Von Josephine Japke

Auf ausgeleierte Phrasen steht er gar nicht. So etwas wie „die Puppen tanzen lassen“ oder „bis in die Puppen feiern“ sei furchtbar, sagt Ulli Voland. Der Puppenspieler übernimmt seit diesem Jahr die künstlerische Leitung für das Puppentheater-Festival, das am Freitag startet. Man könnte also sagen (Entschuldigung, Herr Voland), dass bei ihm die Puppen-Fäden zusammenlaufen.

Neustart in Birkwalde

Fünf Jahre ist es her, da suchten er und Partnerin Martha Rudolf „irgendwo in Brandenburg“ ein Haus. Das erste Objekt, das sie sich angesehen haben, war im beschaulichen Birkwalde bei Sonnewalde – und es war Liebe auf den ersten Blick, wie Voland heute sagt: „Wir haben hier die große Freiheit gefunden.“ Kein Wunder: endlose Wälder und Felder, über die die Kraniche fliegen, ehe sie sich direkt vorm KulturGut niederlassen.

„Was wir hier erreichen wollen, ist, Berührungsängste zu überbrücken. Bei uns im KulturGut kann man Theater in kurzer Hose nach der Arbeit sehen“, erklärt Ulli Voland. Dort werden eigene Stücke für Jung und Alt ehrenamtlich von den beiden Puppenspielern aufgeführt.

Puppenspiel ist nicht nur was für Erwachsene

Puppenspiel ist eine Einstiegsdroge für Kinder“, sagt Voland. Gerade sie würden zu den Puppen sofort ein Beziehung aufbauen und mitfühlen. Dennoch wird das Puppenspiel unterschätzt, sobald es nur als Kindertheater gesehen wird. Dass schon der Kasper ursprünglich ein Stück für Erwachsene war, scheinen die Menschen vergessen zu haben. Und auch heute noch werden kritische Themen aus Alltag, Gesellschaft und Politik aufgegriffen. „Der Zuschauer muss mitdenken und mitarbeiten – auf die angenehmste Art, die es gibt“, erklärt Voland.

Sobald es dem Puppenspieler gelingt, sich selbst zurückzustellen und die Puppe in den Vordergrund zu rücken, wird dem Stück Ton, Holz oder Pappmaché Leben eingehaucht. „Manche Zuschauer vergessen dann ganz und gar, dass die Puppe eigentlich nicht lebt“, sagt Voland. Ein paar Mal sei es sogar schon vorgekommen, dass Zuschauer gefragt hätten, wie die Puppe ihren Mund bewegen konnte. „Dabei tut sie das nie. Die Puppe hat eine starre Mimik und trotzdem bilden sich die Zuschauer ein, das Gesicht der Puppe hätte sich bewegt“, erklärt er und sagt, dass es für ihn kein größeres Lob gibt. Als Puppenspieler heimse man, wenn alles gut läuft, eben nur selten den Ruhm ein.

Langjährige Bühnenerfahrung hilft auch in Elbe-Elster

Ulli Voland stand vor, während und nach seinem vierjährigen Studium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst-Busch in Berlin schon auf den großen Theaterbühnen in Magdeburg, Dessau und Dresden. Selbst auf der größten Theaterbühne der Welt mit fast 2000 Publikumsplätzen, dem Friedrichstadtpalast in Berlin, ist er schon aufgetreten.

Beim internationalen Puppentheaterfestival in Elbe-Elster sind die Bühnen nicht ganz so groß und das Publikum nicht ganz so weit weg. Eine Herausforderung sei es dennoch. „Es ist nicht leicht, alles unter einen Hut zu kriegen, denn der Landkreis ist sehr groß und es gibt viele Spielorte auch aus privater Initiative heraus, die koordiniert werden müssen“, erklärt Ulli Voland.

Qualität hat auf dem Festival höchste Priorität

Doch ebenso wie sein Vorgänger Dr. Olaf Bernstengel, der das Festival 20 Jahre leitete, will Voland dem Publikum Qualität bieten. Einige der Künstler, die beim Festival auftreten werden, hat er auf seinen Touren durch Theaterhäuser kennengelernt. Bei manchen Hochkarätern, freut er sich besonders, sie ins Elbe-Elster-Land gelockt zu haben.

Wird es nun eine eigene Festival-Handschrift des neuen künstlerischen Leiters geben? Bricht eine neue Ära an? „Naja, ich habe mir Musik für die Eröffnung gewünscht. Doch ansonsten muss man das Rad nicht neu erfinden, denn das Festival stand schon vor mir auf sehr guten Beinen“, sagt Ulli Voland bescheiden und freut sich auf eine Woche voller Puppentheater.