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Eklat bei den Stadtverordneten
Nun doch: Frühlingsfest fällt aus

Die Frühlingsfeste in Doberlug-KIrchhain haben seit 27 Jahren ihren Charme, weil sie einheimischen Akteuren, wie hier dem Musikzug, Auftrittschancen bieten.
Die Frühlingsfeste in Doberlug-KIrchhain haben seit 27 Jahren ihren Charme, weil sie einheimischen Akteuren, wie hier dem Musikzug, Auftrittschancen bieten. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. In Doberlug-Kirchhain ist der letzte und einzige Bewerber für die Ausrichtung in diesem Jahr am Dienstagabend abgesprungen. Auch Rock am Schloss wird nicht stattfinden. Von Heike Lehmann

Nach langem Hin und Her um das Frühlingsfest steht jetzt fest: 2018 wird es kein Fest geben. Die Diskussion darum schaukelte sich am Mittwoch in der Sitzung der Stadtverordneten hoch bis hin zu persönlichen Auseinandersetzungen.

Die Stadtverordneten sollten das Fest für 2018 an einen Betreiber vergeben. Doch die H & M Eventwerk GbR und Catering, die sich auf die wiederholte Ausschreibung beworben hatte, hatte am Abend zuvor um 21.15 Uhr per E-Mail wissen lassen, dass man von der Bewerbung zurücktrete. Fachbereichsleiter Fred Richter: „Wir haben Kontakt gesucht, Gründe hinterfragt und um Umkehr gebeten.“ Die Stadtverordneten mussten zur Kenntnis nehmen, dass sich zwar alle ein Frühlingsfest für die Einwohner wünschen, aber es niemanden gibt, der es bis zum zweiten Mai-Wochenende noch organisieren kann.

Als Begründung für seinen Rückzug hat Matthias Mahlo von H & M Eventwerk angeführt, dass „die Äußerung von der Begünstigung nicht der Wahrheit“ entspricht. Diesen Eindruck hatte Gert Fest (WBU-LUN) im Haupt- und Finanzausschuss formuliert. Der Unternehmer schreibt jetzt, er werde daraufhin angesprochen. Er vermute Auswirkungen auf das Sponsorenverhalten.

Drei Jahre haben die H+M Eventwerk GbR und der Catering und Veranstaltungsservice Stefan Fischer als Vertragspartner das jährliche Frühlingsfest organisiert – von 2014 bis 2016. Mit viel Engagement haben Stefan Fischer und Matthias Mahlo versucht, dem Traditionsfest wieder mehr Schwung zu verleihen. Im September 2016 zogen sie die Reißleine, weil sie an ihre finanziellen Grenzen stießen. Mit einem Zuschuss aus der Stadtkasse haben sie 2017 noch einmal ein Festwochenende auf die Beine gestellt. Seitdem wird um das Frühlingsfest diskutiert und diskutiert. Um Ausschreibungsinhalte, die Höhe der finanziellen Zuschüsse, um Betreiberkonzepte. Der Stadtverwaltung wurde, insbesondere von CDU-Fraktionschef Thomas Boxhorn, unprofessionelle Arbeit vorgeworfen. Sowohl die Verwaltung als auch die Abgeordneten bemühten mehrfach die Kommunalaufsicht.

Eine schwierige Situation für die Abgeordneten. Frank Neczkiewicz (WBU-LUN), der als stellvertretender Stadtverordnetenvorsitzender die Sitzung leitete, konstatierte: „Die Ausschreibungen sind nicht optimal gelaufen, weder von der Art und Weise noch von den Bewerbungen her. Wenn wir keinen Bewerber mehr haben, müssen wir den Punkt von der Tagesordnung nehmen. Für eine neue Ausschreibung sei die Zeit zu knapp, waren sich Verwaltung und Stadtverordnete einig. Torsten Drescher (SPD/FDP) wollte beschließen, „dass das Fest dieses Jahr ausfällt“. Am Ende wurde die Beschlussvorlage mangels Grundlage zurückgezogen. Jetzt müsse man 2019 gut vorbereiten, dann bleibe man glaubwürdig, lenkte Klaus Rippe (WBU-LUN) den Blick nach vorn.

Für Torsten Drescher war das Thema nicht vom Tisch. Er forderte, dem Abgeordneten Gert Fest eine Rüge auszusprechen, für dessen „Darstellung, die dem normalen Bürger suggeriert, wir würden hier falsch arbeiten“. Das habe dem Unternehmer und dem Ruf der Stadt geschadet „und ich fühle mich persönlich beleidigt“, so Drescher, der dem Abgeordnetenkollegen sogar riet, darüber nachzudenken, sein Mandat niederzulegen. Fest berief sich auf das Recht der freien Meinungsäußerung, sah sich bestärkt und erklärte: „Getroffene Hunde bellen.“ Klaus Rippe sprang ihm bei und bekräftigte, dass die Diskussion um die Frühlingsfestvergabe auch für ihn „ein gewisses Geschmäckle“ hatte. Zur Rüge kam es nicht.

Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP) verwies darauf, dass es in 27 Jahren erstmals kein Frühlingsfest geben wird. „Sogar bei schwieriger Haushaltssituation haben wir uns das Fest geleistet“, sagte er. Er mahnte, an dieser Stelle an der Qualität zu sparen, sollte man sich gut überlegen.

Einen letzten Vorstoß wagte Frank Eichstädt (CDU): „Das Frühlingsfest känzeln und Rock am Schloss – können wir uns das leisten?“ Dass für die Open-air-Veranstaltung wegen des noch nicht beschlossenen städtischen Haushaltes bislang keine Bands angefragt wurden, hatte der Bürgermeister zuvor verkündet. Nach der Diskussion im Herbst um einen Fehlbetrag von etwa 12 000 Euro bei der vierten Auflage, habe die Verwaltung vergeblich auf Signale aus den Fraktionen gewartet. Thomas Boxhorn sieht hier allein beim Bürgermeister Versäumnisse.