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Politposse mit Finale in Massen

Massen. Überraschend endete am Mittwochabend eine bisher beispiellose Polit-Provinzposse im Amt Kleine Elster. Die Wahl des Amtsdirektors musste wiederholt werden, weil der unterlegene Kandidat Torsten Drescher Wahleinspruch erhoben hatte. Jetzt aber trat er gar nicht mehr an. Heike Lehmann

Das sah am Mittwoch nach einem sicheren Durchmarsch für Gottfried Richter aus. Aufgeregt und zum Teil lautstark diskutierten die Amtsausschussmitglieder vom Amt Kleine Elster schon vor der Sitzung das Verhalten von Torsten Drescher (SPD) aus Doberlug-Kirchhain, Wirtschaftsförderer in Finsterwalde und bislang Bewerber um den Amtsdirektor-Posten. Beim Wahlaktakt Nummer eins am 16. November 2016 hatte er dem langjährigen Amtsinhaber noch drei Stimmen weggeschnappt. Die dritte Kandidatin Judith Bönisch aus Großbahren ging damals leer aus. Jetzt aber trat Torsten Drescher gar nicht mehr an. Am Samstagnachmittag hatte er das dem Vorsitzenden des Amtsausschusses Lutz Modrow (SPD) per E-Mail mitgeteilt. Sollte damit Abstimmung Nummer zwei deutlicher für Gottfried Richter ausfallen? Wer so dachte, lag daneben. Richter bekam wieder nur sieben Stimmen, die anderen drei gingen diesmal überraschend an Judith Bönisch. Ein deutlicher Denkzettel für den Amtsinhaber. Seit 1993 leitet er die Geschicke im Amt Kleine Elster.

Spürbare Schrecksekunde

Bedenkzeit wie im November konnte sich Richter aber nicht mehr leisten, denn seine Amtszeit endet am 19. Januar. "Ja, ich nehme die Wahl an", erklärte er deshalb und bekam klopfenden Beifall vom Amtsausschuss. Mit der Ernennungsurkunde für weitere acht Jahre als Amtsdirektor und nach einer spürbaren Schrecksekunde dankte er für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und erklärte: "Die mich weiter haben wollen, werde ich nicht enttäuschen. Für die, die mich offensichtlich nicht in diesem Amt sehen wollen, werde ich in normaler Art und Weise weitermachen."

Am Wahlablauf - geheime Wahl ist zwingend vorgeschrieben - wird wohl diesmal keiner etwas zu deuteln haben. Torsten Drescher hatte nach Runde eins mehrere formale Mängel aufgelistet, die aus seiner Sicht zu einer Verletzung des Wahlgeheimnisses geführt haben. Dazu gehörte, dass in der Wahlkabine nicht für alle Stimmberechtigten der gleiche Stift ausgelegen habe, ein Ausschussmitglied sein Kreuz außerhalb der Wahlkabine gemacht hatte, die kleine Wahlurne vor der Auszählung nicht geschüttelt wurde, weshalb man die Reihenfolge der Stimmzettel habe nachvollziehen können. All die Dinge sind auch auf Hinweis der Kommunalaufsicht diesmal beachtet worden.

"Ein Ding aus dem Tollhaus"

Gleich zur Tagesordnung wollte aber am Mittwoch dennoch keiner zurück. Die Politposse der zurückliegenden Wochen hatte alle viel zu sehr aufgeregt und beschäftigt. Ditmar Gurk (Lichterfeld-Schacksdorf) machte den Anfang: "Ich bin enttäuscht und habe erwartet, dass Herr Drescher uns heute erklärt, warum er nicht mehr antritt. Erst schreibt er uns, dass er keinen Einspruch will, dann macht er doch einen. Seine Glaubwürdigkeit ist für mich auf null gesunken. Das ganze Spektakel war eine Luftnummer, ein Ding aus dem Tollhaus. Wir sind alle ehrenamtlich und geben unsere Freizeit dafür." Seinen Hinweis auf zusätzliche Kosten für eine Extra-Sitzung und ein Extra-Amtsblatt griff lediglich Haiko Tollmien (Sallgast) auf. Lutz Modrow warf ein: "Da kann man sich vorstellen, wie er als Amtsdirektor agiert hätte." Auch Liane Pötzsch (Betten) erklärte: "Er hätte zumindest heute hier erscheinen müssen." Herbert Jünigk (Lieskau) hatte schon vor Sitzungsbeginn festgestellt: "Das war viel Rauch um nichts und dann zieht er den Schwanz ein." Für Uwe Mittelstädt (Dollenchen) habe sich letztlich bestätigt, dass die sieben Stimmen für Gottfried Richter richtig waren.

Der Ärger darüber, dass einige Amtsausschussmitglieder von Dreschers Rückzug erst kurz vor der Sitzung und noch dazu zum Teil aus dem Rundfunk erfahren haben, liegt offenbar im mangelhaften Informationsfluss begründet. Denn Modrow versichert, dass er Dreschers Absage am Montag an die Verwaltung weitergemailt habe.