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| 17:36 Uhr

Streit um Straßenausbau
Beethovenstraße: Anwohner gehen in sich

Anwohner der Beethovenstraße sind geteilter Meinung, was den angestrebten Ausbau ihrer Straße betrifft.
Anwohner der Beethovenstraße sind geteilter Meinung, was den angestrebten Ausbau ihrer Straße betrifft. FOTO: Böttcher Gabi / LR
Finsterwalde. Im Sommer litten alle Anwohner der unbefestigten Beethovenstraße unter Staub und Verkehr. Die damals geforderte Sanierung der Straße ist jetzt höchst umstritten. Von Gabi Böttcher

Verständlicherweise groß ist das Interesse der Anlieger der Beethovenstraße an einer Verbesserung des Zustandes ihrer unbefestigten Straße. Die Frage ist: Wollen sie dafür in die eigene  Tasche greifen und wenn ja, wie tief?  Seit einer Informationsveranstaltung der Stadt am Mittwochabend im Sitzungssaal des Schlosses müssen sich die Anlieger diese Frage zunächst selbst beantworten. Doch der Reihe nach: Im Sommer vorigen Jahres hatten sich  die Emotionen hochgeschaukelt. Der wegen der Bauarbeiten in der Sonnewalder Straße vorüberfließende Umleitungsverkehr hatte den Staub aufwirbeln und das Fass überlaufen lassen.  Forderungen nach einer Sanierung der Straße wurden laut und Unterstützung bei der Wählergruppe „Bürger für Finsterwalde“ (BfF) gesucht. In ihrer September-Sitzung hatten sich die Stadtverordneten darauf verständigt, die eigenen Erfahrungen in der Bauverwaltung aus bereits umgesetzten Straßenbaumaßnahmen zu nutzen und eine Kostenschätzung auf der Grundlage rechtlicher Vorgaben und aktueller Parameter für den Straßenbau vorzunehmen.

Wie bereits in der Sitzung der Stadtverordneten Ende November vorigen Jahres informiert, wurden am Mittwochabend nun auch die Anlieger der Beethovenstraße direkt über das Ergebnis der Hochrechnungen in Kenntnis gesetzt.  Karsten Pinetzki vom Tiefbauamt erläuterte, dass Vergleichsdaten vom Ausbau des Westringes herangezogen und gemäß der seit 2014 zu berücksichtigenden Änderungen in den Vorschriften hochgerechnet wurden. So sei der Westring in einer Breite von 4,75 Meter ausgebaut worden, heute sei eine Mindestbreite von fünf Metern vorgegeben. Die vorgegebene  Breite eines Gehweges sei von damals 1,50 Meter auf heute mindestens zwei Meter gewachsen. Unter dem Strich kämen auf die Anwohner nach der Kostenrechnung der Bauverwaltung und der anzuwendenden  Straßenbaubeitragssatzung  etwa 5 Euro je Quadratmeter Nutzfläche zu. Zwischen 4000 und 20 000 Euro liege die  von den Anwohnern aufzubringende Summe. Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) hatte zudem betont, dass die Verwaltung nach Recht und Gesetz handeln müsse.

Helmut Eckert erinnerte an die Aussage des BfF-Fraktionsvorsitzenden Ronny Zierenberg im Sommer 2017, der zum möglichen Ausbauumfang der Straße gesagt hatte: „Es muss ja nicht immer ein Mercedes sein.“ Auf dieser Grundlage habe man die Umfrage unter Anwohnern gestartet, die sich schließlich für einen Ausbau ausgesprochen hatten, erinnerte Helmut  Eckert. Fazit für ihn nach der Präsentation der Stadt: „Mein Geld möchte ich für Unsicherheiten am Lebensende aufbewahren.“ Einen weiteren Aufwand für die Planung der Straße zu betreiben, halte er für nicht gerechtfertigt. Verhaltener Beifall aus den Anwohner-Reihen  ließ vermuten, dass diese Auffassung  im Falle einer Abstimmung an diesem Abend eine Mehrheit  gefunden hätte.

Ronny Zierenberg legte gegen die Auslegung seiner Worte im Sommer Widerspruch ein. Er habe damals sehr wohl auch gesagt, dass man sich an Rahmenbedingungen halten müsse. Auf die abwehrenden Bürgerreaktionen zum Umfang ihres Eigenanteils reagierte er am Mittwochabend:  „Wenn es zu viel ist, dann brechen wir es ab.“  

Für Rudi Lieball, den ersten Anwohner, der sich nach der Präsentation zu Wort gemeldet hatte, könnte umgehend von weiteren Aktivitäten zum Ausbau der Straße abgesehen werden. Hier würden zumeist Rentner wohnen, denen dieses Geld vom Ersparten abginge, das für die Sicherheit im Alter gedacht sei.    

Doch es gab auch andere Überlegungen: So merkte Hans-Günter Richter an, dass sich durch eine sanierte Straße auch der Wert der Häuser erhöhe. Er plädierte dafür, noch einmal genau zu überlegen. Diesen Gedanken griff  Alexander Piske (SPD) auf und sprach sich  für eine nochmalige Befragung unter den Anwohnern aus. Bürgermeister Jörg Gampe kündigte an, die Anwohner noch einmal anzuschreiben. Er hoffe auf regen Rücklauf. Ziel sei es, eine Entscheidung der Abgeordneten darüber vorzubereiten, ob die Verwaltung in die Planung einsteigen solle. Eine deutliche Mehrheit sei dafür „schon notwendig“.