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Ausbau Bahnstrecke Berlin-Dresden
Das Omega von Rückersdorf

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Ausbau der Bahnstrecke Berlin FOTO:
Rückersdorf. Die letzten zwei Brücken auf dem Ausbaustück der Bahnstrecke Berlin-Dresden sind fertig. Jetzt noch Restarbeiten. Von Frank Claus

Geschafft! Die letzten zwei Brücken in Rückersdorf-Süd und Bad Erna sind befahrbar. Damit sind alle 18 Bahnübergänge, die im Ausbauabschnitt der Strecke Berlin-Dresden zwischen Wünsdorf und Hohenleipisch im Zuge des Streckenausbaus auf Tempo 200 geschlossen werden müssen, entweder durch Brücken oder Unterführungen ersetzt. Vorausgesetzt, die gegenwärtig laufende Abnahme des Gleis-Streckennetzes samt nötiger Nebenanlagen und Einrichtungen führt zu keinen Beanstandungen, wird der Zugverkehr ab dem 10. Dezember nach mehr als einem Jahr Sperrung wieder aufgenommen.

  Um 12.50 Uhr ist am Donnerstag zuerst ein Pkw und dann ein Traktor über das neue, imposante Bauwerk in Rückersdorf gerollt. Wegen seiner Ausführung erhält es schnell den Namen „Omega“.

Baubeginn war im Juni 2016. Rund 4,6 Millionen Euro kostet nach Angaben der Bahn der Ersatz des Bahnübergangs in Rückersdorf-Süd. Im benachbarten Bad Erna wurden rund 3,1 Millionen Euro investiert. Für die Brücke in Rückersdorf teilen sich die beiden Straßenbaulastträger, der Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg, für die Straße L622, und die Gemeinde Rückersdorf, vertreten durch das Amt Elsterland, für den Gehweg, ein Kostendrittel. Die beiden anderen Drittel tragen Bund und Bahn. Für die Brücke in Bad Erna tragen der Bund, die Bahn und die Gemeinde Rückersdorf, vertreten durch das Amt Elsterland, jeweils ein Drittel der Erstellungskosten. Das Land Brandenburg fördert für beide Kreuzungsmaßnahmen den Anteil des kommunalen Straßenbaulastträgers zu 90 Prozent.

Wie Michael Blume, Projektleiter im Baulos Süd der DB Netz AG, vor 85 Gästen – so viele waren es bei einer der acht Brückenübergaben im Landkreis Elbe-Elster noch nicht – genau in der Mitte des Bauwerkes vorm offiziellen Banddurchschnitt erklärt, sei die Brücke in Rückersdorf samt Straßenanbindung ein sehr anspruchsvolles Bauwerk gewesen. Dabei ist die Spannweite von 18,40 und die Höhe von 6,20 Metern im Grunde genommen nichts Besonderes. Aber der Neubau mitten im Ort mit beschränkt zur Verfügung stehendem Platz habe doch einige Herausforderungen mit sich gebracht. In diesem Zusammenhang gebe es auch noch Auseinandersetzungen mit Grundstückseigentümern, „die wir aber lösen wollen“, so Michael Blume. Der Fall der nahen Straßenführung am Gebrauchtmöbel-Geschäft von Mandy Pinkawa hat für besonderes Aufsehen gesorgt. „Ich hoffe, dass bis zur Streckenfreigabe eine Lösung gefunden wird“, meint die Gewerbetreibende am Donnerstag.

Rekord: 85 Interessierte! So viele wie in Rückersdorf waren es bei einer Brückenübergabe an der Strecke Berlin-Dresden noch nicht.
Rekord: 85 Interessierte! So viele wie in Rückersdorf waren es bei einer Brückenübergabe an der Strecke Berlin-Dresden noch nicht. FOTO: Frank Claus / LR

Eine Problembaustelle sei Rückersdorf für ihn dennoch nicht, sagt Michael Blume, wenngleich er wisse, dass in Rückersdorf – die Gemeinde muss allein drei neue Brückenbauwerke verkraften – die Sinnhaftigkeit des Streckenausbaus auf Tempo 200 von Beginn an hinterfragt worden sei.

  Für Rückersdorfs Ortsbürgermeister Lothar Belger bedeutet die neue Brücke zuallererst eine Umstellung. „Klar müssen wir uns erst daran gewöhnen, dass wir jetzt, um von der einen Seite des Ortes auf die andere zu kommen, über eine Brücke müssen.“ Ob dafür mehr Zeit als bisher benötigt wird, das werden die Bürger selbst sehr schnell herausbekommen. Zwar stehen sie fortan nicht mehr an geschlossenen Schranken, müssen aber dennoch einen ziemlichen Höhenunterschied und immerhin 520 Meter unter die Füße beziehungsweise Räder nehmen. Die Gemeinde sei nun bei der Gehwegsicherung, also auch beim Winterdienst, in der Pflicht.

Wegen der Steigung sind auf dem Fußweg sogenannte „Ruhepodeste“ eingebaut. Das sind Bereiche, in denen Rollstuhlfahrer oder Nutzer, die ihr Fahrrad schieben, verpusten können. Kinder bis acht Jahre müssen ohnehin auf dem Gehweg fahren, seit einem Jahr dürfen Rad fahrende Kinder unter acht Jahren auf dem Gehweg von einer Aufsichtsperson begleitet werden. Die übrigen Radler nutzen die Straße, die samt Brücke auf 30 km/h begrenzt ist. Das habe unter anderem mit dem Ausbaugrad zu tun, der begrenzte Sicht gewährleiste, so Torsten Mattuschka vom Landesbetrieb Straßenwesen. Am Gehweg werde momentan ein provisorisches Geländer installiert. Das neue werde jetzt eingemessen und soll im Frühjahr aufgebaut werden. Da an den Nebenanlagen der Brücke noch jede Menge Arbeit nötig ist, bleibt die Straße bis zum 2. Dezember vorerst nur einspurig unter Ampelregelung befahrbar. Fußgänger erhalten solange noch einen provisorischen Übergang über den alten Bahnübergang.

Zeitgleich ist seit Donnerstag nun auch die 14 Meter lange Brücke in Bad Erna, für die eine 345 Meter lange neue Straße gebaut werden musste, in Betrieb. Ab 3. Dezember finden auf dem Ausbaustück zwischen Wünsdorf und Hohenleipisch Testfahrten statt. Die Fahrleitungen stehen bereits unter Strom. Großer Bahnhof für die Gesamtfreigabe ist am 5. Dezember (siehe Infokasten).

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