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| 20:00 Uhr

Generationswechsel
Neue Frau fürs Sonnewalder Geld

Die scheidende Kämmerin Rosemarie Klingel (l.) und ihre Nachfolgerin Simone Domehl.
Die scheidende Kämmerin Rosemarie Klingel (l.) und ihre Nachfolgerin Simone Domehl. FOTO: Heike Lehmann
Sonnewalde . Die langjährige Kämmerin Rosemarie Klingel wurde in den Vorruhestand verabschiedet. Von Heike Lehmann

Seit September 1986 hat Rosemarie Klingel in der Stadtverwaltung Sonnewalde gearbeitet. Zunächst in der Stadtkasse, seit 2004 füllte sie den verantwortungsvollen Posten als Kämmerin aus. Sie hat eine Zeitenwende und eine Kommunalreform mitgemacht, mehrere Bürgermeister erlebt und schließlich auch verschiedene Haushaltssysteme beherrschen müssen. Jetzt wurde sie im Rathaus ganz offiziell in den Vorruhestand verabschiedet. Allerdings nicht ohne ihre Nachfolgerin Simone Domehl eingearbeitet zu haben.

Rosemarie Klingel hat zu DDR-Zeiten den Beruf der Wirtschaftskauffrau bei Kjellberg gelernt. „Büroarbeit war immer mein Ding, ich habe gern mit Zahlen zu tun gehabt“, sagt sie. Dass allerdings jene in Sonnewalde über Jahre weit ins Minus gerutscht waren, machte die Sache nicht leicht und hatte vor allem nichts mit Rosemarie Klingel zu tun. „Rote Zahlen sind schwierig zu verwalten“, sagt die 62-Jährige kurz und knapp. Dauernd müsse man sich gegenüber der Kommunalaufsicht erklären, fügt sie an. Aber sie betont, dass Sonnewalde seinen Finanzstatus verbessert habe. „Wir können nur den Haushalt nicht ausgleichen.“ Woran das liegt? „An den ländlichen Strukturen zum einen. Wir haben immerhin 17 Ortsteile. Zum anderen an den immer geringeren Zuweisungen vom Land und wenn die Gewerbesteuer nicht wie geplant kommt, fehlt was.“

Für 2018 hat Sonnewalde einen Fehlbetrag von 370 000 Euro planungstechnisch nicht ausgleichen können. Altbeträge wurden abgebaut. „Als die Doppik 2011 eingeführt wurde, hatten wir noch einen Fehlbetrag von 3,2 Millionen Euro im Ergebnishaushalt – mit einer riesigen Umlage an den Abwasserverband, die uns dann aber vom Schuldenmanagement des Landes erlassen wurde, weil wir als ,nicht leistungsfähige’ Kommune eingestuft wurden. 2013 waren es dann nur noch 28 000 Euro Fehlbetrag. Und momentan haben wir auch einen positiven Kassenbestand.“

Rosemarie Klingel klingt zufrieden, wenn sie diese Entwicklung verdeutlicht. Sie hat viel dafür getan, „aber nie Arbeit mit nach Hause genommen“, wie sie versichert. „Zu Hause blieb dennoch viel liegen, wegen der anstrengenden Arbeit im Büro.“

Jetzt freut sich Rosemarie Klingel auf den neuen Lebensabschnitt, wie es immer so schön heißt. „Anfangs wird es sich wie Urlaub anfühlen“, meint die Sonnewalderin. Sie möchte natürlich verreisen, sich sportlich betätigen – Nordic Walking, Yoga und Wassergymnastik sind ihre Favoriten – und mehr Zeit für ihre beiden Enkel haben.

Simone Domehl, ihre Nachfolgerin im Amt, verkörpert eine neue Generation. Die 39-Jährige ist mit ihrer Familie – sie ist verheiratet und hat zwei Töchter – in Klein Mehßow zu Hause. Seit dem 1. Juli ist sie nun die Kämmerin von Sonnewalde, konnte andere Bewerber ausstechen. Sie hat von Rosemarie Klingel etliche Tipps mit auf den Weg bekommen. Welche, darüber legen beide ein geheimnisvolles Lächeln. Sie sagt aber: „Ich wusste um die Lage in Sonnewalde. Das ist eine große Herausforderung.“

Simone Domehl hat fast 20 Jahre Erfahrung im Bankwesen gesammelt. Als gelernte Bankbetriebswirtin und Bilanzbuchhalterin hat sie in Berlin, Bayern, Cottbus und im Spreewald gearbeitet.

Von ihr werden jetzt vor allem zügige Jahresabschlüsse erwartet. „Der von 2012 ist geprüft, der Rechenschaftsbericht liegt beim Wirtschaftsprüfer. Dann noch ein paar Stationen und der Beschluss der Stadtverordneten kann folgen.“ Auch die Ortsteile müsse sie noch im Einzelnen kennenlernen.

Nach Feierabend gibt’s dann genug Arbeit auf dem großen Hof. Ausreichend Zeit für die Töchter – auch die Jüngere wurde jetzt eingeschult – muss bleiben. „Dienstag und Donnerstag, an den langen Tagen im Amt, müssen die Omas und Opas helfen“, hofft die junge Frau auf genug Rückhalt in der Familie.