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Passt nicht: Standards und Preise

Im Agrarbetrieb von Olaf Krüger (l.) und in der Agrargenossenschaft Werenzhain in Trebbus sah sich neben Landrat Christian Heinrich-Jaschinski auch Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg (r.), um: "Hut ab. Die Betriebe sind wichtige Stützen im ländlichen Raum."
Im Agrarbetrieb von Olaf Krüger (l.) und in der Agrargenossenschaft Werenzhain in Trebbus sah sich neben Landrat Christian Heinrich-Jaschinski auch Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg (r.), um: "Hut ab. Die Betriebe sind wichtige Stützen im ländlichen Raum." FOTO: Gabi Böttcher
Trebbus. Ob klein oder größer: Landwirte in Trebbus leiden am Widerspruch zwischen geforderter hoher Qualität und niedrigen Erzeugerpreisen. Gabi Böttcher

Die aktuelle Preissituation belastet die Bauern auch in Elbe-Elster massiv. Stellvertretend markierten beim gestrigen Besuch von Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) zwei in Trebbus ansässige Unternehmen, wo der Schuh drückt. Und da macht es keinen Unterschied, ob Olaf Krüger aus der Sicht seines Familienunternehmens mit sieben Mitarbeitern und einer Saisonhilfe, oder Dieter Heyde, Vorstand der Agrargenossenschaft Werenzhain, als "Mehrfamilienbetrieb" mit 34 Beschäftigten, die Lage einschätzt. "Wir benötigen endlich faire Preise für unsere Produkte. Wir haben es mit verdoppelten, ja verdreifachten Kosten zu tun", steigt Olaf Krüger gleich zu Beginn der auf Einladung des Bauernverbandes Südbrandenburg zustande gekommenen Stippvisite ein. Wie aus dem Ei gepellt präsentierte sich der Familienbetrieb seinen Gästen. Die Kinder hatten am Abend zuvor noch Wiesenblumen für die liebevoll gedeckte Frühstückstafel gepflückt. Mit um die 30 Cent je Liter Milch müssen die Milchbauern jetzt auskommen. Etwa die Hälfte des Einkommens resultiert beim Familienbetrieb aus der Milchproduktion. Seit November vorigen Jahres produziere man "zertifiziert genfrei". Das bedeute einen Cent mehr je Liter Milch. Und es stehen Investitionen an. Die neu in Kraft getretene Düngemittelverordnung erfordert den Bau eines Güllebeckens. In diesem Jahr soll es fertig sein. "Mit dem Dach an meinem Wohnhaus wird es einfach nichts", kommentiert Olaf Krüger. Im kommenden Jahr sollen auch Kuhstall und Melkanlage umgebaut werden. Vollautomatisch soll diese sein. "Ob das realistisch ist, muss sich noch zeigen", sagt der Landwirt. Doch nicht zuletzt im Hinblick auf den 70 Jahre alten Vater Günter, der immer noch als volle Arbeitskraft mitmischt, müsse die Arbeit leichter werden. Das erwartet Olaf Krüger eigentlich auch mit Blick auf die immer neuen Verordnungen und ausufernde Bürokratie, die das kleine Unternehmen stark belasten.

Das ist bei der Agrargenossenschaft Werenzhain nicht anders. Dieter Heyde präsentierte den Gästen ein leistungsstarkes Unternehmen, das 2000 Hektar bewirtschaftet und etwa 900 Rinder hält, davon 500 Milchkühe. Dass der Betrieb gemeinsam mit dem Jeßnigker Agrarbetrieb um Reinhard Claus erst vor wenigen Tagen bei der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung in Paaren/Glien unter insgesamt fünf Betrieben in Brandenburg für beste Milchqualität geehrt wurde, kommt nicht von ungefähr. Das Tierwohl steht hoch im Kurs bei Dieter Heyde und seinem Team. Deshalb besteht auch für ihn ein schreiender Widerspruch zwischen den erfüllten hohen Qualitätsstandards und den niedrigen Erzeugerpreisen. Die oftmals fehlende Akzeptanz der Gesellschaft gegenüber der Landwirtschaft geht den Bauern in Trebbus angesichts ihres anspruchsvollen Jobs zudem an die Nieren.