Doreen H. war am späten Sonnabendabend letzter Woche mit dem Auto in Rückersdorf unterwegs. "Am Park unweit der Kleingartenanlage sah ich unter einer Straßenlampe einen älteren Mann mit einem Klappfahrrad und einem kleinen Pferd stehen. Mir kam die Sache zwar merkwürdig vor. Aber vielleicht war das Tier von der Koppel ausgerissen und wurde wieder eingefangen", vermutete die junge Frau - der das Gesehene zu nächtlicher Stunde aber keine Ruhe ließ. Sicherheitshalber rief sie beim Reit- und Fahrverein "Viktoria" im Dorf an, wo etwa 25 Pferde untergestellt sind. Madleine Zörner-Engelmann, die Vereinschefin, sah nach dem Anruf sofort nach dem Rechten - und musste erschrocken feststellen, dass sich die fünf Ponys nicht mehr auf der Koppel befanden.

Feuerwehrleute fanden das Pony

Währenddessen war die Rückersdorfer Feuerwehr in der Nacht im Einsatz. Sie musste ein Lagerfeuer vom Herbstfest am See löschen - als die Kameraden gegen 1.30 Uhr an der Kleingartenanlage ein völlig verstörtes Pony entdeckten, berichtet Feuerwehrmann Guido Krause. "Das Tier ist von jemand misshandelt worden. Die Vagina war blutig und völlig angeschwollen und es kam Schleim heraus", hat dann Madleine Zörner-Engelmann sofort festgestellt. "Außerdem stank das ganze Tier, als ob es mit einer chemischen Flüssigkeit übergossen wurde. Es hat nicht gefressen und hatte keinen Stuhlgang, weil ihm vermutlich etwas in den After gespritzt wurde."

Tierarzt Dr. Michael Kreher aus Bad Liebenwerda, der Sonntagfrüh sofort vor Ort war, kann die Vermutungen nur bestätigen. "Ein Verrückter, anders kann ich denjenigen nicht bezeichnen, der das gemacht hat, hat einen unbekannten Fremdkörper in den Genitalbereich des kleinen Ponys gesteckt, was zu einer Schwellung des Enddarms geführt hat. Die war so stark, dass ich nicht mal abtasten konnte. Das Pony muss große Schmerzen gehabt haben."

Auch eine Woche nach der Misshandlung ist "Mary", wie die Stute heißt, noch immer verstört und apathisch. "Aber wenigstens frisst sie wieder etwas", freut sich Madleine Zörner-Engelmann. "Die Schwellung geht zurück. Hätte der Fremdkörper zu inneren Verletzungen geführt, wäre das Tier vermutlich gestorben", sagt Dr. Michael Kreher - der sich die Woche über ständig um das kranke Pony gekümmert hat. "Auf dem ruhigen Pony sind sehr gern die Kinder beim Reitunterricht geritten. Ich weiß nicht, ob ich Mary nach dem Erlebnis noch als Reittier einsetzen kann", befürchtet Madleine Zörner-Engelmann.

Misshandlung auch in Doberlug

Der Bad Liebenwerdaer Tierarzt Dr. Kreher teilt die Sorgen vieler Pferdebesitzer in der Region. Für ihn ist es bereits der zweite Vorfall von Pferdemisshandlung in kurzer Zeit. Vor wenigen Wochen erst seien in Doberlug-Kirchhain zwei Pferde mit einem Gegenstand im Genitalbereich traktiert worden, die er behandeln musste. Seitens der Polizei laufen die Ermittlungen, wie es am Wochenende auf Nachfrage hieß. Zu dem verdächtigten älteren Mann mit dem Minifahrrad, der beobachtet wurde, gibt es bisher keine Spur.

Zum Thema:
Der aktuelle Fall von Tierschändung erinnert an die brutalen Misshandlungen von Pferden vor mehr als zwei Jahren im Elbe-Elster-Kreis. In Lebusa war eine Stute nach einem tiefen Schnitt im Genitalbereich verstorben. Ein anderes Pferd in Jeßnigk, dem schwere Verletzungen zugefügt wurden, musste später eingeschläfert werden. "So etwas habe ich in meiner 25-jährigen Tätigkeit zuvor noch nicht gesehen", erinnert sich noch heute Dr. Jörg Thienel - der Tierarzt aus Schönewalde hatte beide Pferde behandelt.