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| 02:34 Uhr

Posaunen streicheln die Seele

OPUS 4 mit Wolfram Kuhnt, Stephan Meinert, Dirk Lehmann und Leiter Jörg Richter (v.l.) beim Kammermusik-Finale in der Trinitatiskirche
OPUS 4 mit Wolfram Kuhnt, Stephan Meinert, Dirk Lehmann und Leiter Jörg Richter (v.l.) beim Kammermusik-Finale in der Trinitatiskirche FOTO: jgw1
Finsterwalde. Zum Abschluss von sie- ben erfolgreichen Konzer- ten beim Finsterwalder Kammermusikfestival hatte OPUS 4 aus Leipzig Premiere. Jürgen Weser / jgw1

() Mit einem besonderen Hörerlebnis endete das siebente Finsterwalder Kammermusikfestival, veranstaltet von der Stadt. Mit dem Quartett OPUS 4 aus Leipzig gab es die Premiere eines reinen Posaunenkonzerts in der Kammermusikreihe seit 2011. Mit Musik von der Renaissance und Barock über Bach und Beethoven bis zu Gershwin begeisterten die vier Musiker am Sonnabend 200 Besucher in der Trinitatiskirche.

Zuvor zogen Festivalorganisatorin Johanna Zmeck und Bürgermeister Jörg Gampe ein positives Fazit des Festivals. Sechs Kammermusikkonzerte in vier Wochen mit den Themenschwerpunkt Beethoven und dazu zwei Kinderkonzerte lockten etwa 900 Besucher. Davon waren drei Konzerte im Logenhaus, dem traditionellen Spielort des Kammermusikfestivals, ausverkauft. Die Kinderkonzerte fanden großen Anklang bei Finsterwalder Schulen. Das Festival habe sich weiter erfolgreich unter Regie von Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh in der Sängerstadtregion etabliert, so Bürgermeister Gampe.

Die positive Bilanz unterstrich das furiose Abschlusskonzert des 1994 gegründeten und europaweit erfolgreichen Posaunenquartetts OPUS 4. Alle Facetten ihrer Posaunenmusik begleitete das Publikum gespannt und applaudierte begeistert. In der festlichen Eröffnung mit Claudio Monteverdis Deus in Adjutorium und den folgenden Renaissance-Stücken beeindruckten die Musiker mit perfektem und einfühlsamen Spiel und der virtuosen Beherrschung der von der Firma Jürgen Voigt aus Markneukirchen originaltreu nachgebauten ventillosen Barockposaunen. Es sei ein besonderes Vergügen, auf diesen Instrumenten seit 2012 als Dauerleihgabe der Firma spielen zu dürfen, so OPUS 4-Leiter Jörg Richter.

Nach dem beeindruckend gespielten ,,Deutschen Magnificat" von Heinrich Schütz, wobei ,,OPUS 4" den üblichen Männerchor durch seine Posauneninterpretation vergessen ließ, boten die Posaunisten mit ihrem Lieblingskomponisten Johann Sebastian Bach einen der Höhepunkte des Konzertes. ,,Obwohl Bach in seinem Schaffen die Posaune meist vergessen hat", wie Jörg Richter scherzte. So streichelten er und seine Bläserkollegen Dirk Lehmann, Stephan Meiner und Wolfram Kuhnt mit ,,Toccata und Fuge" in d-moll statt auf der Orgel mit ihren Kruspe-Orgeln mit weichem Klang die Seele, riefen eindringlich und jubilierten. Natürlich gehörte auch Ludwig van Beethoven zum Programm des Quartetts. Er war der durch alle Konzerte tragende Komponist in diesem Festivaljahr und mit seinem Poster-Konterfei, geschaffen von Steffen Kazmierczak, neben den Musikern präsent.

Begeistert begleitete das Publikum im letzten Konzertteil die spielfreudigen Musiker bei der rasanten Fahrt durch Broadway-Rhythmen von Daniel Sutton und expressiv-temperamentvoll geblasene Gershwin-Musik bis ins Konzertfinale. Natürlich zeigte sich das Quartett bestens vorbereitet auf Zugabewünsche wie mit dem furiosen ,,Säbeltanz", bevor Bachs Choral ,,Es ist genug" wirklich das Finale eines Konzertes war, das nicht nur Bläserexperten wie den ehemaligen Musikschulleiter Siegfried Fritsche und seinen vormaligen Bläserschützling Alexander Winzer beeindruckten. Erschöpft aber glücklich verabschiedeten sich die Opus 4-Bläser mit viel Lob für das Finsterwalder Kammermusikfestival. Die Organisatoren Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh, der am Finalsonnabend noch als Musiker im Barenboim-Orchester unterwegs war, stricken schon am Programm für das Festival 2018.

OPUS 4-Chef Jörg Richter im schönsten Einverständnis mit Festival-Komponist Ludwig van Beethoven.
OPUS 4-Chef Jörg Richter im schönsten Einverständnis mit Festival-Komponist Ludwig van Beethoven. FOTO: jgw1