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Postkarte findet Weg zurück
Luftpost zur Diamantenen Hochzeit

Waltraud und Herbert Lehmann zeigen stolz die Post, die ihnen Erich Kraus aus dem Allgäu zurückgesendet hat.
Waltraud und Herbert Lehmann zeigen stolz die Post, die ihnen Erich Kraus aus dem Allgäu zurückgesendet hat. FOTO: Daniel Friedrich / LR
Fürstlich Drehna . Da staunten die Lehmanns nicht schlecht: Als sie vor kurzem ihren Briefkasten leeren, steckt darin eine Postkarte, die sie zu ihrer Diamantenen Hochzeit vor zehn Monaten an einem Heliumballon in die Luft geschickt haben. Von Daniel Friedrich

Seit über 60 Jahren sind Herbert (86) und Waltraud (81) Lehmann aus Fürstlich Drehna glücklich verheiratet. Ihr 60. Hochzeitsjubiläum haben sie im Dezember vergangenen Jahres mit Familie und Freunden zünftig begangen: „Wir haben auf unserem Hof Diamantene Hochzeit gefeiert und alle waren dabei“, erzählt das Jubelpaar stolz. Für die Feier ließen sich ihre Enkelkinder eine Luftballon-Aktion einfallen: Sie befüllten etwa 30 Ballons mit Helium und befestigten daran eine Karte, auf der die Lehmanns von ihrem Jubiläum berichten. Außerdem hinterließen sie die Adresse ihrer Großeltern und die Bitte, der spätere Finder möge die Karte wieder an sie zurückzusenden.

Der Wind dreht sich

Am Nachmittag ließen alle Hochzeitsgäste die Luftballons in die Höhe steigen. Bei klarem Himmel und Sonnenschein ging die Ballonpost auf ihre Reise, der Wind drückte sie zunächst in nördliche Richtung. Einige Wochen später erhalten Herbert und Waltraud Lehmann tatsächlich drei Nachrichten zurück. Der Wind muss sich nach dem Start gedreht haben, denn die Rückmeldungen kommen aus Schipkau, Ruhland und Frauendorf – alles Orte, die südlich von Fürstlich Drehna liegen.

Post aus Süddeutschland

Es vergehen mehrere Monate, bis die Lehmanns im Oktober dieses Jahres – zehn Monate nach ihrer Diamantenen Hochzeit – noch einmal überraschend eine Botschaft von der Luftballon-Aktion bekommen. Erich Kraus (80) hat sich bei ihnen mit der Karte gemeldet und gleich einen Atlasausschnitt mit dem genauen Fundort beigelegt: Die nur leicht beschädigte Postkarte lag in seinem Garten in Außerlengenwang, einem Dorf zwischen Füssen und Marktoberdorf im bayerischen Allgäu. Kaum zu glauben: Der Luftballon hat über 500 Kilometer Luftlinie zurückgelegt!

Erich Kraus hat den Lehmanns auf dieser Karte den genauen Fundort eingezeichnet: Bis nach Außerlengenwang, zwischen Füssen und Marktoberdorf, ist der Luftballon aus Fürstlich Drehna geflogen.
Erich Kraus hat den Lehmanns auf dieser Karte den genauen Fundort eingezeichnet: Bis nach Außerlengenwang, zwischen Füssen und Marktoberdorf, ist der Luftballon aus Fürstlich Drehna geflogen. FOTO: Daniel Friedrich / LR

„Wir haben uns natürlich sehr darüber gefreut und waren ziemlich überrascht von der Nachricht“, erzählt Herbert Lehmann. Telefonisch habe er dann Kontakt zu dem bayerischen Finder aufgenommen, sich bedankt und ein wenig geplaudert. „Vermutlich hat sich der Luftballon bei Herrn Kraus in einem Baum verfangen und irgendwann fiel die Postkarte herunter. So hat er sie entdeckt“, mutmaßt Waltraud Lehmann nach dem Telefonat mit dem „sehr netten Herrn“.

„Da werden wir wohl nicht mehr hinkommen“

Gern würde das Ehepaar Lehmann ihren Brieffreund aus dem Allgäu auch einmal persönlich kennenlernen. „Aber das ist so weit weg, kurz vor der österreichischen Grenze. Da werden wir in unserem Alter wohl nicht mehr hinkommen“, meinen die beiden. Dafür haben Sie die Adresse von Erich Kraus an ihre Enkeltochter weitergeben. Sie wohnt in München und unternimmt womöglich demnächst einmal stellvertretend einen Ausflug nach Außerlengenwang ins Allgäu.