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| 18:57 Uhr

Offene Ateliers in Elbe-Elster
Spiegelnde Ansichten und eleganter Spitzenfilz

 Klaus-Joachim Albert (Mitte) mit Besuchern in seiner gelungenen Ausstellung mit Stahlskulpturen bei Böckellmanns in Altenau.
Klaus-Joachim Albert (Mitte) mit Besuchern in seiner gelungenen Ausstellung mit Stahlskulpturen bei Böckellmanns in Altenau. FOTO: Jürgen Weser
Elbe-Elster. Ein Dutzend offene Ateliers im Elbe-Elster-Land laden Besucher zum Anschauen, Mitmachen und ins Gespräch kommen ein. Von Jürgen Weser

Am Wochenende hatten Kunstinteressierte bei den Tagen der offenen Ateliers wieder viele Möglichkeiten zum Konsumieren von Kunst, zum selbst Gestalten und zu Gesprächen mit Kunstschaffenden. Auch im Elbe-Elster-Kreis hatten ein Dutzend Ateliers ihre Türen weit geöffnet. Die RUNDSCHAU hat bei einigen vorbeigeschaut. Das kühle Wetter und die unterschiedlichen Angebote hatten wohl diesmal für unterschiedlichen Publikumszuspruch gesorgt. Vieles war bereits unter dem Blickwinkel der 12. Ausstellung der bildenden Künstler des Landkreises und Gästen aus Sachsen und den Partnerkreisen vorbereitet.

„Zwischen Eco und Idee“ nannte Stephanie Pfeiffer, die auch als Dekorationsmalerin an der Neuen Bühne arbeitet, ihre Performance, mit der sie zu den „Tagen des offenen Ateliers“ das Publikum in ihr Inneres beim Schaffensprozess schauen ließ. Durch zwei Fenster war Zuschauen bei der Arbeit an dem großformatigen Bild gewünscht. Immer wieder gab es mit dem Spachtel Farbe aufzutragen und Details zu verändern. Dabei konnte der aufmerksame Beobachter gedanklich mitgestalten. Bereits am Sonnabend konnte sie sich in ihrem Gröbitzer Atelier über zahlreiche Besucher freuen.

 Stephanie Pfeiffer während ihrer Performance im Gröbitzer Atelier.
Stephanie Pfeiffer während ihrer Performance im Gröbitzer Atelier. FOTO: Jürgen Weser

Erstmals im Elbe-Elster-Kreis präsentierte Lutz Lehmann Arbeiten. In der Galerie „Grenouille“ herrschte am Samstagabend zur Eröffnung großer Andrang. Dabei gewährte der in der Szene bekannte und anerkannte Finsterwalder Tätowierer in der Galerie „Grenouille“ nicht Einblicke in seine eigentliche Profession, sondern zeigte sich auch am Sonntag zum Tag des offenen Ateliers als Fotograf. Mit seinen ungewöhnlichen Motiven und Formaten will er auf den „Niedergang und Verfall“ als einen Teil des Lebens aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen. Die Ausstellung ist über die Sommermonate zu sehen. Öffnung nach Absprache.

Auf den Atelierhof Werenzhain kommen große Herausforderungen zu. Bereits am 19. Mai steigt die Eröffnung zur Elbe-Elster-Kunstausstellung „Wanderungen“ mit 22 Austellern. Der Start am 1. Mai ins Ausstellungsjahr und die Präsentationen zum Tag des offenen Ateliers zeigten: Der Atelierhofverein um Iris Stöber, Maysun Kellow und Ursula Bierther ist bestens vorbereitet. So zeigten sich vielfältige Aktivitäten am Tag des offenen Ateliers. Dazu gehörten die Ausstellungen von Iris Stöber und Ursula Bierther in den eigentlichen Ausstellungsräumen und die Schau Textilkunst von Sabine Reicher-Kassube in einem der ehemaligen Stallgebäude des Vierseitenhofes. Besucher konnten sich beim Kartoffeldruck ausprobieren oder beim Filzen.

 Filigraner Spitzenfilz ist im Atelierhof Werenzhain von Sabine Reichert-Kassube zu sehen.
Filigraner Spitzenfilz ist im Atelierhof Werenzhain von Sabine Reichert-Kassube zu sehen. FOTO: Jürgen Weser

Wie in jedem Jahr hatte sich Ararat Haydeyan an seinem Saathainer Atelier etwas Besonderes ausgedacht. Aus einfachen, aber geschickt gestellten Spiegelstreifen war eine Installation zur verblüffenden Selbstbetrachtung mit verschiedenen Spiegelungen der Kirche im Hintergrund von bedeutend bis verschwindend entstanden. Auch wie in jedem Jahr wurden die Besucher mit kleinen armenischen Köstlichkeiten der Familie Haydeyan verwöhnt.

 Der dreifache Künstler: Ararat Haydeyan freut sich in Saathain über seine gelungene Glas-Spiegelung-Installation, die auch zur Elbe-Elster-Kunstausstellung im Werenzhainer Atelierhof ihren Platz finden soll.
Der dreifache Künstler: Ararat Haydeyan freut sich in Saathain über seine gelungene Glas-Spiegelung-Installation, die auch zur Elbe-Elster-Kunstausstellung im Werenzhainer Atelierhof ihren Platz finden soll. FOTO: Jürgen Weser

Für einen stimmungsvollen Atelierbesuch hatte Harald Schneider in Staupitz gesorgt. Seine Gemälde, vielfältige Bilder von Reisen und vor allem seine Spezialität, die Holzskulpturen, bei denen er einen sehr guten Blick beweist, um aus dem vorgegebenen Naturmaterial künstlerische Objekte zu gestalten, fanden Anklang bei den zahlreichen Besuchern. Vor dieser Kulisse verbreitete die Gruppe „Jumbled“ mit ihrer Musik beste Stimmung.

Großen Besucheransturm gab es im Atelier von E.R.N.A. und Paul Böckelmann in Altenau. Zur Ausstellung mit Stahlskulpturen und Papierarbeiten des Schweriner Metallgestalters Klaus J. Albert. Zahlreiche Kunstinteressierte, Berufskollegen und Freunde aus dem gesamten Elbe-Elster-Kreis, aus Sachsen und aus Mecklenburg-Vorpommern wollten sich diese exzellente Schau im Altenauer Kunstrefugium nicht entgehen lassen. Seit Jahren gehört Alberts zu den erfolgreichsten nationalen Vertretern der so genannten „Konkreten Kunst“. 1943 in Dresden geboren, hat der gelernte Elektromaschinenbauer Albert in Heiligendamm Innenarchitektur und danach auf Burg Giebichenstein bei Halle (Saale) Metallgestaltung studiert. Mit Paul Böckelmann verbindet ihn eine lange Freundschaft.

Silbrig glänzende, sich windende, aufsteigende und kriechende Körper aus Edelstahl aus den Werkgruppen Bögen, Faltungen und Kreis-Dreieck demonstrierten Perfektion künstlerischer Arbeit ohne einen Makel. Im Kontext dazu bieten die Skulpturen in Rot und Schwarz eine andere Erlebnismöglichkeit. Dazu verblüfften zahlreiche kleinere skulpturale Papierarbeiten die Besucher.

Paul Böckelmann versuchte im Disput mit Cornelia Schlahse und Burkhard Schlahse auszuloten, was den Betrachter an der Kunst des in Schwerin lebenden Künstlers neben der haptischen Wirkung und asketischer Vielfalt berührt. Die „in Szene gesetzte Geometrie“ bringe mit handwerklichem Geschick die Werke zum Klingen, so Böckelmann. Dazu passte die ebenfalls asketische und konkret auf den Punkt gebrachte Schlagzeug-Klang-Performance von Hannes Lingens.

Nicht minder interessant – nur kleiner – waren die Exponate, die Jutta Albert mitgebracht hatte. Im Jahr 2013 schon einmal in Altenau mit einer Auswahl ihrer Porzellankunst vertreten, lockte die Künstlerin am vergangenen Wochenende besonders weibliche Besucher mit ihren besonderen, aber gut tragbaren Schmuckarbeiten.