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| 02:41 Uhr

Otto und Magdalena in Branitz

In der Trinitatiskirche in Finsterwalde hat der Berliner Restaurator Dirk Jakob zwei Epitaphe übernommen. Küster Peter Krüger (l.) freut sich, dass die Leihgaben nach Ausstellungsschluss in Branitz in neuem Glanz zurückkommen.
In der Trinitatiskirche in Finsterwalde hat der Berliner Restaurator Dirk Jakob zwei Epitaphe übernommen. Küster Peter Krüger (l.) freut sich, dass die Leihgaben nach Ausstellungsschluss in Branitz in neuem Glanz zurückkommen. FOTO: Dietmar Seidel/dse1
Finsterwalde/Cottbus. Zwei Epitaphe, die bisher links und rechts des Altarraumes in der Finsterwalder Trinitatiskirche ihren Platz hatten, sind jetzt nach Berlin transportiert worden. Ab dem 9. Mai sollen sie auf Schloss Branitz zu sehen sein. Gabi Böttcher

Bevor die jeweils 180 mal 115 Zentimeter großen Tafelgemälde die Erinnerung an Otto I. und Magdalena von Dieskau in die Ausstellung "Herrschaftszeiten! Adel in der Niederlausitz" tragen, hat der Restaurator das Sagen. Dirk Jakob übernahm in der vorigen Woche die Gemälde in Finsterwalde von Küster Peter Krüger und transportierte sie wohlverpackt in seine Berliner Werkstatt. "Besondere Kraft muss er in die Magdalena stecken, hier werden auch etwa 90 Prozent der für die Restaurierung bereitstehenden 4000 Euro verwendet werden", weiß Kuratorin Dr. Simone Neuhäuser. Mit Begeisterung in der Stimme erklärt sie, dass die Summe für die Restaurierung zu gleichen Teilen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Gemeinde der Trinitatiskirche zur Verfügung gestellt wurde. "Das ist ganz großartig", so Neuhäuser. Die Epitaphe würden auch nicht irgendeinen Platz in der Ausstellung in Branitz bekommen, sondern im Auftakt raum zu sehen sein.

Pfarrer Markus Herrbruck teilt die Vorfreude: "Wir waren zunächst ganz überrascht über die Wertschätzung. Aber so wird die Familie von Dieskau und was sie für Finsterwalde geleistet hat, endlich in einen anderen Kontext gestellt." Der Finsterwalder weist auf den interessanten Bezug auf dem Gemälde der Magdalena hin. Hier würden sich die Judith als Schutzpatronin des Schmalkaldischen Bundes und der enthauptete Holofernes wiederfinden.

Kuratorin Neuhäuser erklärt: "Die Niederlausitz war immer ein Zankapfel zwischen den Kurfürstentümern Brandenburg und Sachsen. Vor allem im 14. und 15. Jahrhundert gelangten einzelne Herrschaften in brandenburgischen oder sächsischen Besitz - zum Beispiel die Herrschaft Finsterwalde, die 1425 an die Wettiner ging. Sie wurde der Mark Meißen zugerechnet." In der Folge hätten die Wettiner die Herrschaft Finsterwalde belehnt beziehungsweise an ihre Vasallen verpfändet. 1533 erwarben sie die Herren von Dieskau, bevor die Herrschaft 1625 wieder in landesherrlichen Besitz überging - an Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen - und als sächsisches Amt verwaltet wurde.

Bevor die Gäste die Leihgaben aus Finsterwalde in Branitz sehen können, werden diese von Restaurator Dirk Jakob zunächst genau in Augenschein genommen, gereinigt und Schadstellen werden ausgebessert. Während er "für den Otto", der früher schon einmal restauriert worden war, etwa einen Tag veranschlagt, erfordert die Dame - das Epitaph der Magdalena - besondere Zuwendung. Etwa zwei Wochen lang wird der Restaurator diesem Gemälde neuen Glanz verleihen.

Die Ausstellung in Branitz ist Korrespondenzausstellung der Ersten Brandenburgischen Landesausstellung in Doberlug-Kirchhain.

Zum Thema:
"Herrschaftszeiten! Adel in der Niederlausitz" ist eine Ausstellung des Europäischen Parkverbundes Lausitz überschrieben, die vom 9. Mai bis 31. Oktober auf Schloss Branitz (Cottbus) zu sehen sein wird.Erstmals präsentiert eine deutsch-polnische Ausstellung die Geschichte der Adelslandschaft in der Niederlausitz.Die Epitaphe aus der Trinitatiskirche in Finsterwalde stehen für einen Typus von Gedenktafeln aus Holz, die Öl- beziehungsweise Tempera-Gemälde tragen. Sie haben einen Holzrahmen und sind mit Schrifttafeln versehen.Unter Otto I. von Dieskau wurde in Finsterwalde die Reformation eingeführt. Die Familie von Dieskau besaß seit 1533 das Schloss Finsterwalde. Das Epitaph der Magdalena von Dieskau zeigt die Adlige gemeinsam mit der alttestamentlichen Heldin Judith als tapfere Streiterin für den Glauben und das eigene Land.