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| 19:33 Uhr

Neue Ausstellung in Doberlug-Kirchhain
Ein Hauch Italien in Doberlug

Eine der vier neuen Stelen im historischen Stadtkern Doberlug steht an der Klosterkirche. „Europa in Stein gebrannt“ heißt es in zehn Brandenburger Städten aus Anlass des Europäischen Kulturerbejahrs 2018.
Eine der vier neuen Stelen im historischen Stadtkern Doberlug steht an der Klosterkirche. „Europa in Stein gebrannt“ heißt es in zehn Brandenburger Städten aus Anlass des Europäischen Kulturerbejahrs 2018. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. „Europa in Stein gebrannt“ heißt das Motto der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg im Europäischen Kulturerbejahr. Für Doberlug brachte das eine neue Außenausstellung, die am Sonntag eingeweiht wurde. Von Heike Lehmann

„In Doberlug lässt sich gut Geschichte lesen“, lud Bürgermeister Bodo Broszinski am Sonntag Interessierte in den bauhistorisch außergewöhnlich kompakten Stadtteil ein. Einen weiten inhaltlichen Bogen schlägt die neue Freiluftausstellung mit vier Stelen auf dem Areal von Schloss und Klosterkirche, am ehemaligen Soldatentor sowie vor dem Quartier Rautenstock. Langsam wird der Platz knapp, weil auch noch Stelen vorangegangener Ausstellungen als Informationsquellen im historischen Stadtkern von Doberlug dienen. Jedoch der neue interessante Ansatz lohnt es allemal, den Besucher mit der Nase draufzustoßen. Es geht um den bauhistorischen Platz, der dem kleinen Doberlug gebührt – „Zwischen Oberitalien und Nordeuropa – Kloster Dobrilugk und die Anlage einer Musterstadt“, so der Titel der Ausstellung. Drei Stelen fanden ihren Platz im Bereich des Chores der Klosterkirche.

Der Kenner der Doberluger Bauhistorie, der Berliner Kunsthistoriker Dirk Schumann, erläuterte den interessierten Gästen der Ausstellungseröffnung: „Als Dietrich von Landsberg, der Stifter des Klosters Dobrilugk, auf seiner Reise durch das oberitalienische Cremona kam, sieht er dort eine stattliche Backsteinarchitektur, und so entsteht eine Kopie davon in Dobrilugk.“ Dietrich von Landsberg ließ offenbar zwischen 1170 und 1180 Ziegler und Bauhandwerker aus Italien für den Bau der Klosterkirche nach Dobrilugk kommen. Das alles kann man jetzt nicht nur nachlesen, man kann es – das bewies Dirk Schumann bei einem kleinen Rundgang – an den umsichtig sanierten Originalbauten gut nachvollziehen.

Bürgermeister und AG-Vorstandsmitglied Bodo Broszinski erinnerte daran, dass die Stadt seit mehr als zehn Jahren Mitglied der Brandenburger Städte-AG ist und sich seitdem regelmäßig an Kulturland-Kampagnen beteiligt. „Es gibt immer wieder Überraschendes zu entdecken“, hat selbst er am Sonntag zugegeben.

Mit dem Aufstieg des Dobrilugker Schlosses zur Nebenresidenz ließ sich Herzog Christian I. 1664 eine Planstadt nach dem Vorbild nordwesteuropäischer Musterstädte – ausgerichtet auf ein Herrschaftszentrum – anlegen. Bis heute im Kern erhalten.

Es steckt also eine ganze Menge Italien in Doberlug sowie Europa in Brandenburg – Entdeckungsreisende können dem in zehn historischen Stadtkernen nachspüren.

Der Kunsthistoriker Dirk Schumann erläutert im ältesten Teil vom Schloss Doberlug, in der Kapelle, und am Miniaturmodell die Backsteinarchitektur.
Der Kunsthistoriker Dirk Schumann erläutert im ältesten Teil vom Schloss Doberlug, in der Kapelle, und am Miniaturmodell die Backsteinarchitektur. FOTO: Heike Lehmann