- und Tierwelt durchgesetzt, ist nur Selbstschutz. Die Industrie verdient dank dieser Entscheidung nun weitere Milliarden und ich vermute, Christian Schmidt wird davon in irgendeiner Form mitprofitieren.“

Lars Thielemann, Leiter Naturparkverwaltung Niederlausitzer Heidelandschaft: „Bei einem Mittel, über dessen Gefährlichkeit es keine gesicherten Erkenntnisse gibt, wäre ich eher vorsichtig. Offensichtlich besitzt Glyphosat Wirkungen, die über die eigentlich bezweckten Effekte hinaus gehen. Das sollte einen nachdenklich machen. Ich hoffe also, man hat diese Entscheidung für eine Verlängerung wohl abgewogen. Die Frage ist schließlich auch: Welche Alternativen haben die Landwirte und welche Folgen hätten diese wiederum?

Eva Kallinich, Marketingverantwortliche Bäckerei Bubner: „Einen Großteil unseres Mehls beziehen wir aus der Umgebung von Dresden. Ein anderer Teil des Getreides stammt aus eigenem Anbau aus der Nähe von Sonnewalde. In beiden Fällen wird auf eine Behandlung mit Glyphosat verzichtet und stattdessen der Fruchtfolgenwechsel angewendet oder das Unkraut mechanisch gejätet – unabhängig davon, ob es sich um Bio- oder herkömmliche Backwaren handelt.“

Uwe Keil, Inhaber Teichwirtschaft Hammermühle: „Ich halte die Entscheidung zur Glyphosat-Verlängerung für eine Katastrophe. Sie zeigt: Nicht das Parlament macht Politik, sondern die Lobbyisten. In den USA sind ganze Felder durch die Nutzung von Unkrautvernichtern unfruchtbar geworden, das Mittel lässt sich an vielen Stellen nachweisen und die Schäden sind nicht absehbar. Durch das Oberflächenwasser fließt das Herbizid auch in die Teiche und niemand weiß, wie es dort wirkt.“