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| 20:05 Uhr

Vergnüglicher Abend in Finsterwalde
Peter Bause: Wer den Wein verschmäht, ist es nicht wert, ein Mensch zu sein

Peter Bause während seines temperamentvollen Auftritts.
Peter Bause während seines temperamentvollen Auftritts. FOTO: LR / Jürgen Weser
Finsterwalde. Der Schauspieler in Finsterwalde mit leidenschaftlichem Programm – nicht nur über süffigen Rotwein. Von Jürgen Weser

Bereits zum dritten Mal war Peter Bause Gast im Finsterwalder Kreismuseum. Nach Lesung aus seiner Autobiographie 2013 und dem kurzweiligen Einpersonenstück „Kontrabass“ 2015 widmete sich der begnadete Mime am Freitagabend dem Rotwein und anderen schönen Dingen des Lebens. „Wein und Liebe bis zum Tod“ lautet sein Fazit.

Wein und Liebe reichen aber nicht für den Vollblutmimen. Ein Leben ohne Bühne ist für den inzwischen 76jährigen Schauspieler mit jahrzehntelanger Karriere auf Bühnen und im Film undenkbar. Es dauert am Freitagabend nicht lange und Peter Bause läuft zur Höchstform auf. Er liest, singt, deklamiert und begeistert die Besucher des Abends mit seiner unnachahmlichen Mimik. Peter Bause erzählt und spielt das Leben der fiktiven Figur Enrico Naumann, in die er mit Haut und Haar eintaucht. Er lässt ihn als jungen Paketzusteller, Leiter eines Jugendpostamtes, Musikschüler und Chorsänger am Theater in Döbeln als „hoher Bariton“ lebendig werden. Dabei karikiert er humorvoll Unzulänglichkeiten der DDR, die er vom Anstehen bei der Post für ein Westtelefonat bis zum „sehr dürftigen Weinangebot“ noch einmal Wirklichkeit werden lässt. Peter Bause provoziert Lachsalven mit den Erlebnissen ab 1991 im Chor „Lustige Burschen von Döbeln“ und vor allem mit der Reise nach Amerika, wo Enrico Naumann die überraschende Erbschaft des verstorbenen Onkels entgegennehmen will. Von New York bis Chicago in die Stadt der Verbrecher, wie er von Brechts Theaterstücken weiß, führt Neumanns Odyssee zum Erbe. Die avisierten 6000 Dollar entpuppen sich dann als eine „wertvolle Flasche Rotwein“. Damit ist Peter Bause beim Thema des Abends, das er lustvoll mit Episoden aus seinem Schauspielerleben am Theater und als Film-Mime ausleuchtet. Ironisch nimmt er Promi-Eitelkeiten aufs Korn wie die „Weisheiten“ selbst ernannter Weinkenner. Bauses Fazit: „Wer den Wein verschmäht, ist nicht des Lebens wert“. Egal wie er getrunken wird. Mit unbändigem Temperament, körperlicher Präsenz und komödiantischem Schalk breitet Peter Bause Erlebnisse aus seiner Karriere und der von verdienstvollen Kollegen wie Günter Simon, „die auch ihre Macken haben“, mit Blick auf heute irrwitzig erscheinende politische Aktionen aus. Da wird schon mal eine Thälmann-Skulptur, die dem DDR-Oberhaupt überreicht werden soll, gegen Rotwein eingetauscht. Wer Peter Bauses Autobiographie kennt, der weiß, dass er sein Leben als fünfaktiges Theaterstück sieht: von den Jugendjahren bei der Deutschen Post und der Theaterhochschule Leipzig über den zweiten Akt am Deutschen Theater Berlin und am Berliner Ensemble im dritten Akt, wo er wie im klassischen Drama seinen Lebenshöhepunkt sieht. Im vierten Akt tourt Peter Bause nach der Wende als freier Schauspieler durch die Lande. Der dauert weiter an mit Lebens- und Bühnenlust, worüber sich die Finsterwalder Besucher auch mit einem Glas Wein freuen konnten.

Peter Bause braucht die Bühnen, die für ihn tatsächlich die Welt bedeuten. Der fünfte und letzte Akt darf noch warten.