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Neue Straße versperrt Datschen-Grundstücke

Norbert Metelka vor seinem Grundstück – das er über die Straße mit der neuen Stützmauer nicht mehr erreichen kann.
Norbert Metelka vor seinem Grundstück – das er über die Straße mit der neuen Stützmauer nicht mehr erreichen kann. FOTO: Dieter Babbe/dbe1
Doberlug-Kirchhain/Schönborn. Norbert Metelkas Garage und der glatte Weg für seine schwer kranke Frau im Rollstuhl sind von der Bahn abgeklemmt worden. Dieter Babbe / dbe1

Norbert Metelka ist ein Eisenbahnfan - aus Familientradition. Ur- und Großvater waren Bahnhofsvorsteher, sein Vater war Lokführer und er selbst Jahrzehnte bei den Eisenbahnpionieren der NVA in Doberlug-Kirchhain tätig. Doch was ihm die Deutsche Bahn jetzt zumutet, lässt das Herz des 82-Jährigen tatsächlich schneller schlagen - allerdings aus Ärger und Frust. Dass ihm die Bahn mal so nah auf die Pelle rückt, hätte er nicht gedacht.

Doch die Geschichte von vorn: Seit 1974 hat Norbert Metelka im Naherholungsgebiet Grube Erna bei Doberlug-Kirchhain einen kleinen Bungalow, wo er seitdem die meiste freie Zeit verbringt und wo er sich mit seiner Frau erholt. Dass der ebenerdige Bahnübergang ganz in der Nähe gesperrt und dafür eine Brücke gebaut wird, begrüßt der Eisenbahnfan. "Tempo 200 auf dieser Strecke macht Sinn", sagt Norbert Metelka - und rechnet vor: "Mit dem Flugzeug braucht man von Berlin-Mitte bis Prag insgesamt fast fünf Stunden, mit dem Zug kann man es in gut zwei Stunden schaffen. Die Bahn ist dann schneller als das Flugzeug."

Von Anfang an interessiert den Eisenbahnpionier Norbert Metelka, der in seinem langen Berufsleben selbst viele Brücken mit Soldaten gebaut hat, was am nahen Bahnübergang passiert. Er besucht seit vier Jahren alle Einwohnerversammlungen in der Region, informiert sich über die Planungen zum Brückenbau, fragt in den Versammlungen immer wieder auch bei den Fachleuten nach - und wusste am Ende genau, was unweit seines kleinen Bungalows entsteht.

Umso überraschter war Norbert Metelka während der Bauarbeiten, dass die von der Brücke kommende neue Straße nicht auf die vorhandene alte Straße mündet, sondern bis auf zwei Meter an seinen Grundstückszaun vorbei führt. Weil dazwischen noch eine betonierte Stützmauer errichtet wird, sind fünf Anlieger vom Naherholungsgebiet mit ihren Grundstücken von der neuen Straße abgeklemmt. Sie können ihre Einfahrten nicht mehr nutzen, Klärgruben sind für Entsorgungsfahrzeuge nicht mehr erreichbar, Norbert Metelka kann sein Auto nicht mehr in die Garage fahren. Ihn trifft es zudem besonders hart: Seine schwer kranke Frau kann nur mit dem Rollstuhl übers Grundstück und in das Häuschen gefahren werden - dafür hat er einen glatten Weg von der Zufahrt aus errichtet, die ist jetzt allerdings durch die neue Straße mit der Stützmauer versperrt."Die neue Straßenführung war so nicht geplant", ist sich Norbert Metelka sicher - und schüttelt nur mit dem Kopf: "Der Projektant hätte auf den ersten Blick sehen müssen, dass hier Grundstückseinfahrten sind, die von den Anliegern genutzt werden müssen." Norbert Metelka wandte sich mit seinen Sorgen an den Schönborner Amtsdirektor - und der lud dieser Tage Verantwortliche von der Deutschen Bahn AG auf die Baustelle an der Grube Erna ein.

"Hier ist offensichtlich etwas schief gelaufen", erklärt nach der Vor-Ort-Runde mit den Anliegern Projektingenieur Uwe Kronbügel gegenüber der RUNDSCHAU. Ob und warum ursprüngliche Pläne vom Trassenverlauf der Straße noch einmal und zum Nachteil der Anlieger verändert wurden, will der Verantwortliche jetzt prüfen. Fest steht für Kronbügel schon mal: "Die Kritik der Betroffenen ist berechtigt." Obwohl die neue Straße nicht mehr weggerissen wird, "wollen wir einvernehmliche Lösungen für die Anlieger finden, dazu werden wir mit jedem Einzelnen sprechen", versichert Kronbügel.

Dass in seinem Fall der Garagencontainer einfach umgesetzt wird, wie vor Ort spontan vorgeschlagen, damit will sich Norbert Metelka allerdings nicht zufrieden geben. "Ich habe eine ordentliche Baugenehmigung und für die auch bezahlt", sagt er und fordert eine Entschädigung, mit der er einen neuen Carport fürs Auto und einen völlig neuen barrierefreien Zugang für seine Frau auf dem Grundstück errichten kann.

Auch das will der Bahn-Verantwortliche Uwe Kronbügel jetzt prüfen. In wenigen Wochen sollen Norbert Metelka und die anderen Datschenbesitzer von der Deutschen Bahn Bescheid bekommen. Die RUNDSCHAU bleibt an der Sache dran.