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| 18:12 Uhr

Letztes Zucken der Karnevalszeit
Viel Eigenlob – kaum Schenkelklopfer

 Beim 10. Politischen Aschermittwoch der CDU in Doberlug-Kirchhain – erster unter Regie des Stadtverbandes und unterstützt vom Stadtverband Elsterwerda – gab es wieder Freibier. Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (4.v.r.) war der Hauptredner des Abends.
Beim 10. Politischen Aschermittwoch der CDU in Doberlug-Kirchhain – erster unter Regie des Stadtverbandes und unterstützt vom Stadtverband Elsterwerda – gab es wieder Freibier. Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (4.v.r.) war der Hauptredner des Abends. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain . 10. Politischer Aschermittwoch der CDU in Doberlug-Kirchhain – erstmals stand er unter lokaler Regie. Es gab Bockwurst, Freibier, Blasmusik und viel Applaus für den Hauptredner, Landrat Christian Heinrich-Jaschinski. Schenkelklopfer gab es kaum. Von Heike Lehmann

Zum 10. Mal hat in Doberlug-Kirchhain ein Politischer Aschermittwoch stattgefunden. Damit die Veranstaltung, die bislang Christdemokraten aus dem ganzen Land und mit ihnen Spitzenpolitiker in den Brandenburger Süden lockte, nicht stirbt, hatte der CDU-Stadtverband Doberlug-Kirchhain die Wiederbelebung eingeleitet. Denn 2017/2018 war die Veranstaltung ausgefallen und 2016 wegen eines Unglücks kurzfristig abgesagt worden. Der Stadtverband Elsterwerda unterstützte und so füllte sich am Mittwochabend der schönste Saal der Stadt im Refektorium am Schloss Doberlug zwar nicht bis auf den letzten Platz, aber ansehnlich.

Es gab Bockwurst und Bratklops von Papptellern, gegessen mit Messer und Gabel aus Plastik. Getrunken wurde einheimisches Freibier aus Plastikbechern. Bauunternehmer Frank Eichstädt machte dies als Hauptsponsor möglich. Die Elbtaler steuerten die zünftige Blasmusik bei.

Stadtverbandschef Thomas Boxhorn freute sich, Anja Heinrich, die er auch schon als CDU-Generalsekretärin beim Aschermittwoch begrüßen konnte, diesmal als Bürgermeisterin von Elsterwerda dabei zu haben. Er überließ mit umschmeichelnden Worten das Mikrofon dem Bürgermeister der Stadt, Bodo Broszinski (FDP), für ein Grußwort. Eine Steilvorlage. „Danke für die großartige Ankündigung. Das hört man selten von dir“, konterte Broszinski, um dann sogleich die Einladung ins „Reflektorium“ zu korrigieren. Man befinde sich im Refektorium, dem einstigen Speisesaal der Mönche. „Aber“, lenkte er ein, „schon zu einer Veranstaltung, bei der über politische Ereignisse reflektiert werden soll.“ Gleichzeitig eine Gelegenheit, sich über den politischen Gegner auszulassen. „Doch braucht man diesen Tag dafür? Manche Sitzungen der Stadtverordneten genügen dazu ebenfalls“, stichelte der Bürgermeister und erntete seinen ersten Applaus.

Hauptredner, Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, trat mit aufgekrempelten Ärmeln ans Pult und positionierte sich politisch eindeutig und brillant – mehr als eine halbe Stunde lang. Nach viel Eigenlob über Kreisfinanzen, den neuen Eigenbetrieb Rettungswesen, den sanierten ÖPNV, das gestärkte Elbe-Elster-Klinikum in kommunaler Trägerschaft, den touristischen Aufschwung von vor zwei Jahren und einem ausbaufähigen Marketingkonzept, forderte er: „Beurteilen Sie Politiker nicht nach dem, was sie sagen, sondern was sie tun.“

Mit „man sollte nicht jede Grasnarbe zwischen Finnland und Sizilien einheitlich regeln“ kritisierte der Landrat das Chaos in der Europapolitik, lehnte eine EU-Mitgliedschaft der Türkei „aus tiefster Überzeugung“ ab, und analysierte ausführlich die Zuwanderung. „Ich finde an Moscheen in Deutschland nichts Kritikwürdiges, aber wenn die Christen in arabischen Ländern so viel Religionsfreiheit hätten wie die Muslime hier – das wäre meine Vorstellung“, so Heinrich-Jaschinski, der viel Beifall erntete, echte Schenkelklopfer aber vermissen ließ. Versucht hat er’s aber mit Bezug auf aktuelle Sprachverirrungen. „Die Soldatinnen, die Soldaten, das Soldat? Egal, wir verteidigen unser Land divers!“ Und dem größten Abenteuer für junge Leute: „Früh am Morgen mit 5 Prozent Akkuleistung das Haus zu verlassen und keine Steckdose zu finden.“