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Privatdetektiv gegen Schmierfinken

Sie kandidieren für die Kommunalwahl: Günter Adam, Rainer Böhmchen, Manfred Fröschke, Ingo Hamm, Ernst Hampicke, Torsten Hensel, Marlies Homagk, Rita Klahn, Wolfgang König, Susann Kuhn, Petra Lentz, Fred Lodig, Manfred Schäfer und Ronny Zierenberg.
Sie kandidieren für die Kommunalwahl: Günter Adam, Rainer Böhmchen, Manfred Fröschke, Ingo Hamm, Ernst Hampicke, Torsten Hensel, Marlies Homagk, Rita Klahn, Wolfgang König, Susann Kuhn, Petra Lentz, Fred Lodig, Manfred Schäfer und Ronny Zierenberg. FOTO: Dietmar Seidel/dse1
Finsterwalde. Das Wahlprogramm besteht aus kurz formulierten fünf Punkten mit Stichworten, die auf einen kleinen Zettel passen. Und die Inhalte sind eher Floskeln, wie "Fortsetzung unserer bisher erfolgreichen Bürgerpolitik", "Einbeziehung der Bürger in wesentliche Entscheidungen", "Strategische Stadtumbaupolitik". Bei der Wählergruppe "Bürger für Finsterwalde" hat jeder sein eigenes Wahlprogramm. Dieter Babbe

Sich keinem Fraktionszwang zu unterwerfen, wie das bei den politischen Parteien mitunter der Fall ist, das stellen die Mitglieder der Wählergruppe, die es in Finsterwalde seit 2003 gibt, besonders heraus. Hier sei jeder nur seinem Wissen und Gewissen verpflichtet, könne jeder seine Meinung haben und sagen - was in der Stadtverordnetenversammlung freilich oft dazu führt, dass die Hände der Fraktionsmitglieder bei Abstimmungen wegen unterschiedlicher Ansichten nicht immer geschlossen nach oben gehen. Die "Bürger für Finsterwalde" wollen auch nicht durch Geschlossenheit auffallen, sondern durch ihre Kompetenz. "Keine Fraktion hat so viele Experten in ihren Reihen wie wir", spitzte dann auch Ernst Hampicke selbstbewusst zu - wofür er Gemurmel in den eigenen Reihen erntete, als die Wählergruppe ihre Kandidaten für die Kommunalwahl bei einem Pressetermin vorgestellte. Und dass der politische Kontrahent im Schloss die Wählergruppe als "Dagegenpartei" wahrnimmt, weil die Abgeordneten in der Tat desöfteren bei Abstimmungen im Rathaus über Anträge ziemlich geschlossen dagegen stimmen, wertet Petra Lentz aus dem Munde der CDU eher als Kompliment, wenn sie deutlich macht: Wir sind kritischer als andere.

Starkes Engagement ist den "Bürgern für Finsterwalde" wahrlich nicht abzusprechen - wenn es darum geht, nicht nur gegen, sondern auch für etwas zu sein. Ohne Zweifel haben Marlies Homagk für den Erhalt des Schwimmstadions, Torsten Hensel gegen den Abriss des Steigerturms, Manfred Fröschke für den Abwasseranschluss an der Vogelsiedlung und Rita Klahn beim Kreis dafür gekämpft, dass auf dem Schulhof des Janucz-Korczak-Gymnasiums nicht noch ein neuer Sportplatz entsteht, wo doch das Stadion ganz in der Nähe ist. Und für Ernst Hampicke ist das Thema Friedhof noch längst nicht abgehakt: Er will die Verwaltung bewegen, hier - wie das früher der Fall war -, wieder einen Friedhofsgärtner einzustellen.

Bei der Vorstellungsrunde machen insbesondere die Neuen mit frischen Ideen und Vorschlägen auf sich aufmerksam. So würdigt Manfred Schäfer zwar die Arbeit der Verwaltungsleute im Schloss, traut ihnen aber noch mehr zu. Geld sollte weniger für Beraterfirmen ausgegeben, sondern das eigenen Mitarbeitern als Zielprämie angeboten werden.

Fred Lodig lobt zwar, dass die Stadt Bürger zu Einwohnerversammlungen einlädt, "aber was nützt das, wenn schon alles entschieden ist", sagt der Sornoer, der in seinem Heimatdorf als Ortsvorsteher kandidieren wird. Und Günter Adam ärgert sich vor allem über die vielen Schmierereien in der Stadt. Er fordert: Für die etlichen tausend Euro, die Sparkasse, Wohnungsgesellschaft und Wohnungsgenossenschaft für Hinweise zur Ergreifung der Schmierfinken ausloben, lieber einen Privatdetektiv einstellen.