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Neue Ausstellung weckt viele Emotionen

Der Heimatverein hat den "vergessenen Ort" Gohra liebevoll und mit viel Enthusiasmus gestaltet in die Gegenwart geholt.
Der Heimatverein hat den "vergessenen Ort" Gohra liebevoll und mit viel Enthusiasmus gestaltet in die Gegenwart geholt. FOTO: W. Bauer
Sallgast. Schon vor dem Sallgaster Schloss wurden die Blicke der vielen aus nah und fern angereisten Besucher zur Eröffnung der Ausstellung zur Geschichte des "verlorenen Ortes" Gohra/Bergheide von einem ansehnlichen Ausstellungsobjekt angezogen: ein Lkw mit Bergheider Vergangenheit – heute ein schmucker Oldtimer des Dollenchener Gastwirts Jörg Stuckatz. Seine wechselvolle Geschichte war auf einer angefügten Schautafel dokumentiert. pm/blu

Dann drängten sich die Besucher in den oberen Räumen des altehrwürdigen Schlosses. Es kamen weit mehr, als die Mitglieder des Heimatvereins erwartet hatten. Zur offiziellen Eröffnung am Samstag im Trauungssaal mussten noch zusätzliche Sitzgelegenheiten hineingestellt werden. Trotzdem fanden nicht alle Besucher Platz.

Nach dem musikalischen Auftakt durch die Sängerin und Violinistin Erika Fazekas und der Begrüßung durch Bürgermeister Frank Tischer führte Vereinsvorsitzender Wolfgang Bauer in seinem Einführungsvortrag die Besucher hinein in die Gohraer und späteren Bergheider Geschichte. Dabei sei es schon fast eine Kuriosität der Geschichte, führte er aus, dass entscheidende Wendungen für den Ort mit "runden" Daten verbunden waren. So sei die Namensänderung von Gohra in Bergheide durch die Nationalsozialisten 1937 genau 450 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung erfolgt. Und die Löschung derselben 1987 nach der kompletten "Devastierung" des Ortes durch den Bergbau erfolgte wiederum 50 Jahre nach der Umbenennung. Nun seien weitere 30 Jahre vergangen. Grund genug, dieses "verlorenen Ortes" in einer Ausstellung zu gedenken. Emotional wurde es am Schluss seiner Ausführungen, als in zwei kurzen Filmbeiträgen bewegte Erinnerungen für viele der Anwesenden an ihren untergegangenen Heimatort noch einmal lebendig wurden.

Und dann zwängten sich die Besucher durch die schmalen Gänge, um von den Ausstellungstafeln und den Sachobjekten in den Vitrinen einen Blick zu erhaschen. Und ihr Urteil fiel durchweg positiv aus.

Vermutlich die weiteste Anreise hatte der aus dem niedersächsischen Alfeld gekommene ehemalige Bergheider Konrad Schmidt. Er sagte: "Was ihr hier geschaffen habt, ist eine großartige Sache. Ich fühlte mich an vielen Stellen zurückversetzt in meine Kindheit und Jugend in Bergheide. Ein großer Dank an alle, die hieran mitgewirkt haben." Und der ehemalige Sallgaster und letzte Bergheider Pfarrer schrieb ins ausliegende Gästebuch: "Gundermann hat gesungen: ‚Und das Erdbeben hört endlich auf!' Herzlichen Dank für diese Ausstellung." Und er fügte noch hinzu: "Es wird auch ohne Kohle gehen. Ein gern gewesener Sallgaster." Auch Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, der ebenso wie Amtsdirektor Gottfried Richter zu den Besuchern gehörte, fasste zusammen: "Eine gelungene Ausstellung, in der viel Arbeit steckt. Es ist richtig, sich immer wieder die Geschichte unserer Heimat bewusst zu machen."

Viele wollen noch einmal wiederkommen. Und der Heimatverein bietet dazu mehrere Öffnungstage an, bevor die Ausstellung am 10. Dezember beendet wird. Ditmar Gurk, Bürgermeister von Lichterfeld und Mitglied des Fördervereins "Besucherbergwerk F 60", bot an, Teile der Ausstellung im Werkstattwagen an der F 60 einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, was dankend vom Heimatverein angenommen wurde.