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| 12:43 Uhr

Wenn der Schöpfer verstirbt
Paul Böckelmann: „Wir als lebende Künstler müssen unseren Nachlass vorbereiten“

Petra und Bernd Kohlmann beim Sichten des Nachlasses von Horst Bahr.
Petra und Bernd Kohlmann beim Sichten des Nachlasses von Horst Bahr. FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde. Private Künstlernachlässe sind umfangreich, vielfältig und oft nicht sorgfältig archiviert. Deren Sicherung ist auch in Elbe-Elster ein Problem.

Künstler wollen Kunst schaffen. Das Danach kommt während ihrer Lebenszeit oft zu kurz. Das wurde während einer Podiumsdiskussion im Finsterwalder Kreismuseum klar. Dazu eingeladen hatte der Verein „Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg“ e.V. mit Bezug zum Themenjahr „Wir erben“ von Kulturland Brandenburg.

Auch im Landkreis Elbe-Elster gibt es die Problematik. Die Nachlässe von Gudrun Bröchler-Neumann, Eckhard Böttger, Horst Bahr, Heinz Schmidt und Hanspeter Bethke sind zu betreuen. Wer macht das, wer ist kunstwissenschaftlich zur Aufarbeitung in der Lage, wo werden die Nachlässe aufbewahrt, wie können sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und wie kann die öffentliche Hand helfen? Diese Fragen wurden mit Thomas Kumlehn und Jana Zadow-Dorr vom Verein Künstlernachlässe diskutiert.

Mit diesen Problemen ist auch Petra Kohlmann als Tochter des Finsterwalder Künstlers Horst Bahr konfrontiert. Gemeinsam mit Ehemann Bernd sichtet sie das vorhandene Konvolut von Ölbild bis Grafik. Froh ist Petra Kohlmann, dass sich ein Teil der Werke im Besitz des Finsterwalder Museums befinden, andere als Dauerleihgaben in einer Mecklenburger Kureinrichtung sind.

Unsortiert hat Paul Böckelmann auch den Nachlass des Saxdorfer Künstlerkollegen Hanspeter Bethke erlebt. Für sich und Elke Böckelmann (E.R.N.A.) hat er für ihr Altenauer Atelier die Schlussfolgerung gezogen: „Wir als lebende Künstler müssen den Nachlass vorbereiten.“ Monika Böttger kann bei der Digitalisierung des Nachlasses des Finsterwalder Künstlers Eckhard Böttger auf die Hilfe ihrer Künstler-Söhne bauen. Jana Zadow-Dorr aus Lieskau, die den Nachlass ihrer Mutter Gudrun Bröchler-Neumann verwaltet, setzt auf den Verein für private Nachlässe. „Das Konzept der digitalen Datenbank hat mich überzeugt.“ Inzwischen ist sie stellvertretende Vorsitzende im Verein, der aus etwa vierzig Mitgliedern besteht.

Doch viele Nachlassverwalter stehen der Digitalisierung noch skeptisch gegenüber, weiß Thomas Kumlehn. Allein durch Ausstellungen und Kataloge (schwierig genug) verstorbene Künstler in der Öffentlichkeit zu halten, scheint ihm illusorisch. 2013 habe man begonnen, Hilfe zu leisten, 2015 ist der Verein gegründet worden und bis jetzt stehen 14 Verzeichnisse von zwölf Künstlern im System. Öffentliche Museen und staatliche Stellen können nur begrenzt helfen. Dazu fehlen personelle, logistische und finanzielle Möglichkeiten, weiß Elbe-Elster-Kulturamtsleiter Andreas Pöschl. „Dabei ist die Unterstützung der Kunstszene im Landkreis besonders vorbildlich“, hebt Paul Böckelmann hervor. Förderungen bestimmter Teilbereiche zum Thema Nachlass könnten gefördert werden, stellt Pöschl, der sich mehr Engagement vom Brandenburgischen Verband Bildender Künstler wünscht, in Aussicht.