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| 17:00 Uhr

Schulnote 1,9
ÖPNV wird in Elbe-Elster immer beliebter

 Etwa 77 Prozent der 11 000 Fahrgäste am Tag sind Schüler. Das Verkehrsmanagement Elbe-Elster fährt 51 Schulen und Ausbildungsstätte im ganzen Landkreis an. Die rechte Grafik zeigt, dass die Zahl der Fahrgäste steigt, obwohl die Einwohnerzahl gleich bleibt.
Etwa 77 Prozent der 11 000 Fahrgäste am Tag sind Schüler. Das Verkehrsmanagement Elbe-Elster fährt 51 Schulen und Ausbildungsstätte im ganzen Landkreis an. Die rechte Grafik zeigt, dass die Zahl der Fahrgäste steigt, obwohl die Einwohnerzahl gleich bleibt. FOTO: Verkehrsmanagement Elbe-Elster
Finsterwalde . Im Rest des Landes ist man unzufrieden mit dem Busangebot. Hier allerdings halten sich die Probleme in Grenzen. Von Josephine Japke

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) auf dem Land ist schlecht, sagt eine Studie. 32 Prozent der täglichen Nutzer in ländlichen Regionen seien demnach unzufrieden mit dem Angebot. Fast anderthalb Stunden am Tag seien wir für die Arbeit, den Arztbesuch oder den Einkauf unterwegs und nutzen nur für fünf Prozent der Wege den Bus. Damit können Verkehrsbetriebe doch nicht zufrieden sein, oder? „Ich kann die Zahlen nicht bestätigen. Unser Betrieb läuft weit besser, als in der Studie dargestellt wird“, sagt Holger Dehnert, Chef vom Verkehrsmanagement Elbe-Elster.

In eigenen, jährlich stattfindenden Fahrgastbefragungen, an denen jeweils etwa 300 Personen teilnahmen, zeichnet sich ein weitaus besseres Bild ab, als die Mobilitätsstudie aus dem Jahr 2017 erahnen lässt. Durchschnittlich würden Nutzer des ÖPNV in Elbe-Elster dem Bus-Unternehmen eine 1,9 als Schulnote geben. Zwölf Bereiche wurden in den vergangenen drei Jahren in der Befragung abgefragt. Am schlechtesten schnitt dabei „Informationen an Haltestellen“ ab und bekam „nur“ eine 2,2. „Vor etwa fünf Jahren hat auch ein externer Gutachter bescheinigt, dass für ländliche Regionen der ÖPNV in Elbe-Elster sehr gut ist“, bestätigt Peter Hans, Erster Beigeordneter des Landkreises Elbe-Elster.

 Fahrgastbefragung zur Kundenzufriedenheit 2016-2018
Fahrgastbefragung zur Kundenzufriedenheit 2016-2018 FOTO: Verkehrsmanagement Elbe-Elster / Bearbeitung: Janetzko/lr

Vor Herausforderungen steht das Verkehrsmanagement Elbe-Elster trotzdem. „Entwicklungspotenzial sehen wir in der Vernetzung. Vor allem mit der Eisenbahn wollen wir noch besser zusammenarbeiten“, erklärt Holger Dehnert. Wenn die Abstimmung zwischen Bus und Bahn stimmt, könnten mehr Fahrgäste gewonnen werden. Doch noch sei die Angst vor Verspätungen und verpassten Anschlüssen zu groß. „Auch daran wollen wir arbeiten, an der telematischen Vernetzung“, sagt er weiter und meint eine App fürs Smartphone, die Kommunikation mit dem ÖPNV zulässt. Bereitschaftsbusse könnten so leichter gerufen und Fahrplan-Änderungen und Anschlussmöglichkeiten besser kommuniziert werden. „Vieles davon steht und fällt aber mit der Mobilfunkversorgung. Und die ist in Brandenburg schlecht, das muss man zugeben“, ärgert sich Holger Dehnert.

 Entwicklung in den Jahren 2013 bis 2018 von Fahrplanangebot, Bevölkerung, Fahrgästen
Entwicklung in den Jahren 2013 bis 2018 von Fahrplanangebot, Bevölkerung, Fahrgästen FOTO: Verkehrsmanagement Elbe-Elster / Bearbeitung: Janetzko/lr

Größter Konkurrent für Bus und Bahn ist und bleibt das Auto. 43 Millionen Pkw sind derzeit in Deutschland gemeldet. Nur zehn Prozent der Haushalte in ländlichen Regionen besitzen kein eigenes Auto. 70 Prozent der Wege auf dem Land werden auf den eigenen vier Rädern zurückgelegt. Einen Führerschein zu machen hat deshalb gerade hier hohe Bedeutung. „Die eigene Fahrerlaubnis, das bedeutet immer noch Freiheit“, sagt auch Fahrlehrer Dirk Naupold aus Finsterwalde. Seit ein paar Jahren steigen die Fahrschülerzahlen wieder an, die Arbeitsbelastung für die Lehrer nimmt zu. Im letzten Jahr gab es sogar einen Aufnahmestopp, erklärt er.

„Den Führerschein kann man immer gut gebrauchen. Nicht nur für die Freizeit, sondern auch für die Arbeit“, erklärt die 16-jährige Lisa aus Finsterwalde, die gerade Theoriestunden nimmt. Die Jugendlichen sagen, dass sie mit dem ÖPNV-Angebot zufrieden sind, weil man schnell überall hinfahren könne, auch nach Berlin und Dresden. „Die Busverbindungen sind gut. Die Fahrt dauert nicht lange und meistens kommt der Bus pünktlich. Ich fahre gerne mit dem Bus“, sagt auch Lisa aus Lindthal.

Etwa 11 000 Fahrgäste am Tag befördert die Verkehrsmanagement Elbe-Elster GmbH täglich. 77 Prozent davon sind Schüler. „Der Schülerverkehr hat für uns eine besondere Bedeutung. Ihn zu erfüllen, ist Hauptbestandteil unseres Versorgungsauftrages“, sagt Holger Dehnert. Guter ÖPNV, da sind sich Dehnert und Hans sicher, sei nicht zuletzt ein wichtiges Kriterium der Lebensqualität. Umso zufriedener sind beide mit dem beinahe flächendeckenden Angebot in Elbe-Elster.

„Noch sind wir ein Land, das auf den Individualverkehr setzt. Doch das wird sich mit Blick auf den Klimawandel ändern“, meint Peter Hans und Dehnert fügt hinzu: „Hinzu kommen Kostengründe, denn der Benzinpreis wird wegen der Ressourcenknappheit weiter steigen. Der ÖPNV wird in ein paar Jahren eine größere Rolle spielen als heute. Wir blicken in eine optimistische Zukunft.“