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Psychatrietag
Cannabis: Medizin und Droge

Hanfpflanzen: Aus ihnen wird das umstrittene Cannabis hergestellt.
Hanfpflanzen: Aus ihnen wird das umstrittene Cannabis hergestellt. FOTO: Oliver Berg / dpa
Doberlug-Kirchhain. Psychiatrietag des Landkreises im Zeichen der Nutz- und Heilpflanze

Eine der ältesten Nutz- und Heilpflanzen, Cannabis, hat kürzlich beim Psychiatrietag des Elbe-Elster-Kreises im Mittelpunkt gestanden. Der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes ging dabei der Frage nach, ob die Hanfpflanze Fluch oder Segen für Konsumenten bedeutet.

Rückblick: Am 10. März dieses Jahres änderten sich nach jahrelanger und intensiver Diskussion die betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften zur Verschreibung von Cannabis-Arzneimitteln. Ein neues Gesetz ermöglicht es schwerkranken Patienten, nach ärztlicher Verordnung Cannabis in Arzneimittelqualität durch die Gesetzliche Krankenversicherung erstattet zu bekommen. Neben den bisherigen Therapie- und Verschreibungsmöglichkeiten können Ärzte auch Medizinal-Cannabisblüten oder Cannabisextrakt in pharmazeutischer Qualität auf einem Betäubungsmittelrezept verschreiben.

Klar ist, dass Cannabis zu physischer und psychischer Entspannung in Form intensiverer Sinneswahrnehmungen bei gleichzeitiger Gelassenheit und Heiterkeit führt. Kritiker führen dagegen an, dass unvorhersehbar ist, in welchem Ausmaß negative Wirkungen auftreten. Es können Angst, Panik, Verfolgungsideen aber auch unangenehme körperliche Erscheinungen bis zum Kreislaufkollaps eintreten. Zudem sind langfristige gesundheitliche Folgen wie Abhängigkeit und Psychosen nachgewiesen. Im sozialen Bereich werden Rückzug, geringere Lebenszufriedenheit, eine geringere Quote an Ausbildungsabschlüssen, geringeres Einkommen und höhere Arbeitslosigkeit beobachtet.

Durch die Gesetzesnovelle wird Cannabis heute zum Beispiel gegen Übelkeit bei Krebs- und AIDS-Patienten, als Schmerzmittel bei chronischen Beschwerden oder zur Muskelentspannung bei Multipler Sklerose eingesetzt. Dennoch sind Studien erforderlich, die nachweisen, ob Cannabis herkömmlichen Präparaten wirklich überlegen ist. Zu schnell werde aus einzelnen „Heilungserfolgen“ das Bild einer allmächtigen Wunderdroge abgeleitet, so die Leiterin des kreislichen Gesundheitsamtes, Dr. Anne-Katrin Voigt. Letztlich sei die entscheidende Frage, ob man eine Substanz sinnvoll gebraucht, missbräuchlich verwendet oder in abhängiger Weise konsumiert.

Der Sozialpsychiatrische Dienst hat das Thema „Cannabis – Fluch oder Segen?“ beim Psychiatrietag von mehreren Seiten beleuchtet: Die Referenten sprachen nicht nur darüber, wo Cannabis im Feld der Drogen angesiedelt ist, welche Risiken und Nebenwirkungen die Pflanze in sich birgt und welchen Nutzen Patienten haben können. Es wurde auch dargestellt, wie es zum Sinneswandel auf dem Weg zur kontrollierten Abgabe von Cannabis kam. Nicht zuletzt wurde auch das Gewaltrisiko unter Drogen thematisiert. Margit Rosar vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises erklärte, welche Wege aus der Abhängigkeit führen, wenn der Konsum zur Sucht wird.

Der jährliche Psychiatrietag im November ist eine Einladung an Betroffene, Angehörige, Professionelle und Interessierte, sich ausführlicher mit den Themenbereichen des Sozialpsychiatrischen Dienstes zu beschäftigen. Das Aufgabenspektrum ist groß: Die Fachleute im Gesundheitsamt kümmern sich um Menschen mit schweren oder langdauernden psychischen Erkrankungen, um Abhängigkeitskranke sowie behinderte und chronisch kranke Menschen im Rahmen des gesundheitlichen Sozialdienstes.

(red/dfh)