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| 01:05 Uhr

Pferdewagenspurt zur Molkerei

Finsterwalde.. Ein Leser hat in der vergangenen Woche die Molkerei in Nexdorf/Buchhain erkannt. Wolfgang Hankel aus Buchhain kann sich für die richtige Lösung einen Preis in der Redaktion abholen.

Er schreibt: Das gezeigte Foto ist die Molkerei Buchhain/Nexdorf von der Nordseite mit der vorbeiführenden Straße. Die im Winter gemachte Aufnahme muss aus den 20er Jahren stammen. Der in der Mitte des Bildes stehende Baum ist eine Kastanie. Selbige wachsen sehr langsam. Aus meiner Kindheit, ich bin 1934 geboren, habe ich den Baum größer in Erinnerung. Daher die Annahme des Zeitraumes für die Aufnahme des Fotos. Eine zweite, kleinere Kastanie ist nur noch mit einem Ast am linken Bildrand zu sehen. Die Molkerei war eine auf Buchhainer Flur gebaute Genossenschaft der Milchproduzenten aus Prießen, Buchhain, Nexdorf, Drasdo und Schilda.
Da die Bauern nahezu alle zur gleichen Zeit ihre Milchkannen auf die Bank vor ihrem Haus stellten, legte die Fahrstrecke zur Molkerei die Reihenfolge des Eintreffens der Milchwagen fest. Der erste war der aus dem etwa 500 Meter entfernten Nexdorf. Der zweite der Milchwagen Nummer Eins aus Buchhain. Der dritte Platz war immer „heiß umkämpft“ zwischen dem zweiten Wagen aus Buchhain und dem aus Drasdo.
Die am rechten Bildrand zu erkennende Treppe führte zu der Entladerampe und der Eingangstür in die Molkerei. Hier musste der Milchwagenfahrer die Milchkannen, dem Erzeuger zugeordnet, in ein Behältnis schütten, welches in digitaler Anzeige die gelieferte Menge anzeigte. Dann wurde eine festgelegte Menge an Magermilch von einem Mitarbeiter der Molkerei in die Kanne gelassen und auf die Beladerampe, im Vordergrund an der rechten Giebelecke zu sehen, dem Molkereiausgang, gestellt.
Das auf dem rechten Bildrand unten sichtbare Wagenrad lässt, der Radstellung nach zu urteilen, einen für die Heimfahrt schon fertigen Milchwagen annehmen. Die über den Wagen in der Bildmitte zu sehenden Pferde gehören demnach zu dem zweiten angekommenen Milchwagen, dem ersten Gespann aus Buchhain. Der zwischen den Maschinenhausfenstern auf dem Wagenbock sitzende Kutscher deutet auch darauf hin. Buchhain hatte zwei speziell für den Milchkannentransport gefertigte Wagen mit Kutschersitzgelegenheit. Der im Vordergrund stehende Milchwagen musste also der von Prießen sein.
Der Molkereiverwalter vor, während bis kurze Zeit nach dem Krieg hieß August Stieg - ein sehr gewichtiger Mann. Er soll über 150 Kilogramm auf die Waage gebracht haben.
Es war zu seiner Zeit die Regel, dass jedes vom Standesamt in Nexdorf kommende neu vermählte Paar, das an der Molkerei vorbei musste, hier hielt und für die Anwesenden einen Schnaps spendierte. Während des Krieges wurde eine größere Zentrifuge eingebaut, welches die Standzeiten für die Gespanne verkürzte. Etwa 1948 wurde auch Harzer Käse produziert.
Über einen längeren Zeitraum versuchte man mit den Mitteln Rentabilität und Hygiene erfolglos die Molkerei zu schließen. Etwa 1968 wurde sie dann auf Anordnung geschlossen.