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| 13:53 Uhr

„Die Offene Gesellschaft“ in Finsterwalde
„Offene Gesellschaft“ auch für Asylsuchende?

           Sozialbetreuerin Claudia Schmidt und Veit Klaue, Ehrenamtskoordinator der Erstaufnahmeeinrichtung, informieren über das Leben dort.
Sozialbetreuerin Claudia Schmidt und Veit Klaue, Ehrenamtskoordinator der Erstaufnahmeeinrichtung, informieren über das Leben dort. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Doberlug-Kirchhain/Finsterwalde. Ein realistischeres, kompletteres Bild vom Leben in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Doberlug-Kirchhain soll eine Diskussionsveranstaltung der „Offenen Gesellschaft in Bewegung“ am Sonntag vermitteln. Von Daniel Roßbach

Zum Programm des Wochenendes der „Offenen Gesellschaft“ in Finsterwalde gehört unter anderem eine Begegnung mit Mitarbeitern und Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Doberlug-Kirchhain.

Die Diskussion soll ein realistisches Bild vom Leben und der Arbeit in der Erstaufnahmestelle in die Gesellschaft tragen: „Es geht uns darum, Vorbehalte gegenüber so einer Einrichtung abzubauen“, sagt Veit Klaue, Ehrenamtskoordinator der Flüchtlingshilfe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am Standort Doberlug-Kirchhain. Das DRK betreibt das Wohnheim dort im Auftrag des Landes Brandenburg.

In der Bevölkerung herrsche ein verzerrtes Bild von Wohnheimen für Asylbewerber vor, sagt Klaue: „Wenn man etwas in den Medien darüber liest, sind das oft negative Dinge wie Schlägereien. Aber die guten Projekte, die Geschichten der Menschen hier und wie die Verhältnisse konkret sind, in denen sie leben, fehlen oft in der Wahrnehmung.“ Auch dass die Erstaufnahmeeinrichtung räumlich abseits des Ortes Doberlug-Kirchhain liegt, trägt dazu bei.

Um das zu ändern werden Klaue, Vertreter der Sozialberatung, die über die rechtlichen Verhältnisse und Sozialleistungen für Asylbewerber Auskunft geben können, und Bewohner des Heims an der Diskussionsveranstaltung teilnehmen und Fragen beantworten.

Doch schon an dem Versuch, geflüchtete Menschen selbst dabei über ihre eigene Situation zu Wort kommen zu lassen, zeigen sich auch die Herausforderungen in deren Lage: „Natürlich ist es hilfreich, wenn Bewohner, die dort auftreten, recht gut Deutsch sprechen. Nun ist es aber so, dass Bewohner, mit denen wir besprochen hatten, das zu übernehmen, kurzfristig in eine andere Unterkunft geschickt wurden.“

Zu den Realitäten, die Claudia Schmidt, Teamleiterin der Sozialbetreuung am DRK-Standort Doberlug-Kirchhain der Öffentlichkeit erschließen möchte, gehört auch „dass viele Leute hier Deutsch lernen wollen und sich wirklich bemühen. Dass sie arbeiten wollen, aber nicht dürfen, weil das ausländerrechtlich nicht gestattet ist, solange man in der Erstaufnahmestelle lebt. Und dass es wirklich schwierig ist, sich hier, quasi abseits der Zivilisation, 24 Stunden am Tag zu beschäftigen. Oder sich auf engem Raum mit Nachbarn, die man sich nicht aussuchen kann und die oft wechseln, zu arrangieren.“

Bei den Veranstaltungen der Initiative „Offene Gesellschaft“ geht es wesentlich darum, wie soziales Zusammenleben gestaltet werden kann, sodass Menschen ihre Potenziale verwirklichen können und Gesellschaft funktioniert. Geflüchtete sind dabei oft außen vor, weil sie weder selbst im sozialen Diskurs vorkommen noch die Möglichkeit haben, ihr Leben zu gestalten: „Für die Menschen, die hier leben, ist sehr viel vorgeschrieben. Schon wann es Essen gibt. Da ist teilweise sehr wenig selbstbestimmt“, sagt Claudia Schmidt. Die Veranstaltung am Sonntag um 15 Uhr in der Ausstellung am Markt soll eine Gelegenheit sein, in eine gesellschaftliche Diskussion zu kommen. Und ein Konzert mit „Musik aus aller Welt“ später am Sonntag (um 18 Uhr ebenfalls auf dem Markt) soll diese Potenziale zeigen.

             Sozialbetreuerin Claudia Schmidt und Veit Klaue, Ehrenamtskoordinator der Erstaufnahmeeinrichtung, informieren über das Leben dort.
Sozialbetreuerin Claudia Schmidt und Veit Klaue, Ehrenamtskoordinator der Erstaufnahmeeinrichtung, informieren über das Leben dort. FOTO: LR / Daniel Roßbach