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Paul zwingt zum Aufräumen

Diese stolze Eiche mit einem Stammdurchmesser von etwa 1,20 Meter hat es beim Sturmtief Paul und dem Tornado am 22. Juni im Revier Schadewitz einfach umgehauen. Revierförster Torsten Degen hatte dieser Tage viel zu tun.
Diese stolze Eiche mit einem Stammdurchmesser von etwa 1,20 Meter hat es beim Sturmtief Paul und dem Tornado am 22. Juni im Revier Schadewitz einfach umgehauen. Revierförster Torsten Degen hatte dieser Tage viel zu tun. FOTO: Heike Lehmann
Schadewitz. Das Sturmtief Paul hat im Wald, der von der Landeswaldoberförsterei Doberlug bewirtschaftet wird, etwa 10 000 Festmeter Schadholz verursacht. Am Nachmittag des 22. Juni ist es durch die Region gefegt. Heike Lehmann

"Drei Viertel der Schäden haben sich im Revier Schadewitz konzentriert", konstatiert Nico Friedrich von der Oberförsterei. Jetzt, drei Wochen später, könne man wieder ein bisschen durchatmen. Die Verkehrssicherungspflicht stand zunächst an oberster Stelle. "Die öffentlichen Wege und Straßen, wie der Fürst-Pückler-Radweg, der hier entlang führt, sind freigeräumt und können wieder gefahrfrei genutzt werden." Wer allerdings die Wälder betreten will - reife Heidelbeeren und sprießende Pilze könnten dazu verleiten - sollte sich noch äußerst vorsehen. Auch wenn die Forstarbeiter zügig und mit kühlem Kopf aufräumen, "es ist immer noch ein labiles Gebilde. Es könnten nach wie vor einzelne Bäume kippen oder brechen", warnt Friedrich.

Das wird deutlich, wenn Revierförster Torsten Degen die schlimmsten Stellen zeigt. Wie mit der Sense scheinen die Bäume in einer Schneise gekappt zu sein. Gebrochen, gedreht oder entwurzelt. Im südlichen Bereich des Reviers hatte sich ein Tornado gebildet, der selbst Strommasten geknickt hat. "Von der stolzen Eiche bis zur bescheidenen Kiefer, von jung bis alt hat kaum ein Baum standgehalten", staunen selbst die Fachleute. Torsten Degen arbeitet seit 1982 bei der Forst. Ein solches Schadensbild hat er noch nie gesehen.

Am Sturmtag kam Degen aus einer anderen Ecke seines Reviers und ist bei Schadewitz gar nicht mehr in den Wald gekommen. Am Morgen danach wurde mit dem eigenen Maschinenhof besprochen, wo die meisten Schäden sind. Seitdem wird aufgeräumt im Landeswald. "Von den etwa 1700 Hektar Gesamtfläche im Revier sind 575 Hektar geschädigt, davon 200 Hektar intensiv", hat Torsten Degen aufgelistet. 7000 Festmeter Schadholz sind die nüchterne Bilanz eines stürmischen Juni-Tages.

Schwere Technik arbeitet sich Stück für Stück durch die Schadstellen. Der Harvester greift und schneidet die abgeknickten und entwurzelten Bäume wie Bleistifte und bearbeitet sie zur industriellen Verwertung. Das müsse nicht zuletzt aus Forstschutzgründen zügig erfolgen, um Folgeschäden zu vermeiden. Der Borkenkäfer lauert insbesondere auf Fichte und Lärche. Von Kiefer und Birke wird Totholz durchaus belassen, um Tieren zusätzlichen, ökologisch wertvollen Lebensraum zu bieten.

Nichtsdestotrotz ist Nico Friedrich hoffnungsvoll, was den Schadewitzer Wald angeht. Bei der natürlichen Waldverjüngung hilft der Eichelhäher. Viele kleine Eichen haben von den Forstarbeitern eine Schutzummantelung für kräftigeren Wuchs bekommen. Der Kiefer wird auf die Sprünge geholfen, indem Mineralboden freigelegt wird, wo Samen besser aufgehen kann. Es wird wieder ein gesunder natürlicher Mischwald. Das ist sicher.