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Neue Energietrasse: Mitnetz investiert 40 Millionen Euro

Wenn das etwa 15 bis 17 Meter lange Rohr zur Aufnahme der Fundamente in den Boden getrieben wird, werden die Schläge genau dokumentiert.
Wenn das etwa 15 bis 17 Meter lange Rohr zur Aufnahme der Fundamente in den Boden getrieben wird, werden die Schläge genau dokumentiert. FOTO: Frank Claus
Finsterwalde. Im ersten Bauabschnitt zwischen Finsterwalde bis zur Autobahnabfahrt Freienhufen werden 64 Masten für eine neue 110-kV-Leitung gestellt. Frank Claus

Sie wird gegenwärtig ersetzt, wobei im ersten Bauabschnitt zwischen Finsterwalde und der Autobahnabfahrt Freienhufen bis Ende dieses Jahres insgesamt 64 neue Masten gesetzt werden müssen. Etwa 9,2 Millionen Euro wird der Ersatzneubau nur in diesem Abschnitt kosten. Inklusive aller Nebenanlagen wie Umspannwerke - das in Großräschen wird erweitert - und des Übergabepunktes zur 380-kV-Leitung bei Altdöbern kostet das Gesamtvorhaben 40 Millionen Euro. Es soll 2019 in Betrieb gehen.

Gebaut wird auf der alten Trasse, erklärt Mitnetz-Projektkoordinator Jürgen Truschkewitz. Das bedeutet, dass zunächst die in die Jahre gekommenen Masten demontiert und die Fundamente aus dem Boden gezogen werden mussten, beziehungsweise Letztere in einigen Fällen so getrennt wurden, dass verbleibende Betonreste im Boden spätere Arbeiten, zum Beispiel mit Tiefpflügen der Landwirtschaft, nicht behindern.

Die Arbeiten im 17,2 Kilometer langen Bauabschnitt gehen zügig voran. 21 der 64 Masten sind bereits "gestockt", wie die Fachleute das Aufstellen der wie Tannenbäume aussehenden Gittermasten mittels Kran nennen. Holger Dieterichs, Bauleiter der Bau ausführenden SAG GmbH, berichtet, dass sieben Masten bereits mit Leiterseilen versehen sind und die nächsten acht in der kommenden Woche folgen. Nicht nur die etwa 30 Meter hohen Mastgestänge sind in ihrer Konstruktion höher belastbar, vor allem die Seile können nun das 2,5-fache an Stromleistung übertragen (alt 470 Ampere, neu 1050 Ampere) und Seiltemperaturen bis zu 150 Grad Celsius standhalten.

Doch bevor ein Mast "gestockt" werden kann, sind viele Vorarbeiten nötig. Die Endmasten, so unter anderem der direkt vorm Umspannwerk Finsterwalde, erhalten stärker ausgeprägte Fundamente als die Tragmasten auf freier Strecke. Dort kommt der "Rammbär" zum Einsatz, ein Schlaghammer, der die jeweils 15 bis 17 Meter langen Stahlrohre, die später an allen vier Ecken des Mastes die Fundamente aufnehmen, in der Erde versenkt. Dabei werden die Schläge, die der schnaufende, hydraulisch angetriebene Hammer benötigt, exakt aufgezeichnet. Bei den letzten zehn Schlägen, die Experten sprechen von der "letzten Hitze", wird exakt dokumentiert, wie viele Zentimeter das Rohr bei jedem Schlag ins Erdreich rutscht. Das gibt Auskunft über den stabilen Sitz im Boden. Doch damit nicht genug: Nach einer Woche "Anbackzeit" - so wird die Phase genannt, in der das Erdreich das Rohr fest umschließt - werden mittels Zugbrücke mindestens fünf Prozent der Rohre auf sicheren Halt geprüft. Dazu werden am Rohr Klauen befestigt und Zugversuche getätigt.

Erst danach können Bewehrungen gestellt und das vormontierte Mastunterteil ausgerichtet und gesetzt werden. Um das eigentliche Fundament erhalten alle vier Mastecken noch einen Anfahrschutz, der verhindern soll, dass bei land- oder forstwirtschaftlichen Arbeiten das Mastgestänge beschädigt wird. Erst dann kann die Betonpumpe anrollen. Weil dies in teils unwegsamem Gelände passiert, sind bestimmte Wegeabschnitte mit Stahlplatten ausgelegt, um Schäden in der Natur zu verhindern und sichere Anfahrtwege zu garantieren. Überhaupt laufen alle Arbeiten unter naturschutzfachlicher Begleitung. Standorte mit ehemaligen Adlerhorsten erhalten wieder neue, einige Masten bekommen spezielle Farbgebungen, um zum Beispiel das Auerhuhn zu schützen.