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Paul Marcus – Künstler, Unternehmer und Erfinder

Finsterwalde.. Zu den Finsterwaldern, die es in ihrer Profession zu einiger Berühmtheit gebracht haben, gehört der vor 150 Jahren geborene Paul Marcus. Die deutsche Weisheit, dass jeder seines Glückes eigener Schmied sei, trifft auf ihn wie auf kaum einen anderen zu. Als junger, mittelloser Mann zog er in die Reichshauptstadt, die von ihm gegründete Firma hatte schließlich bis zu 200 Mitarbeiter. Seine künstlerischen Leistungen ehrte der Kronprinz Friedrich Wilhelm mit dem Titel „Hofkunstschlosser Seiner Majestät des Königs“ . Von Olaf Weber


Paul Marcus war nicht nur künstlerisch, sondern auch als Unternehmer erfolgreich. Als mittelloser Berufsanfänger aus einer Kleinstadt der Provinz kommend, setzte er sich mit seinem Betrieb in der großstädtischen Konkurrenz durch. An unternehmerischem Einfallsreichtum mangelte es ihm dabei nicht. So beschäftigte er sich als Erfinder staubdichter Museumsvitrinen und Sammlungsschränke mit Museumstechnik. Für diese Entwicklung erhielt Marcus ein Deutsches Reichspatent, daneben bestechen die Vitrinen noch heute durch ihre ästhetisch gelungene Gestaltung. Als Referenz wäre hier die umfangreiche Schausammlung der Bergakademie der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg anzuführen, die in Marcus' eisernen Schauvitrinen untergebracht war. Hergestellt wurden aber auch aufwändige Prunkvitrinen, etwa für das Hohenzollern-Museum, die in ihrer Gestaltung einen Kontrapunkt zu den heute übli chen Ganzglasvitrinen bilden, und in denen wohl so manches Museumsstück verblasst ist.
Über Jahrzehnte engagierte sich der Unternehmer Marcus in berufsständischen Organisationen. Die Berliner Schlosserinnung wählte ihn zu ihrem Obermeister. Noch heute verwahrt die Innung zwei Leuchter und eine Lade aus der Hand des Meisters, die auch in der Finsterwalder Sonderausstellung gezeigt werden konnten. In Berlin hatte Marcus zudem das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Innungsausschusses der Vereinigten Innungen zu Berlin übernommen. Als Vorsitzender des Vereinigten Innungsverbandes Deutschlands wirkte er auch reichsweit. Marcus' seit dem Januar 1913 ausgeübtes Amt als Präsident des Hansabundes für Gewerbe, Handel und Industrie reichte dann schließlich über sein eigentliches fachliches Tätigkeitsfeld hinaus. Diese 1909 gegründete Vereinigung bildete eine Interessenvertretung gewerblicher und industrieller Kreise mit einer politischen Ausrichtung, die von gemäßigt kon servativ bis linksliberal reichte. Den Hauptgegner bei dem Bemühen um eine wirtschaftsfreundliche Politik, z. B. Steuerpolitik, bildeten die einflussreichen Großagrarier Preußens.
Paul Marcus starb 88-jährig am 17. Juli 1932. Seine Grabstätte liegt auf dem Berliner Zwölf-Apostel-Friedhof. Die kunstvolle Anlage, die Marcus selbst für einen 1903 verstorbenen Sohn geschaffen hatte, ist erst kürzlich restauriert worden.
Damit endete jedoch nicht die Geschichte der Firma Marcus: Obwohl damals aufgrund der Weltwirtschaftskrise auf einem Tiefpunkt ihrer Entwicklung angekommen, konnte Paul Marcus' Sohn Walter das Unternehmen weiterführen. Zwar ging das Grundstück in der Monumentenstraße nach einer Insolvenz im Januar 1934 verloren, doch konnte die Firma dort weiter als Mieter produzieren. Die Ära der Schmiedekunst ging mit dem Tode des Seniors zu Ende, in der Folge konzentrierte sich das Unternehmen auf Metallbauarbeiten. In den 50er Jahren verzog das Unternehmen schließlich von Westberlin nach Frankfurt am Main.