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Leidenschaft zum Beruf gemacht
Paul will Theater in die Stadt zurückbringen

Szene aus dem Tavernenstück von Paul Marwitz im Keller-Café.
Szene aus dem Tavernenstück von Paul Marwitz im Keller-Café. FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde. Der ehemalige Finsterwalder gastierte am Wochenende mit seinem aktuellen Piratenstück im Keller-Café. Von Jürgen Weser

Das „Theater im Kino“ aus Berlin war mit zwei Aufführungen seines aktuellen Stückes „The Last Pirate“ Gast im Keller-Café der Jungen Gemeinde Finsterwalde. Das Besondere: Stückschreiber, Dramaturg und Intendant der kleinen Bühne in der freien Berliner Theaterszene ist der ehemalige Finsterwalder Paul Marwitz.

Gemeinsam mit Richard Haufe-Ahmels als Regisseur hat er das Piratenstück mit aktuellen politischen Bezügen im Berliner Bezirk Friedrichshain zur Premiere gebracht. Gegenwärtig ist die Truppe mit acht Schauspielern und dem vierköpfigen Regieteam auf Tournee und sucht sich für die Aufführungen besondere Spielorte abseits klassischer Theaterbühnen.

Das Finsterwalder Keller-Café ist wie gemacht für ihr Piratenstück, denn das Piratenleben findet in der Taverne von Lady Fellony mit viel Rum, Kartenspiel um die Schatzkarte und kleinen Betrügereien statt. Ausgelaufen ist ihr Schiff schon lange nicht mehr. Interessant wird es, als Captain Longsilver als Aufrührer in der Stadt auftaucht und als Störenfried ins beschauliche Piratenleben mit Saufen und Huren einbricht. Mit der jungen Piratin Ann Bonny bringt das Stück aktuelle Probleme und Widersprüche in die Handlung. Es gibt blühende Landschaften und eine starke Wirtschaft – schließlich sind die Bordelle rappelvoll.

Gewalt, Hetze gegen andere Nationen, Gründung einer unabhängigen Kaperrepublik sind wie Frauenrecht Themen, die durch die Inszenierung den streitbaren Piraten aufgehalst werden. Brexit und Trump lassen grüßen. Die Schauspieler agieren temperamentvoll in der Enge der Taverne „Keller-Café“, spielen lautstark durchs Fenster nach innen und überzeugen durch Emotionalität.

Totschlag und Mord gehören zum Piratenleben. Es geht Paul Marwitz und Richard Haufe-Ahmels um die Probleme unserer „neuen Welt“. Die Zuschauer haben ihre Freude am Stück, das mitunter noch ein bisschen dichter daherkommen sollte.

Paul Marwitz hat seine Theaterleidenschaft zum Beruf gemacht. Schon am Sängerstadt-Gymnasium hat er in der Theater-AG über einige Jahre Spuren hinterlassen. „Eigentlich wollte ich ja Schauspiel studieren, habe dann aber gemerkt, dass mir die Dramaturgie noch mehr zusagt.“ Erstes Rüstzeug dafür holte sich Paul Marwitz als Hospitant bei Intendant Sewan Latchinian an der Neuen Bühne Senftenberg. Inzwischen hat er an der FU Berlin Theaterwissenschaft bis zum Bachelor studiert und befindet sich noch im Master-Studium. Parallel dazu hat er das „Theater im Kino“ in Berlin-Friedrichshain gegründet und will mit der Truppe im Off-Theater-Bereich tätig sein. Auch wenn er weiß, dass es schwer ist, davon leben zu können.

Die Kontakte zu seiner Heimatstadt Finsterwalde will Paul Marwitz vertiefen. So inszeniert er mit Akteuren der Jungen Gemeinde die „Christnacht“ und hofft auf weitere Kontakte, um „Theater in die Sängerstadt zurückbringen zu können“.