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Neustart: Aktionsbündnis für Toleranz

Finsterwalde. Das "Finsterwalder Aktionsbündnis für Menschlichkeit und Toleranz – Demokratie stärken" will die Arbeit wieder aktivieren. Das machte eine erste Beratung nach längerer Pause von Bürgern der Stadt und Vertretern demokratischer Einrichtungen, von Vereinen, Verbänden und der Kirche deutlich. jgw1

Nach einem brutalen Überfall Rechtsextremer auf eine linke Wohngemeinschaft hatte sich das Bündnis vor fast zehn Jahren gegründet und unter Federführung von Hannelore Elmer agiert. Mit Demonstrationen, Info-Veranstaltungen und Aufklärungsarbeit in Schulen und Einrichtungen trat das Bündnis demokratiefeindlichen Bestrebungen entgegen.

Unmittelbarer Anlass zur Wiederbelebung der Aktivitäten ist jetzt die für kommenden Donnerstag angemeldete Kundgebung der AfD auf dem Finsterwalder Marktplatz. Allerdings, so waren sich die zwanzig Teilnehmer beim Neustart einig, soll in der Arbeit das "Für Menschlichkeit und Toleranz" im Vordergrund stehen. "Für" heiße aber auch gegen Extremismus jeder Art zu sein, betonten die Gesprächsteilnehmer um die Organisatoren Alexander Piske und Max Siegert. Allerdings machten der Vortrag durch Susanne Kschenka vom Mobilen Beratungsteam Cottbus und Erfahrungen von Teilnehmern der Beratung deutlich, dass zur Zeit vor allem populistisches Gedankengut die Mitte der Gesellschaft erreiche. Dafür sorge auch die AfD.

Deshalb möchte das Bündnis mit Bürgern die AfD-Kundgebung nutzen, um eigene Meinungen zu verdeutlichen und fragwürdiges Gedankengut zu hinterfragen. Friedliche Ideen und Aktionen seien gefragt und wurden im Bündnis besprochen. Gleichzeitig warnt das Aktionsbündnis vor Gewalt, "denn das würde der AfD in die Hände spielen". Rechte Tendenzen würden versucht von Außen in die Stadt zu tragen, meint Bürgermeister Jörg Gampe (CDU). So kämen die Anmelder der AfD-Kundgebung aus Elsterwerda. Mit einer offensiven und offenen Willkommenskultur von Stadt und zahlreichen Initiativen sei die Flüchtlingsproblematik in Finsterwalde positiv bewältigt worden. Auf diese Weise wolle man jetzt auch den Demokratie in Frage stellenden politischen Bestrebungen selbstbewusst im zivilgesellschaftlichen Zusammenschluss entgegentreten, machte die Beratung deutlich. Man wolle frei von parteipolitischen und sonstigen partikularen Interessen handeln, so die Teilnehmer.

Das Aktionsbündnis will sich mit Veranstaltungen und Aktivitäten gegen völkisches Gedankengut jeder Art, gegen Rechtspopulismus, aber auch gegen Erscheinungen von Linksextremismus positionieren, aufklären, informieren und mit möglichst vielen Bürgern ins Gespräch kommen. "Finsterwalde als demokratische, bunte und weltoffene Stadt erhalten", sei das Ziel, so Alexander Piske. Mitstreiter sind gern gesehen.