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| 15:47 Uhr

Finsterwalder Großprojekt am seidenen Faden
Planungsstopp für die Stadthalle

Stirbt die Finsterwalder Stadthalle nun doch noch? Bürgermeister Jörg Gampe zum aktuellen Planungsstand: „Das Objekt ist utopisch.“
Stirbt die Finsterwalder Stadthalle nun doch noch? Bürgermeister Jörg Gampe zum aktuellen Planungsstand: „Das Objekt ist utopisch.“ FOTO: Habermann Architekten
Finsterwalde. Die Turbulenzen um die Finsterwalder Stadthalle erleben ein neues Hoch. Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) verhängt Planungsstopp. Die Kosten steigen von 11,6 auf 19,6 Millionen Euro. Von Gabi Böttcher

Bedrückende Stimmung im Sitzungssaal der Stadtverordneten am Mittwochabend. Offiziell wird hier der neue Planungsstand für das Großprojekt der Sängerstadt – die Stadthalle – vorgestellt. Eine jetzt deutlich werdende Kostensteigerung von 11,6 Millionen Euro im Jahr 2016 auf die zur baufachlichen Prüfung eingereichte Variante mit einer Investitionssumme von 19,6 Millionen Euro hat Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) zur Notbremse greifen und einen Planungsstopp aussprechen lassen. Als er kurz nach 20 Uhr ans Rednerpult tritt spüren alle, jetzt wird es grundsätzlich. In dieser Größenordnung sei das Objekt utopisch für Finsterwalde. Als das Architekturbüro Habermann im Sommer 2017 den Stand der Planungen dargestellt habe, war von keinen Veränderungen im Kostenrahmen die Rede. Er sei angesichts dieser Brisanz der Entwicklung auch menschlich enttäuscht. Bei einem Baubeginn 2019 sei wohl mit weiteren Kostensteigerungen zu rechnen. „Im Moment sehe ich das Projekt als nicht umsetzungsfähig für den Standort an. Wir müssen uns vor einem Projekt schützen, das ausufert“, so Jörg Gampe.

Jürgen Habermann bringt gemeinsam mit Sohn Clemens und Vertretern von vier Fachplanungsbüros Fakten und Argumente für die Kostenentwicklung zu Gehör. Eine Entschuldigung, im vorigen Sommer von einem unveränderten Kostenrahmen gesprochen zu haben, erklärt Jürgen Habermann so: „Zu diesem Zeitpunkt lag mir noch kein neuer Kostenstand vor. Es tut mir leid, dass ich den Zusammenhang nicht dargestellt habe, dass sich aus einer Erhöhung des Bauvolumens um 11,5 Prozent auch höhere Kosten ergeben.“ Der federführende Architekt verweist auf eine Explosion der Baukosten und neue Vorschriften in der Landesbauordnung. So sei allein im Bereich Beton eine Kostensteigerung von 37,36 Prozent und bei Schalungen von 24 Prozent eingetreten. Die aufgrund der erst im April vergebenen Aufträge an die Fachplaner, innerhalb kürzester Zeit Ergebnisse vorzulegen, hätten in der Summe 19,6 Millionen Euro erbracht. Die baufachliche Prüfung laufe derzeit noch. Inzwischen überarbeitete Pläne führten zu einer Investitionssumme von 15,7 Millionen Euro. Jürgen Habermann gegenüber der RUNDSCHAU: „Damit können wir eine voll funktionsfähige Stadthalle bauen.“ Dafür sei zum Beispiel statt des Einsatzes von Alublech für die Fassade auf Klinker und bei den Hubpodien auf eine andere Bedienweise umgestellt worden. Bei der Akustik habe man sich auf Klassik konzentriert, da seien auch Jazz und Sprache gut zu verstehen. Habermann zu den Stadtverordneten: „Es ist wie beim Auto, wo man vielleicht gern eine Sitzheizung und ein Schiebedach hätte, sich dann aber entscheiden muss, was einem wichtiger ist. Das sind Prozesse, die wir jetzt führen müssen. Diesen Weg will ich vertrauensvoll mit Ihnen gehen und die Transparenz verbessern.“

Für die Stadtverordneten ist wichtig, das selbst auferlegte Ziel zu erreichen, mindestens 50 Prozent der Investitionssumme durch Fördermittel zu erzielen. Bürgermeister Jörg Gampe erinnert an die großen Anstrengungen, die zu einer Fördersumme von derzeit 9 Millionen Euro geführt haben. Bezogen auf eine 19,6 Millionen-Investition wäre die Hürde nicht genommen. Bei 15,7 Millionen sähe die Welt schon besser aus.

Stadtverordnetenvorsteher Andreas Holfeld (CDU) riet am Ende der auch emotional aufrührenden Präsentation und Diskussion: „Erst mal sacken lassen.“

Für Bürgermeister Jörg Gampe, der die Entwicklung nicht nachvollziehen kann, steht die Suche nach Optionen auf der Tagesordnung, um das Projekt zu retten. Schon am kommenden Mittwoch gibt es für ihn ein erneut anspruchsvolles Stück Arbeit: In Potsdam werde man versuchen, Verständnis für die Situation zu erzielen. Ein Antrag auf Erhöhung der Förderung sei eingereicht. Von der Fraktion der SPD, in der erbitterter Widerstand nach dem überzeugenden Votum der Finsterwalder Bürger für eine Stadthalle in eine konstruktive Unterstützung umschlug, sagt Alexander Piske gegenüber der RUNDSCHAU: „Wir alle sind überrannt worden von den Zahlen. Wir müssen sie in Ruhe ansehen und mit den Fraktionsvorsitzenden, der Verwaltung und dem Architekten konstruktiv damit umgehen. Jetzt heißt es powern, powern, powern – damit die Stadthalle ein Erfolgsprojekt wird.“